»Wir wollen auf der Schiene bleiben«

Walzen Irle ist auf den Werksverkehr per Gleis angewiesen / Transport via Straße keine Lösung

ch Deuz. Die orangefarbene Lok schiebt den Waggon mit der Walze im Schritt-Tempo über die Gleise. 120 Tonnen drücken die rostigen Schienen ins Schotterbett. Ein Schwertransport per Schiene. Von A nach B, von der Gießerei im Werk II ins Werk I der Walzen Irle GmbH. Werksverkehr in dem 1820 gegründeten Familienunternehmen. Der Transport – hin die stählernen Fertigteile und her die Abfallprodukte – ist Teil des neudeutsch genannten Workflows. Dieser Arbeitsfluss in dem Betrieb ist mit der Entwicklung der beiden Produktionsstätten in Deuz-West und Deuz-Ost »historisch gewachsen«, wie der geschäftsführende Gesellschafter Dr. Jaxa von Schweinichen erklärt. Und die reibungslose Abwicklung der täglichen Transporte sei für den Betrieb zugleich »lebenswichtig«.

Die orangefarbene Lok ächzt. Sie rollt mit ihrer Last aus, bleibt auf dem Walzen-Irle-Gelände stehen. Ein Mitarbeiter der Siegener Kreisbahn in ebenso weithin orange-leuchtender Sicherheitskleidung springt herunter, koppelt die Waggons – sie sind Irle-Eigentum – ab. Die Walze wartet nur einen kleinen Augenblick, dann wird sie in die große Halle gebracht. Die Lok rangiert zum nächsten Güterwaggon, der mit Metallspänen aus der Produktion befüllt ist. Rund 25000 Tonnen werden so jährlich zwischen den beiden Werken hin und her gefahren, wie von Schweinichen hochrechnet. Zum Teil über werkseigene Gleise, zum Teil über die Trasse der Johannland-Bahn. Für den Transport greift das Unternehmen bisher auf den Service der Siegener Kreisbahn zurück. Lok samt Lokführer und Rangiermitarbeiter werden an zwei bis drei Stunden je Tag von der Kreisbahn gemietet. Die Details regelt ein Pachtvertrag, der allerdings in Kürze ausläuft und wohl in der ursprünglichen Form nicht verlängert wird. Denn die Weichen sind gestellt: Die Siegener Kreisbahn wird die Trasse der Johannland-Bahn zum Verkauf ausschreiben – weil die Strecke von Weidenau bis Werthenbach mit geschätzten 8 Mill. e Sanierungskosten und zu geringer Auslastung nicht mehr rentabel ist (die SZ berichtete). Wenn binnen Jahresfrist kein Käufer gefunden wird, droht die Stilllegung. Doch noch ist es nicht soweit, aber die Antwort auf eine Frage fordert Walzen-Irle-Chef von Schweinichen schleunigst ein: Wer wird künftig die schwergewichtigen Walzen (bis zu 15 Meter lang, bis zu 120 Tonnen schwer) von A nach B transportieren? Weiterhin die Siegener Kreisbahn, für die sich allerdings Einzeldienste für die insgesamt 14 Gleisanschlüsse der Johannlandbahn kaum rechnen dürften? Ein neuer Anbieter? Oder muss das Unternehmen, das jährlich rund 32 Mill. e vor allem mit der Herstellung von Walzen für die Stahl-, Papier-, Gummi- und Kunststoffindustrie erwirtschaftet, die Transporte auf die Straße verlagern? Dies bedeutete schätzungsweise mindestens fünf zusätzliche Schwertransporte quer durch Deuz. »Oder auch acht Stunden zusätzliche Verkehrsbelastung«, sagt von Schweinichen.

Die orangefarbene Lok beschleunigt. Surrend und quietschend schiebt sich der kleine Zug aus dem Blickfeld – Richtung Werk II. »Wir wollen auf jeden Fall auf der Schiene bleiben«, meint der Firmenchef mit Nachdruck. Weil es sich nämlich rechnet. Und kalkulieren muss der Mittelständler knallhart: Auch Walzen Irle leidet unter der allgemeinen wirtschaftlichen Lage. Die Auftragseingänge stagnieren, die Umsätze ebenso. Kosten senken war und ist angesagt. Das Unternehmen mit 280 Beschäftigten und 41 Auszubildenden hat bereits rationalisiert, in der jüngeren Vergangenheit 20 Stellen abgebaut und seine Produktpalette kräftig bereinigt. »Die Lohnstückkosten wegen des großen Personalkostenanteils sind zu hoch, die Energiekosten steigen genauso wie die Einkaufspreise für Rohstoffe«, erklärt der Unternehmer, dessen Betrieb 5000 Kunden in 25 Ländern weltweit beliefert. Eine Verteuerung der Infrastrukturkosten könne Walzen Irle nicht tragen, wenn das strategische Ziel – Umsatz halten bei geringerem Mengenausstoß, um die Erträge zu sichern – umgesetzt werden soll. Sprich: Walzen-Irle wird den Transport zwischen den beiden Werken nicht selbst betreiben. »Wir können uns weder eine eigene Lok samt Folgekosten, das dazugehörige Personal, noch die Ausbildung eines Eisenbahnbetriebsleiters, der uns zwingend vorgeschrieben wäre, leisten«, betont von Schweinichen.

Die orangefarbene Lok ist entschwunden. Leere Gleise. Wird sie wiederkommen und dem Deuzer Unternehmen auch im Jahr 2004 und 2005 zur Verfügung stehen? Darüber wird morgen diskutiert. Dann trifft sich von Schweinichen mit Vertretern der Siegener Kreisbahn.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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