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Heike Dilling hat konkrete Pläne in Nenkersdorf
Wohnen in der Kapelle

Heike Dilling aus Geisweid schmiedet Pläne für die entwidmete ev. Kapelle Nenkersdorf und freut sich auf den Zeitpunkt, das frühere Gotteshaus ihre eigenen gemütlichen vier Wände nennen zu dürfen.
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  • Heike Dilling aus Geisweid schmiedet Pläne für die entwidmete ev. Kapelle Nenkersdorf und freut sich auf den Zeitpunkt, das frühere Gotteshaus ihre eigenen gemütlichen vier Wände nennen zu dürfen.
  • Foto: Anja Bieler-Barth
  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

nja Nenkersdorf. „Das erste, das ich brauche, werden wohl dicke Wollsocken sein“, sagt Heike Dilling mit einem fröhlichen Lachen. In Gedanken ist sie schon eingezogen in ihr nicht alltägliches Wunschzuhause im Herzen von Nenkersdorf. Vor dem inneren Auge sieht sie genau, wo sie kochen möchte, wo das Sofa stehen, eine neue Tür den Weg zur Terrasse öffnen wird. Bis dahin ist allerdings noch viel zu tun, nicht nur in Sachen Wärmedämmung: Am 7. Juni wurde die ev. Kapelle der Kirchengemeinde Deuz feierlich entwidmet, in diesem für Nenkersdorf bewegenden Gottesdienst stellte Heike Dilling sich und ihre Pläne vor: „Ich wurde herzlich aufgenommen“, ist die 49-Jährige rückblickend dankbar.
Denkmalbehörde redet mit 64 Jahre ist das Gebäude alt, in dem sie den Rest ihres Lebens verbringen möchte.

nja Nenkersdorf. „Das erste, das ich brauche, werden wohl dicke Wollsocken sein“, sagt Heike Dilling mit einem fröhlichen Lachen. In Gedanken ist sie schon eingezogen in ihr nicht alltägliches Wunschzuhause im Herzen von Nenkersdorf. Vor dem inneren Auge sieht sie genau, wo sie kochen möchte, wo das Sofa stehen, eine neue Tür den Weg zur Terrasse öffnen wird. Bis dahin ist allerdings noch viel zu tun, nicht nur in Sachen Wärmedämmung: Am 7. Juni wurde die ev. Kapelle der Kirchengemeinde Deuz feierlich entwidmet, in diesem für Nenkersdorf bewegenden Gottesdienst stellte Heike Dilling sich und ihre Pläne vor: „Ich wurde herzlich aufgenommen“, ist die 49-Jährige rückblickend dankbar.

Denkmalbehörde redet mit 

64 Jahre ist das Gebäude alt, in dem sie den Rest ihres Lebens verbringen möchte. Noch hat sich in der Kapelle selbst nicht viel getan. Der Bauantrag ist gestellt, die Denkmalbehörde hat ein Wörtchen mitzureden: Seit 18. Juni steht die ortsbildprägende Kapelle unter Schutz. Die Orgel wurde schon herausgetragen; sie erklingt nun in der gegenüberliegenden kath. Kapelle. Auch die Glocke ist ausgebaut und eingelagert. Ihr Klang soll den Nenkersdorfern künftig auf dem Friedhof erhalten bleiben. Die Kanzel steht nun in der Kapelle in Grissenbach, teilte Pfarrer Tim Winkel mit.

Kirchengemeinde unterstützt Geisweiderin

Die Kapelle gehört immer noch der ev. Kirchengemeinde Deuz – noch sind keine Verträge unterschrieben. Winkel: „Wir unterstützen die potenzielle Käuferin, wo es geht. Das langsame Vorgehen des Denkmalschutzes irritiert uns. Wir hoffen, dass der Käuferin keine Steine in den Weg gelegt werden.“

Nichts Alltägliches

Rein zufällig hatte Heike Dilling vor rund anderthalb Jahren von den Plänen erfahren, dass das Gotteshaus – 1956 erbaut, ein Jahr später eingeweiht – zum Verkauf stehe. „Ich erzählte, dass ich etwas ,Kleines’ zum Wohnen suche, etwas nicht Alltägliches: Eine Doppelgarage, ein Backes oder einen kleinen Bahnhof – ein Gebäude, das noch kein Haus ist.“ Als sie von der Kapelle erfuhr, ging sie zunächst in sich – bis ihr im August vergangenen Jahres dann klar wurde: „Ja, ich will!“

Fußboden im Kirchenschiff bleibt erhalten

Der Kaufpreis soll nicht das Licht der Öffentlichkeit erreichen. „Alle wandverbauten Teile und der Altar stehen unter Schutz“, sagt Heike Dilling – und hat ihre Baupläne für die rund 125 Quadratmeter Wohnfläche auf zwei Etagen entsprechend angepasst. Der Fußboden im Kirchschiff z. B. muss erhalten bleiben. Man sieht ihm genau an, wo der Läufer lag, die Bänke standen. Nach der Aufbereitung hofft die Geisweiderin auf ein einheitliches, schönes Bild. Hier soll einmal das kombinierte Wohn-Esszimmer Behaglichkeit bieten. Auch die Hoffnung auf einen Ofen hat sie noch nicht aufgegeben. Die Stufen, auf denen der Altar stand, dürfen weichen. An der schmalen Wand dahinter soll eine Tür die künftige Terrasse erschließen.

Einige Buntglasfenster bleiben

Die meisten Buntglasfenster – vor allem jene zur Sieg-Lahn-Straße hin – möchte sie erhalten. Jene zum Bachlauf aber sollen in Klarglasvariante bis zum Boden heruntergezogen werden. Auch hier träumt Heike Dilling von einer Tür ins Freie. So schön die bunten Glasscheiben auch sind: „Ich möchte natürlich auch rausschauen können.“ Wo die Originale erhalten bleiben, soll eine Wärmeschutzverglasung ergänzt werden – Stichwort: Wollsocken ...

Offene Küche 

Die Deckenhöhe – rund 6 Meter – und somit weite Teile des Ambientes möchte die künftige Nenkersdorferin erhalten: „Das macht doch Sinn, wenn man so ein Gebäude kauft!“ Passiert man den Eingangsbereich, steht man künftig in der Küche – offen zum Wohnraum hin. Es soll sich das Badezimmer anschließen.

Arbeitsplatz auf der Empore

Im Obergeschoss möchte die 49-Jährige – vielleicht ja schon in anderthalb Jahren? – schlafen. „Schön wäre es auch, wenn ich hier oben ein kleines WC genehmigt bekäme. Dafür wären dann auch zusätzliche Leichtbauwände nötig.“ Auf der Empore stand früher der Chor und „beschallte“ die Gemeinde von oben. Dieser Ausblick bleibt natürlich erhalten. Hier kann sich die Geisweiderin vorstellen, einen Arbeitsplatz einzurichten. Die Hängelampen möchte sie übernehmen – der Glockenturm bleibt ebenfalls erhalten: Die Kapelle wird also ein neues Innenleben erhalten, ohne ihren dorfbildprägenden Charakter zu verlieren.

Liedtafel erinnert an frühere Zeiten

Heike Dilling ist voller Vorfreude. Schließlich ist es Liebe auf den ersten Blick gewesen: „Ich bin das erste Mal in die Kapelle getreten und habe direkt vor Augen gehabt, wie schön das neue Zuhause werden kann!“ Auch die Tafel, an der der Gemeinde früher die Liednummern kundgetan wurden, möchte sie als gestalterisches Element bewahren. Die Ziffern, die dort zu lesen sind, erinnern an den Tag der Entwidmung – und des Neuanfangs.

Autor:

Anja Bieler-Barth (Redakteurin) aus Siegen

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