SZ

Irmtraud Schniedenharn 80 Jahre
Begeistert von Farben und Formen

Irmtraud Schniedenharn wird an diesem Dienstag 80 Jahre alt. Das Thema Stadt und Raum, in dem der Mensch sich seinen Ort sucht, beschäftigt sie in ihrem künstlerischen Werk schon seit langem.
  • Irmtraud Schniedenharn wird an diesem Dienstag 80 Jahre alt. Das Thema Stadt und Raum, in dem der Mensch sich seinen Ort sucht, beschäftigt sie in ihrem künstlerischen Werk schon seit langem.
  • Foto: Dr. Gunhild Müller-Zimmermann
  • hochgeladen von Peter Helmes (Redakteur)

gmz Neunkirchen.  „Gemalt habe ich schon als Kind“, beschreibt Irmtraut Schniedenharn ihren Weg zur Kunst, „jeden Zettel, den ich fand, habe ich bemalt.“ Die Neunkirchenerin, die an diesem Dienstag 80 Jahre alt wird, hat insofern keine ungewöhnliche Kunst-Biografie. Ihre kindliche Begeisterung für die Farben und die Formen hat sie dann in den 1960er-Jahren in der für die Region so bedeutsamen Malfachschule von Theo Meier-Lippe in der Weidenauer Bismarckschule auf professionelle Füße gestellt. An drei Abenden pro Woche hat sie vier Jahre lang den Unterricht dort besucht, neben ihrer kaufmännischen Ausbildung. Ihr Berufsziel: Designerin für Stoffe und Stoffmuster.

gmz Neunkirchen.  „Gemalt habe ich schon als Kind“, beschreibt Irmtraut Schniedenharn ihren Weg zur Kunst, „jeden Zettel, den ich fand, habe ich bemalt.“ Die Neunkirchenerin, die an diesem Dienstag 80 Jahre alt wird, hat insofern keine ungewöhnliche Kunst-Biografie. Ihre kindliche Begeisterung für die Farben und die Formen hat sie dann in den 1960er-Jahren in der für die Region so bedeutsamen Malfachschule von Theo Meier-Lippe in der Weidenauer Bismarckschule auf professionelle Füße gestellt. An drei Abenden pro Woche hat sie vier Jahre lang den Unterricht dort besucht, neben ihrer kaufmännischen Ausbildung. Ihr Berufsziel: Designerin für Stoffe und Stoffmuster.
Aber dann verschoben sich mit ihrer Hochzeit die Pläne, die Textilfachschule im Ruhrgebiet hatte nicht mehr die gleiche Zugkraft wie vorher. Aber auch neben den Familienzeiten malte sie weiter, traf sich mit anderen Interessierten regelmäßig bei Theo Meier-Lippe, um über die neuesten Arbeiten zu sprechen. Das machte sie auch mit den Kindern der Grundschule Wahlbach, denen sie Kunstunterricht gab.
Zu Beginn der 1980er-Jahre begann sie auszustellen: An ihrer ersten Schau nahm sie im Oktober 1981 in Wissen teil, in den Räumen der Künstlergruppe Die Gruppe. Von da an entwickelte sich eine stetige Ausstellungstätigkeit, in Neunkirchen, in Siegen (mit Einzelausstellung im Haus Seel, in verschiedenen Kirchen, z. B. in der Marienkirche im Rahmen des Westfalentages), im Kreis, in der weiteren Umgebung, aber auch weit darüber hinaus. 158 an der Zahl sind es bisher. Die meisten dieser Ausstellungsmöglichkeiten haben sich über persönliche Kontakte ergeben, auch zwei Kataloge machten sie bekannt, erzählt sie im SZ-Gespräch.

Zurückhaltende Farbgebung

Zurückhaltende Farbgebung zeichnet ihre Arbeiten in Acryl und Öl aus, sie sind ein-, nicht aufdringlich. Oft zeigt sie Stadtlandschaften, an der Grenze zwischen figurativer und abstrakter Darstellung. „Städte faszinieren mich“, sagt sie. Orte der Zuflucht, um die es auch oft in ihren religiösen Arbeiten geht, wie beispielsweise in den Glasfenstern der Freien ev. Gemeinde Niederdresselndorf.
Städte sind in Irmtraud Schniedenharns Darstellung aber auch das Ergebnis menschlicher Planung, die manchmal als Entwurf zu schweben scheinen und sich ihren Platz im Gefüge suchen müssen. „Die Stadt, sagt sie „baut sich auf“, fügt sich zusammen, ist Gemeinschaftswerk, mit allen Vor- und Nachteilen. Zwischen Vision und Einengung siedelt sie die Stadtlandschaften an, nur gelegentlich bevölkert von Menschen, die „auf dem Weg“ sind, wie eine Arbeit treffend heißt.
Dass sie sich mit der Vision von Stadt und dem Ringen darum, wie diese Vision zu füllen sein könnte, beschäftigt, erklärt auch, warum sie an einer jurierten Ausstellung zum Thema „Stadt der Zukunft“ eine Arbeit eingereicht hat, die das charakteristische Krönchen hinter Hochhäusern verschwinden lässt – fast zugedeckt, aber eben nur fast verschwunden! Diese Arbeit wurde dann auch in einer weiteren Schau in Berlin gezeigt.
Diese Auseinandersetzung mit Vergänglichkeit und der Suche nach Halt, nach einem „Ort“ kennzeichnet auch die abstrakten Arbeiten Irmtraud Schniedenharns: Großformatige geometrische Formen suchen ihren Ort in einem Raum, werden durch weitere, sie begleitende, haltende Formen formal wie farblich in diesen Raum eingeordnet, behalten aber ihre Beweglichkeit. Diese Akzentuierung des Indivduellen blitzt auch in anderen Arbeiten auf: Ihre Schwiegertochter Suzanne von Borsody ist mit Texten von Frida Kahlo auf Lesereise gewesen, an einem Ort hat Irmtraud Schniedenharn die Lesung mit Arbeiten zu Kahlo begleitet.
In dem Portrait, das zu einem Haus-Bild mutiert, findet sich diese Suche in witzig-nachdenklicher Form ebenfalls, genauso wie in der Darstellung einer Katze, die den Betrachter zum Balanceakt auf einem dünnen Ast animiert … Wichtig ist: Man kommt an, findet in den Bildern Schniedenharns seinen Ort!

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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