1200 E für neues Boot oder ein Haus

Zeppenfelder Jungs sammelten für »Humedica«:

Dr. Martin Müller kehrte wohlbehalten von Sri Lanka zurück/Dimension ist »unfassbar«

dibi Zeppenfeld. Dr. Martin Müller kehrte gestern in den frühen Morgenstunden erschöpft, aber wohlbehalten von seinem Hilfseinsatz auf Sri Lanka zurück. »Um 3.30 Uhr lag ich endlich im Bett«, berichtete er im Gespräch mit der Siegener Zeitung. Lange Zeit zum Ausruhen blieb dem Allgemeinmediziner nicht. Bereits um 9.30 Uhr traf er sich in der Sparkassenfiliale in Zeppenfeld mit drei Jugendlichen. Aus einem erfreulichen Grund. Bastian Dax (12), Tim Oerter und Sebastian Edelmann (beide 10) überreichten ihm einen Scheck über 1200 e für die Hilfsorganisation »Humedica«. Wie berichtet, startete der Neunkirchener Arzt am zweiten Weihnachtstag mit dem »Humedica-Ärzteteam« ins Krisengebiet und baute im Nordosten der Insel die erste medizinische Versorgung mit auf.

»Das finde ich ganz toll«, lobte Dr. Martin Müller das Engagement des Zeppenfelder Trios. »Für diese Summe kann man auf Sri Lanka ein komplett ausgestattetes Fischerboot oder auch ein kleines Haus kaufen«, machte er den Jungs deutlich, wie wichtig jeder Euro auch in der nächsten Zeit für die Aufbauhilfe ist.

Ganz Zeppenfeld beteiligte sich

»Ich habe in der Siegener Zeitung die ersten Bilder von der Flutwelle und deren verheerenden Folgen gesehen, das ist ja wirklich schlimm«, berichtete Bastian Dax. Sofort war dem Zwölfjährigen klar, dass in Südostasien jede Hilfe gefragt ist. In seinen Freunden fand er schnell Mitstreiter. Bei Jugendpfleger Tilo Edelmann holte sich das Trio Rat, wie man eine Spendenaktion organisieren könne. Und dann zogen die Jungs zwei Tage von Haus zu Haus. Auch der örtliche Löschzüge spendete 100 e. Groß war die Freude beim Kassensturz über die tolle Summe. »Alle Leute haben uns unterstützt, obwohl viele auch schon anderweitig Geld gespendet hatten«, bedanken sich Bastian, Tim und Sebastian bei den Zeppenfeldern.

Auch kleine Gesten machen Mut

Dass noch lange Zeit vor allem Geldspenden im Krisengebiet erforderlich sind, weiß auch Dr. Martin Müller. Zeit zum Verarbeiten der Eindrücke hatte er verständlicherweise noch nicht. Erst der Flug von Jaffna nach Colombo, dann der mehr als zehnstündige Rückflug nach Deutschland wollen zusätzlich zum zehntägigen Einsatz verkraftet werden. »Das war wirklich anstrengend«, blickt er auf seine Tätigkeit in der Gegend um Point Pedro gestern zurück. Er habe mit seinen Teamkollegen beim Aufbau der medizinischen Erstversorgung eine große Verantwortung übernommen. Weil er schon einige Einsätze dieser Art erfolgreich absolvierte, wird der Neunkirchener Allgemeinmediziner von »Humedica« gerne für diese Aufbauarbeit eingesetzt. Dass solch ehrenamtliches Engagement vielfach honoriert wird, macht den Helfern immer wieder Mut. So stellt LTU die Plätze im Flugzeug kostenlos bereit. »Selbst das Gläschen Bier an Bord schenkte man uns«, freut sich Dr. Müller auch über solch kleine Gesten des Personals.

Doppelte Katastrophe für Kriegsregion

Nachdem das Nachfolgeteam die ärztliche Versorgung Anfang der Woche übernommen hatte, blieb Dr. Müller und seinen Kollegen auch ein wenig Zeit, sich in den unmittelbar von der Flutwelle betroffenen Küstenregionen umzuschauen. »Man kann es nur glauben, wenn man es mit eigenen Augen dreidimensional gesehen hat«, schilderte er im SZ-Gespräch seine Eindrücke vom Bild der Verwüstungen. »Fischerboote zerbarsten an Bäumen, wurden über Häuser hinweg ins Landesinnere gespült«, stimmt ihn besonders traurig, dass die überwiegend vom Fischfang lebenden Einheimischen auch noch ihre Existenz verloren haben. »Der Bürgerkrieg hat sie schon in große Armut gestürzt, die Infrastruktur ist sehr schlecht, und jetzt auch noch die Flutwelle, es ist eine Doppelkatastrophe für die Menschen auf Sri Lanka«, kann Dr. Martin Müller seine Gefühle kaum in Worte fassen.

Um den Opfern schnellstmöglich wieder eine Existenz zu bieten, will »Humedica« nicht nur Boote bereitstellen. »Wir haben ja schon seit vielen Jahren geholfen. Unter anderem wurden viele kleine Häuser als Unterkünfte gebaut. Jedes kostet nur rund 1100 Euro. Hier kann man mit relativ geringen Beträgen Großes leisten,« blickt der Südsiegerländer schon in die Zukunft.

Immer ein Lächeln auf den Lippen

So schnell nicht vergessen werden die Helfer auch das persönliche Leid der Flutopfer. Sehr betroffen sei man, wenn man erst wenige Tage alte Babys mit sehr schweren Erkrankungen behandeln müsse. Aber auch eine trauernde alte Frau, die mehrere Familienmitglieder verlor und tagelang weinte, hat Dr. Martin Müller sehr betroffen gemacht: »Anhand dieser Erlebnisse kann man auch vor Ort nur erahnen, welches Leid diese Katastrophe insgesamt über die Region gebracht hat. Die Dimension ist der Wahnsinn!« Dennoch war das Team stets bemüht, mit einem Lächeln auf den Lippen den Patienten zu begegnen, ihnen Zuversicht zu signalisieren: »Wir haben auch einmal spontan mit Kindern gespielt und gesungen, das tat auch uns für den Moment gut!«

Einmal im Jahr, so hat sich der Neunkirchener ursprünglich vorgenommen, will er sich in den Dienst des Ärzteteams stellen. Das gehe nur, weil Familie und vor allem die Kollegen in der Praxis ihn sehr unterstützen. Ab Montag will er wieder für seine heimischen Patienten da sein. »Bis dahin werden Jetlag und Erschöpfung wohl einigermaßen verkraftet sein,« hofft er. Gestern kam er noch nicht zur Ruhe. Vertreter vieler Medien wollten den Arzt sprechen, der schon 24 Stunden nach der Flutwelle als einer der ersten ausländischen Helfer in Colombo eintraf.

Wer »Humedica« weiterhin helfen will, kann Spenden auf das Konto 4747 bei der Sparkasse Kaufbeuren (BLZ 73450000) überweisen. Weitere Informationen unter Telefon (08341) 9661480 oder im Internet unter www.humedica.org.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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