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Kosmetikerin schreibt Ministerpräsident Armin Laschet an
Alle oder keiner

Die FFP2-Maske nimmt Sonja Scholko nur für das SZ-Foto ab. Bei einer Behandlung würde sie den Mund-Nasen-Schutz trotz der trennenden Plexiglasscheibe aufsetzen, ebenso der Kunde, der die Maske nur bei Bedarf kurz für die Anwendung lüftet.
  • Die FFP2-Maske nimmt Sonja Scholko nur für das SZ-Foto ab. Bei einer Behandlung würde sie den Mund-Nasen-Schutz trotz der trennenden Plexiglasscheibe aufsetzen, ebenso der Kunde, der die Maske nur bei Bedarf kurz für die Anwendung lüftet.
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tile Neunkirchen. Ministerpräsident Armin Laschet hat Post aus Neunkirchen erhalten. In einem zweiseitigen Brief macht Sonja Scholko ihrem Ärger Luft. Während Friseure ab heute wieder loslegen und sämtliche Friseurdienstleistungen – auch die gesichtsnahen (Augenbrauen, Bart, Koteletten) – ausführen dürfen, muss ihr Kosmetikinstitut geschlossen bleiben. Nicht einmal eine Perspektive zeige man ihrer Branche oder auch den Nagelstudios auf. „Das ist doch nicht fair“, beschwert sich die Selbstständige im SZ-Gespräch.

Bereits nach dem ersten Lockdown hat die 64-Jährige die ohnehin hohen Hygieneanforderungen ihrer Zunft nochmal verbessert.

tile Neunkirchen. Ministerpräsident Armin Laschet hat Post aus Neunkirchen erhalten. In einem zweiseitigen Brief macht Sonja Scholko ihrem Ärger Luft. Während Friseure ab heute wieder loslegen und sämtliche Friseurdienstleistungen – auch die gesichtsnahen (Augenbrauen, Bart, Koteletten) – ausführen dürfen, muss ihr Kosmetikinstitut geschlossen bleiben. Nicht einmal eine Perspektive zeige man ihrer Branche oder auch den Nagelstudios auf. „Das ist doch nicht fair“, beschwert sich die Selbstständige im SZ-Gespräch.

Bereits nach dem ersten Lockdown hat die 64-Jährige die ohnehin hohen Hygieneanforderungen ihrer Zunft nochmal verbessert. Etwa mit einer maßangefertigten, großformatigen Plexiglasscheibe mit einer auf sie zugeschnittenen Durchreiche, die sie bei Behandlungen von den Kunden trennt. Handschuhe, Mundschutz, Haarhaube, spezielle Arbeitsbekleidung, Einmalhandtücher, Desinfektion und Einlass nur nach Terminvereinbarung sind obligatorisch. „Deswegen hat es bis jetzt keine nachweisbaren Infektionen in dieser Branche gegeben“, stellt Sonja Scholko im Brief an das NRW-Landesoberhaupt fest.

Ungleichbehandlung geht gegen den Strich

Gegen die Öffnung der Friseursalons hat die Burbacherin, die 1996 ihr Institut an der Kölner Straße in Neunkirchen einrichtete, nichts einzuwenden. Ihr geht die Ungleichbehandlung gegen den Strich. Das Argument, die Friseure dürften öffnen, „damit sich die Menschen wieder gepflegt fühlen“, gelte für die Kosmetik erst recht – „nur unter besseren Sicherheitsvorkehrungen“, so Sonja Scholko deutlich. Die Friseure könnten nicht hinter einer sicheren Plexiglasscheibe arbeiten. Trotzdem dürften die Kunden für die Bartpflege und Co. die Masken abnehmen. Weil sie auch nicht-medizinische Fußpflege im Repertoire hat, darf die kosmetische Fachberaterin unter strengen Auflagen für einige wenige „hilfsbedürftige Kunden“ öffnen, Diabetiker oder Bluter ausgenommen.

Aknebehandlungen, Gesichtsmassagen, kosmetische Anwendungen und andere körpernahe Dienstleistungen sind weiterhin auf unbestimmte Zeit nicht gestattet. Dafür hat Sonja Scholko kein Verständnis: „Entweder verbietet man alle körpernahen Dienstleistungen (einschließlich der Schönheitschirurgie oder der gesichtsnahen Dienstleistungen beim Friseur) oder aber man erlaubt es unter den vorgegebenen Auflagen für alle körpernahen Dienstleistungsberufe.“

November-Hilfe und Dezember-Hilfe nur Peanuts

Angesichts dieser Ungerechtigkeit war sie kurz davor aufzugeben. Fußpflege, Produktverkauf per Abhol- oder Bringservice reichten nicht, um die Fixkosten zu decken. Von der November- und Dezember-Hilfe blieben unterm Strich nur „Peanuts“ übrig. Dennoch habe sie die Soforthilfe aus dem März 2020 unter großer Anstrengung schon zur Hälfte wieder zurückgezahlt. Derzeit prüfe sie mit ihrem Steuerberater, ob sich die Überbrückungshilfe III überhaupt für sie lohne.

Bisher konnten Krankenversicherung und Altersvorsorge nicht geltend gemacht werden. Im Gegenteil: Als Soloselbstständige müsse man an Sicherheiten rangehen, um seinen Lebensunterhalt zu bezahlen, so Sonja Scholko. „Ich bin in einem Alter, wo ich keine große Chance mehr habe, diese Verluste wieder zu erarbeiten“, schreibt sie an Armin Laschet. „Was bedeutet das?! – Viel Geld weg. Wo führt es hin?! – In die Altersarmut.“ Um dem vorzubeugen, schlägt sie vor, Soloselbstständigen einen nicht rückzahlbaren Unternehmerlohn rückwirkend bereitzustellen.

Viele Insolvenzen drohen

Dauere die „Zwangsschließung“, wie Sonja Scholko es nennt, weiter an, drohten viele Insolvenzen. Daher fordert sie die Landeregierung auf: „Bitte überdenken Sie schnellstens die Fehlentscheidung, dass wir noch geschlossen bleiben müssen.“ Bleibt abzuwarten, ob und wie der Ministerpräsident darauf reagiert.

Am Samstag erhielt Sonja Scholko zunächst eine Mail von der Handwerkskammer Südwestfalen, die darüber informiert, dass das NRW-Gesundheitsministerium die einzuhaltenden Maßnahmen bei körpernahen Dienstleistungen konkretisiert habe. Es sei davon auszugehen, dass auch Betriebe, die jetzt noch nicht öffnen dürften, wie Kosmetiker oder Nageldesign, diese Vorschriften nach der Wiederöffnung als Auflage bekämen. Wann das sein wird? Dazu wagt die HWK keine Prognose.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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