Iranische Schwimmlehrerin unterstützt nun das Team des Familienbads
„Apfelmalerei“ statt Froschbewegungen

Betriebsleiter Thomas Daub freut sich über "Neuzugang" Mona Zahmatkeshan, die während der Stoßzeiten im Sommer die Badeaufsicht im Familienbad unterstützt.
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  • Betriebsleiter Thomas Daub freut sich über "Neuzugang" Mona Zahmatkeshan, die während der Stoßzeiten im Sommer die Badeaufsicht im Familienbad unterstützt.
  • Foto: Gemeinde Neunkirchen
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sz Neunkirchen-Salchendorf. In dem Land, in dem Mona Zahmatkeshan aufgewachsen ist, gelten die Scharia-Vorschriften. Eine Religionspolizei wacht darüber, dass Männer und Frauen sich dem Koran entsprechend verhalten. Außerdem gilt sowohl für Frauen als auch für Männer eine Kleiderordnung. Bei Männern ist das Tragen langer Hosen Pflicht, Frauen hingegen müssen ihre Haare unter einem Kopftuch verbergen, ihre Körperkonturen mit einem langen weiten Mantel verhüllen.

Mona Zahmatkeshan stammt aus dem Iran. In der Hauptstadt Teheran ist sie aufgewachsen. Dass Männer und Frauen, die nicht miteinander verheiratet oder verwandt sind, nicht miteinander reden und nicht gemischtgeschlechtlich Sport treiben dürfen, war für sie an der Tagesordnung. Insbesondere als sie später ihren Beruf als Schwimmlehrerin ausübte.

Hobby zum Beruf gemacht

Im Iran herrschen völlig andere Sitten, Regeln und Vorgaben. Will dort eine Frau gemeinsam mit ihrem Mann und ihren Kindern schwimmen gehen, ist dies nur mit der entsprechenden Bekleidung möglich. Dies gilt für alle Sportarten, die in der Öffentlichkeit ausgeübt werden. Alternativ gehen sie ihrer Körperertüchtigung in geschlossenen Räumen nach. In den öffentlichen Schwimmbädern im Iran gibt es Zeiten, zu denen nur Frauen und Zeiten, zu denen nur Männer schwimmen.

Auch Mona Zahmatkeshan treibt gern Sport. Mountainbikefahren und Wandern stehen neben dem Schwimmen hoch im Kurs. Als es um die Jobwahl ging, machte sie ihr Hobby zum Beruf. „In der Schulzeit habe ich mich noch für Architektur interessiert und selbst Möbelstücke entworfen“, erzählt die 31-Jährige. Doch die Begeisterung für das Schwimmen war größer.

Sieben Jahre gab Mona Zahmatkeshan Schwimmkurse für Klein und Groß, unterrichtete Kinder und Frauen. Aber auch Wassergymnastik und natürlich die Badeaufsicht im Schwimmbad standen auf dem Programm.

Über das Projekt "Flüchtlinge in Arbeit" vermittelt

Vor zwei Jahren kam die junge Frau mit ihrem Mann und dem inzwischen siebenjährigen Sohn nach Deutschland, fand eine Bleibe in Neunkirchen. Dort wandte sie sich an Hubert Multhaup, den Leiter des Projekts „Flüchtlinge in Arbeit“ im Neunkirchener Rathaus. Er vermittelte Mona Zahmatkeshan an Sandra Wollin, die Bäderbeauftragte für das Familienbad. „Da Rettungsschwimmer immer gesucht werden, haben wir den Kontakt zum DLRG vermittelt und Mona die Möglichkeit gegeben, im Familienbad zu schwimmen“, erklärt Sandra Wollin.

Da die Ausbildung und der notwendige Rettungsschein der Iranerin in Deutschland nicht anerkannt wurden, musste die junge Frau zunächst die entsprechenden Prüfungen absolvieren, um als Rettungsschwimmerin aushelfen zu können. „Es hat einige Zeit gedauert, bis wir die Prüfungsbögen in Farsi erhalten haben und sie den DRLG Silber-Schein und ihren Erste-Hilfe-Kurs nachholen konnte“, so Wollin. Seitdem wird sie als Aushilfe im Familienbad eingesetzt. Dass hier Frauen und Männer gemeinsam schwimmen, und das in mitunter knapper Badbekleidung, das stört die aufgeschlossene Frau nicht.

Vorbereitung auf Prüfung zur Fachangestellten Bäderbetriebe

Der Schwimmunterricht im Iran unterscheide sich nur unwesentlich von der Vorgehensweise in Deutschland, berichtet sie im Pressetext der Gemeinde. Die drei- bis sechsjährigen Kinder im Iran lernten das Schwimmen spielerischer als die Kinder hierzulande. Um die Armbewegung beim Brustschwimmen richtig auszuführen, sollten die Kinder beispielsweise, „einen großen Apfel in das Wasser malen“.

Derzeit besucht Mona Zahmatkeshan einen Deutschkurs. Das ist nicht nur wichtig, um sich in Deutschland zu integrieren, sondern auch, um die übrigen Prüfungen nachzuholen, die für eine berufliche Perspektive als Schwimmlehrerin und Fachangestellte für Bäderbetriebe (Bademeisterin) nötig sind. „Insbesondere der Teilbereich, in dem es um die chemischen Abläufe geht, ist ohne fundierte Deutschkenntnisse nicht möglich“, erklärt der Betriebsleiter des Familienbades, Thomas Daub. Von Mona Zahmatkeshan und ihrer positiven Artsei er genauso begeistert wie die Kollegen im Salchendorfer Schwimmbad. Bei den Kinderschwimmkursen im Herbst solle sie in jedem Fall als Helferin eingesetzt werden. Und vielleicht malen die kleinen Wasserratten dann ja auch einen großen Apfel ins Wasser.

Betriebsleiter Thomas Daub freut sich über "Neuzugang" Mona Zahmatkeshan, die während der Stoßzeiten im Sommer die Badeaufsicht im Familienbad unterstützt.
Mona Zahmatkeshan nimmt eine Wasserprobe, um den Chlorgehalt des Wassers zu bestimmen.
Autor:

Redaktion Siegen aus Siegen

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