SZ

Digitalisierte Heimatstube
Artefakte aus Bits und Bytes

Anders als viele andere Heimatstuben, ist die Einrichtung am Leyhof nicht auf eine Region (Ostpreußen, Pommern, Schlesien etc.) spezialisiert, sondern will ein Ort der Erinnerung für und an die Vertriebenen aus dem ganzen ostdeutschen Gebiet sein. Mit 150 Quadratmetern gehört sie zudem zu den größeren Heimatstuben in NRW. Fotos: Tim Lehmann
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  • Anders als viele andere Heimatstuben, ist die Einrichtung am Leyhof nicht auf eine Region (Ostpreußen, Pommern, Schlesien etc.) spezialisiert, sondern will ein Ort der Erinnerung für und an die Vertriebenen aus dem ganzen ostdeutschen Gebiet sein. Mit 150 Quadratmetern gehört sie zudem zu den größeren Heimatstuben in NRW. Fotos: Tim Lehmann
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tile Neunkirchen. Es sind Orte der Erinnerung, die allmählich dem Vergessen anheim zu fallen drohen: die Heimatstuben der Vertriebenen. Denn die Angehörigen jener Generation, die in den (Nach-)Kriegsjahren gezwungen war, ihr Zuhause im Osten zu verlassen, werden weniger. Mit ihnen schwinden das Interesse der unmittelbar Betroffenen und die Anzahl der Ehrenamtlichen, die das Erbe jener Menschen verwalten und bewahren. Die Folge: Landauf, landab müssen Heimatstuben schließen. Die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen in Nordrhein-Westfalen hat deshalb das Projekt „virtuelle Heimatsammlungen in NRW“ gestartet, um diesen Teil deutscher Geschichte auch in Zukunft anhand ausgewählter Exponate, die nicht selten ganz persönliche Schicksale symbolisieren, erlebbar zu machen.

tile Neunkirchen. Es sind Orte der Erinnerung, die allmählich dem Vergessen anheim zu fallen drohen: die Heimatstuben der Vertriebenen. Denn die Angehörigen jener Generation, die in den (Nach-)Kriegsjahren gezwungen war, ihr Zuhause im Osten zu verlassen, werden weniger. Mit ihnen schwinden das Interesse der unmittelbar Betroffenen und die Anzahl der Ehrenamtlichen, die das Erbe jener Menschen verwalten und bewahren. Die Folge: Landauf, landab müssen Heimatstuben schließen. Die Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen in Nordrhein-Westfalen hat deshalb das Projekt „virtuelle Heimatsammlungen in NRW“ gestartet, um diesen Teil deutscher Geschichte auch in Zukunft anhand ausgewählter Exponate, die nicht selten ganz persönliche Schicksale symbolisieren, erlebbar zu machen.

50 Exponate werden fotografiert

Seit Montag sind Projektleiterin Elke Wilming und Mitarbeiter Sascha Gustorf in Neunkirchen damit beschäftigt, Ausstellungsstücke in der ostdeutschen Heimatstube am Leyhof zu digitalisieren. Das Projekt steht noch am Anfang, die Ausstellung in der Hellerkommune ist erst die zweite Einrichtung nach der Heimatstube Siebenbürgen in Herten-Langenbochum, die sie besuchen. Mit rund 150 Quadratmetern ist sie außerdem eine der größten. Obgleich die Neunkirchener Sammlung äußerst umfangreich ist, werden noch bis heute „nur“ rund 50 Exponate fotografiert. Dazu kommen noch 360-Grad-Panorama-Aufnahmen der Räumlichkeiten selbst.

Es könne nur eine Auswahl abgebildet werden, erklärt Wilming. Angesetzt werden Kriterien wie Bedeutung/Wichtigkeit, Originaltreue/Authentizität sowie die Möglichkeiten der Darstellung eines Stücks. Dokumente werden nicht gesichtet. Deren Archivierung haben sich etwa die Martin-Opitz-Bibliothek in Herne und das Gerhart-Hauptmann-Haus in Bonn auf die Fahnen geschrieben, mit denen Kooperationsvereinbarungen existieren, sagt Wilming.

360-Grad-Ansichten geplant

Der Aufwand ist aber auch so groß genug. Vor einer weißen Leinwand werden die Exponate, darunter auch drei Trachtenpuppen (zwei Kinder und ein Bergmann), hochauflösend fotografiert – und zwar 72-mal. Der Drehteller, auf dem sie platziert werden, rotiert in 5-Grad-Abständen einmal um die eigene Achse. Hintereinander abgespielt erhält man so eine Rundum-Ansicht des jeweiligen Gegenstands. Durchschnittlich acht Minuten dauert es, einen Gegenstand so digital zu erfassen, rechnet Sascha Gustorf vor. Geplant ist, zwölf bis 15 der circa 80 Heimatstuben in NRW (Tendenz sinkend) zu besuchen, sodass bis zum Projektende im April 2021 etwa 750 Exponate in Artefakte aus Bits und Bytes umgewandelt sein werden.

Ziel ist ein interaktiver, digitaler Streifzug durch die Heimtstuben. Im Rahmen der 360-Grad-Ansichten soll es den virtuellen Besuchern möglich werden, die Exponate von besonderer Bedeutung extra anzuklicken, die dann in der Einzelansicht genauer unter die Lupe genommen werden können.

Dazu gibt es Details zu dem jeweiligen Exponat sowie zur Geschichte der Vertriebenen. Bei der Zusammenstellung der Informationen ist die Projektgruppe zunächst auf die Angaben der Betreiber der Heimtstuben angewiesen. Im Nachgang recherchiert, prüft und verifiziert eine Historikerin die Fakten.

Norbert Gorlt ist "in das Thema hineingewachsen"

In Neunkirchen unterstützt Norbert Gorlt die Mitarbeiter der Kulturstiftung der deutschen Vertriebenen. Der 59-Jährige lenkt seit zehn Jahren hauptverantwortlich die Geschicke der vormals 1959 in Burbach gegründeten Heimatstube, die an jedem zweiten Sonntag im Monat von 14 bis 18 Uhr ihre Pforten öffnet. Er führt die Listung der Exponate fort, gestaltet die Ausstellung, nimmt neue Gegenstände entgegen und pflegt diese ein, sorgt für die Beschriftung und hält die Räume sauber und ordentlich. Für die kleine Delegation aus Bonn hat er sich extra frei genommen.

Die Leidenschaft für die Geschichte der Vertriebenen aus Ostdeutschland wurde ihm quasi in die Wiege gelegt. Vater Herbert stammte aus Schlesien und hatte den BdV-Ortsverein Freier Grund quasi mit gegründet. Er sei somit „in das Thema hineingewachsen“. Zu den monatlichen Öffnungstagen kämen regelmäßig Besucher, häufig auch Auswärtige. Insgesamt „könnten es aber etwas mehr sein“. Mit den Räumlichkeiten, die die Gemeinde zur Verfügung stellt, ist Gorlt zufrieden. So sei er beispielsweise für Rollstuhlfahrer prinzipiell zugänglich. Allerdings verhalte es sich bei den Parkmöglichkeiten wie bei den Besucherzahlen: ein paar mehr wären sehr willkommen.

Zweite Heimatstube im Kreis soll besucht werden

Die Heimatstube Neunkirchen soll nicht die einzige im Kreisgebiet sein, die für die virtuelle Heimatsammlung in NRW besucht werden soll. Auf der Liste stehe eine weitere in Wittgenstein, allerdings wisse man dort noch nichts davon, schmunzelt Elke Wilming, die 2016/17 in einem Vorprojekt bundesweit Einrichtungen besucht hat und somit über einen fundierten Überblick verfügt. Die nächstgelegenen Heimatstuben, die das Projekt auf der Liste hat, befinden sich in Köln, Bonn und Gelsenkirchen.

Bereits Mitte des Jahres sollen die ersten Ergebnisse veröffentlicht werden. Auf einer Tagung will die Kulturstiftung die neue Homepage mit den ersten virtuellen Heimatstuben präsentieren. Neunkirchen wird dann schon dabei sein.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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