Attraktivierungspläne auf Eis gelegt

Vorerst keine Investitionen ins Familienbad Freier Grund:

Zukunft der Bäderlandschaft steht zur Debatte / Schulschwimmen oder Wellnessangebote?

dibi Neunkirchen. Mit der Verbesserung der Attraktivität des Salchendorfer Familienbades beschäftigt sich der Beirat der kommunalen Betreibergesellschaft schon seit mehr als einem Jahr. Ziel: Senkung des jährlichen Betriebsverlustes. Um das zu erreichen, müssen aber erst einmal neue Gelder fließen. Und die sind derzeit ja nicht nur in Neunkirchen nicht mehr im Überfluss vorhanden. Die UWG forderte daher in einem Antrag zur jüngsten Ratssitzung: »Die Gemeinde als Eigner der Immobilie Familienbad Freier Grund soll alle Vorarbeiten, Konzept- und Marketingstudien sowie jegliche Planung, die auf bauliche Maßnahmen am Ganzjahresbad der Gemeinde abheben, sofort einstellen.« Dies, so erläutere Gerhard Lichtenthäler, solle auf unbestimmte Zeit beschlossen werden, mindestens aber so lange, wie die Finanzplanung der Gemeinde unter den Einschränkungen der Haushaltssicherung stehe. Und dies ist nach jetzigem Plan des Kämmerers bis 2006 der Fall.

Da der Beirat der kommunalen Betreibergesellschaft bereits am Tag nach der Ratssitzung tage und sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigen wolle, so erklärte Bürgermeister Manfred Gillé, erledige sich der Antrag eigentlich von selbst.

Die SZ fragte jetzt beim Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, Manfred Stahl, nach, wie es nach der Beiratssitzung in Sachen Bäder nun weitergehen soll. Im Zusammenhang mit der Attraktivierung des Familienbades muss in den politischen Gremien in den nächsten Monaten auch beraten werden, ob man sich auf Dauer noch die beiden Lehrschwimmbecken auf dem Kramberg und in der Grundschule Neunkirchen leisten kann und will. Zudem geht es auch um die Zukunft des Freibades in Altenseelbach.

Skiclub betreut Freibad Altenseelbach

Für letzteres, so erläuterte Manfred Stahl, habe man die Weichen bereits gestellt: »Der Skiclub Hohenseelbachskopf soll es auch in diesem Sommer weiter betreiben.« Langfristig habe der Verein auch Interesse an einer Übernahme. Wie die finanziell und vor allem haftungsrechtlich auf sichere Füße gestellt werden könne, werde derzeit von der Verwaltung geprüft. Was die Lehrschwimmbecken angeht, steht mit deren Erhalt oder Schließung auch die Zukunft des Familienbades in direktem Zusammenhang. Würde man sie schließen, müsste der Schwimmunterricht im Familienbad stattfinden. Stahl: »Dann müssten wir bezüglich der Nutzung für den öffentlichen Badebetrieb völlig neue Konzepte bedenken.« Daher halte er die nun auch vom Beirat getroffene Entscheidung, die Attraktivierungspläne vorerst auf Eis zu legen, auch aus finanziellen Gründen für vertretbar. Der Rat müsse nun erst einmal die künftige Marschrichtung festlegen. Die bisherigen Überlegungen sahen vor, das Bad um die Bereiche Sauna, Fitness und Wellness zu erweitern. Stahl: »Diese Angebote boomen und schreiben schwarze Zahlen in anderen Bädern.«

Apropos Zahlen: Das Familienbad fährt jährlich zwischen 250000 und 300000 Euro Verlust ein. Die Saison 2002 beispielsweise wird am oberen Ende der Verlustzone rangieren. Grund: Der schlechte Sommer bescherte nur 187000 Besucher in Hallen- und Freibad, 50000 weniger als im heißeren Jahr 2001.

Dass der Finanzbedarf künftig eher steigt, liegt für den Geschäftsführer auf der Hand: »Viele bedenken nicht, dass wir nun schon in die neunte Saison gegangen sind und man bereits an künftige Sanierungen denken muss.« Das Freibad war im Sommer 1994 nach der Sanierung erstmals eröffnet wurde, im Hallenbad wird seit Februar 1995 ganzjährig geschwommen. Was die langfristige Betreibung angeht, werd auch weiterhin die Gewinnung eines »seriösen privaten Betreibers« ein Thema sein, über das es zu beraten gelte.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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