Beharrliche Weiterentwicklung aller Produktgruppen

Karren - Heiztechnik - Apparatebau - Gewerbeküchen: Carl Capito GmbH fest am Markt orientiert

Neunkirchen. Siegerländer Unternehmertugenden sind oft beschworen worden, fänden sie die nötigen Rahmenbedingungen, gäbe es in dieser Region sicherlich keine Arbeitslosigkeit. Zu denen, die für solches Unternehmertum stehen, zählt der Neunkirchener Name Capito. Im Jahre 1900 von dem selbständigen Grubenschmied Carl Capito gegründet, läßt sich bis heute ein Teil der Produkte auf jene Gründerphase zurückführen. Karren, Apparatebau, Heiztechnik und Gewerbeküchen machen das Produktspektrum der Carl Capito GmbH aus. Ulrich Capito, mit seinem Vetter Jürgen Capito geschäftsführender Gesellschafter, hat neben aller Orientierung am Markt der Gegenwart auch die Wurzeln der Firma im Blick . Die Tatsache, daß die Karren auf den Großvater Carl Capito zurückgehen, der zudem Kohle- und Transportkästen produziert hatte, spricht für viel Beharrlichkeit, gepaart mit beständiger Innovationsbereitschaft. Anders als viele Siegerländer Betriebe, die als Zulieferer von anderen Unternehmen und deren Preisvorstellungen abhängen, hat Capito mit den Produktgruppen Karren, Heiztechnik und Gewerbeküchen über Fachhändler und Handwerker weitgehend die Endabnehmer im Blick und deshalb ein breites Vermarktungswissen erworben.

Bewußt keine Massenware

Zu den so entstandenen Marktstrategien zählt, daß sich der Mittelständler nicht als Herausforderer der Massenproduzenten versucht: So sind die Capito-Schubkarren Qualitätsprodukte, die für die Anforderungen des Profis konstruiert sind. Die billigere Schubkarre für den gelegentlichen Gebrauch im Privatgarten reicht an solche Stabilität nicht heran. Folgerichtig vermarktet die Carl Capito GmbH ihre Karren über den Einzel- und den Baugerätehandel. Dabei ergeben sich erhebliche Differenzierungen je nach Einsatzzweck. Ergonomie und robuste Bauweise sind in dem relativ schlichten Produkt gründlich durchdacht und immer wieder überprüft worden. Tatsächlich, so Ulrich Capito, hat man früher einmal vor der Frage gestanden, ob man diese Produktgruppe nicht aufgeben müsse. Die erste große Baukrise und der zunehmende Einsatz des Baukrans auf den Baustellen hätten seinen Onkel Walter Capito veranlaßt, der jungen Generation den Auftrag zu geben, nach Alternativen zu suchen. Deren Idee allerdings, dabei auf Kunststoff zu setzen, lehnte der Onkel ab: die Entsorgung des Kunststoffs sei ein zu großes Problem, er wolle sich nicht an der Umweltverschmutzung beteiligen. So entstand der neue Produktbereich Küchengeräte, der auf den damals überzeugenden Werkstoff Nirosta, also weiter auf Stahl, setzte. Parallel dazu belebte sich wieder das Geschäft mit den Karren, so daß man seither auf »vier Beinen« steht.

Offen für neue Verfahren

Wer sich im Markt behaupten will, ist offen für neue Verfahren. So hat z. B. Hermann Capito, Vater von Ulrich Capito, schnell auf das damals neue Schweißverfahren gesetzt. Man schweißte Behälter. Darin lag zugleich die Wurzel für den Heizkesselbau. Typisch für Capito: Unter nüchterner Einschätzung der eigenen Kräfte setzte man wieder nicht auf das Massenprodukt, sondern auf geeignete Nischen. So entstanden Heizkessel für Villen und maßgeschneiderte Schiffsheizkessel. Mit dem Aufkommen der Fertighausindustrie, die Capito direkt belieferte, kam es zu größeren Serien, die Mitte der 70er Jahre in der Ölkrise um Geräte für Alternativenergien erweitert wurden. Als aber der Ölpreis wieder sank, mußte man sich schleunigst umstellen, wobei Capito noch durch einen neuen Sparzwang der Fertighausindustrie getroffen wurde. Diese erwarb die Heizkessel nun über den Großhandel, »da aber waren wir«, so Ulrich Capito, »nicht zu Hause«. In der typischen Beharrlichkeit bahnte man sich neue Wege. Technisch hatte man seine Heizkessel stets an den neusten Erfordernissen orientiert, wie auch der Capito-Bereichsleiter für Heiztechnik, Paul Reuter, dartut.

Schadstoffausstoß minimiert

So machte man etwa den Weg zum Niedrigtemperaturheizkessel nur bedingt mit. Nach einer Untersuchung der Technischen Hochule Aachen hatte sich nämlich gezeigt, daß der geringere Energieverbrauch solcher Heizkessel nicht einen entsprechend geringeren Schadstoffausstoß nach sich zog: Die höhere Frequenz an Ein- und Abschaltvorgängen des Brenners bedeutet nämlich zugleich die Verlängerung jener Heizphase, in der der Energieträger nicht erschöpfend verbrannt wird. Also setzte man bei Capito auf ein Energiedepot, einen thermisch gut isolierten Wärmespeicher, der die Zahl der schadstoffreichen Starts des Brenners um bis zu 80 Prozent herabsetzt. Zugleich wird dadurch die Rußbildung, die Energieverluste nach sich zieht, deutlich vermindert. Und das Frischwasser für die Wasserleitung wird in Wärmetauschern durch diesen Wärmespeicher geführt, so daß Trinkwasser nicht durch Lagerung in einem Boiler an Qualität verliert. Zur technischen Innovation kam ein Neuansatz beim Vertrieb: Capito setzt heute bewußt auf den Partner Heizungsbauer. Dieser Handwerksbetrieb betreut seinen Bereich, baut nicht nur die Heizungen ein, sondern übernimmt auch den Service. So habe der Hausbesitzer größtmögliche Vorteile, erläutert der Firmenchef. Die Rolle des Handwerkers, der jeweils für die ganze Anlage steht, wird betont. Beim jährlichen »Leistungsspiegel Heizung - Heizkessel« mischt der Mittelständler Capito mit solchem Gesamtkonzept oft weit vorne mit. »Wir fahren Überstunden und finden nicht genügend Spezialisten«, faßt Ulrich Capito zusammen.

»Nie an Lehrlingen gespart«

Zum dritten Standbein des Unternehmens, dem Apparate- und Behälterbau, Sorgenkind vieler Firmen, meint Capito: »Ausgerechnet da geht es uns recht gut.« Man verfüge derzeit über eine befriedigenden Auftragsbestand, und der hohe Produktionsstandard erlaube auskömmliche Preise. Der Unternehmer führt das nicht zuletzt darauf zurück, daß man dem einschneidenden Strukturwandel bei dem wichtigsten Kunden, der Chemieindustrie, Rechnung getragen hat. Während diese viele Ingenieurleistungen zurückgefahren hat, habe man bei Capito viel für die innerbetriebliche Ausbildung getan. »Wir haben nie an Lehrlingen gespart«, betont Ulrich Capito. Die insgesamt 190 Mitarbeiter sind großenteils hochqualifiziert und teilweise auch darauf eingestellt, je nach der Konjunktur kurzfristig in einem anderen Produktbereich einzuspringen. Relativ große Anstrengungen verlangt schließlich die Produktgruppe: Gewerbeküchen. Hier ergibt sich bei den Kunden - Restaurants, Seniorenheime, kleinere Krankenhäuser - intensiver Beratungs- und Planungsbedarf. Nur wenig läßt sich standardisieren, weil nicht nur der jeweilige Küchengrundriß, sondern sogar die künftige Speisekarte Rückwirkungen auf die Planung hat. Man sei in diesem Bereich mehr Dienstleister, erklärt der Firmenchef. Viele Geräte würden zugekauft. Eigene Produkte seien vor allem bei nahtlos miteinander verbundenen Koch- und Bratgeräten sowie Abzugshauben entstanden. Insgesamt aber sei das Geschäft sehr personalintensiv und der Vertrieb über regional zuständige Küchenberater teuer. Von Vorteil sind allerdings neue technische Möglichkeiten wie Computerprogramme (CAD), die ein schnelles, jeweils optimierendes Planen ermöglichen.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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