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Auszubildende Janette Müller lernt in Metzgerei Scholl
Betriebe rücken in Corona-Krise zusammen

Janette Müller (r.) wird in den kommenden Wochen dem Team der Metzgerei Scholl (im Bild: Marita Scholl) über die Schultern schauen. Normalweise würde die 16-Jährige bei Küchenmeister und Ausbilder Michael Schmidt im Gästehaus Engel lernen – das wird aber erst nach dem Lockdown wieder in gewohnter Weise möglich sein.
  • Janette Müller (r.) wird in den kommenden Wochen dem Team der Metzgerei Scholl (im Bild: Marita Scholl) über die Schultern schauen. Normalweise würde die 16-Jährige bei Küchenmeister und Ausbilder Michael Schmidt im Gästehaus Engel lernen – das wird aber erst nach dem Lockdown wieder in gewohnter Weise möglich sein.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

sp Zeppenfeld/Wilden. Wie zerlegt man ein Stück Fleisch, wie würzt man am besten und wie löst man ein Kotelett aus? Mit diesen Fragen wird sich Janette Müller in den nächsten Wochen intensiver auseinandersetzen, allerdings nicht in ihrem Ausbildungsbetrieb, dem Gästehaus Engel in Wilden, sondern in der Metzgerei Scholl in Zeppenfeld. Die 16-Jährige will Köchin werden, hat Anfang August ihre Ausbildung begonnen. Dann kam der zweite Lockdown, die Gastronomie des Gästehauses musste schließen. Es folgte Kurzarbeit. Nur drei Monate nach Beginn stoppte die Ausbildung. „Langweilig war’s“, sagt Janette über die Zeit, die sie zuhause verbringen musste.

sp Zeppenfeld/Wilden. Wie zerlegt man ein Stück Fleisch, wie würzt man am besten und wie löst man ein Kotelett aus? Mit diesen Fragen wird sich Janette Müller in den nächsten Wochen intensiver auseinandersetzen, allerdings nicht in ihrem Ausbildungsbetrieb, dem Gästehaus Engel in Wilden, sondern in der Metzgerei Scholl in Zeppenfeld. Die 16-Jährige will Köchin werden, hat Anfang August ihre Ausbildung begonnen. Dann kam der zweite Lockdown, die Gastronomie des Gästehauses musste schließen. Es folgte Kurzarbeit. Nur drei Monate nach Beginn stoppte die Ausbildung. „Langweilig war’s“, sagt Janette über die Zeit, die sie zuhause verbringen musste.

"Nichts machen ist keine Option"

Stefan und Tomy Engel, Betreiber des gleichnamigen Gästehauses, suchten nach einer Möglichkeit, um Janette weiter auszubilden. Sie kontaktierten Stefan Scholl, einen befreundeten Metzgermeister mit eigenem Betrieb in Zeppenfeld. Der half gerne. „Sie kommt doch sonst keinen Schritt weiter, aber die Lehrzeit läuft weiter“, begründet Scholl seine Entscheidung. „Nichts machen ist doch keine Option.“
Die 16-Jährige darf jetzt, voraussichtlich bis Ende Januar, dem Metzgermeister und seinen Angestellten über die Schultern schauen und wenn sie möchte auch selbst Hand anlegen. „Learning bei doing“, laute die Devise, so Scholl. Und: „Sie soll uns Löcher in den Bauch fragen.“ Ziel sei nicht, dass sie jetzt Sachen machen müsse, die ihr nicht gefielen. Bei einer Schlachtung zusehen? Da winkt die Wilnsdorferin schnell ab, da will sie lieber nicht dabei sein.

Janette Müller fährt mit dem Bus von Wilnsdorf nach Zeppenfeld

Mit dem Bus fährt sie jetzt aus Wilnsdorf nach Zeppenfeld, das sei kein Problem. Um 8 Uhr fängt sie an zu arbeiten. Besonders dienstags bis freitags könne sie viel lernen und die Verarbeitung des Fleisches mitbekommen, erklärt Scholl. „Sie sieht alles, vom halben Tier bis zum panierten Schnitzel.“ An die Metzgerei angeschlossen ist auch ein Party-Service, sollten – zurzeit sind es nur kleine – Aufträge reinkommen, dann kann sie auch hier mithelfen, beispielsweise eine Platte gestalten. Janette freut sich, dass es weitergeht. „Es ist cool, ich kann wieder arbeiten gehen.“ In der Küche ihres Ausbildungsbetriebes würde sie jetzt wahrscheinlich Schneidetechniken lernen und Salate zubereiten.
Das Ehepaar Engel hatte sich vor der „Weitergabe“ ihrer Auszubildenden bei der Industrie- und Handelskammer Siegen informiert. „Die befürworten das“, so Stefan Engel. Das bestätigt die IHK auch auf Nachfrage. „Das ist eine sehr gute Idee“, sagt Sabine Bechheim, Leiterin des Geschäftsbereichs berufliche Bildung und Gründung, über die Kooperationen von Betrieben. Hin und wieder seien diese im vergangenen Jahr an die IHK herangetreten, die beratend zur Seite steht. Denn: „Das Ausbildungsziel darf nicht gefährdet werden“, betont Bechheim, der Ausbildungsplan müsse eingehalten werden. Dementsprechend wird geprüft, ob das Angebot des vorübergehenden Betriebes wirklich zur Ausbildung passt.

Dehoga begrüßt die Kooperation der Betriebe

Wie diese Zeit rechtlich und organisatorisch geregelt wird, kann unterschiedlich aussehen und hängt vor allem von der Länge ab. Bei etwa vier Wochen könne man von einem außerbetrieblichen Praktikum sprechen, erklärt Bechheim. Je länger die Zeit aber sei, um so näher müssten die Aufgaben an den Ausbildungsplan rücken. Versichert sind die Auszubildenden übrigens weiterhin über ihren Ausbildungsbetrieb. Bechheim betont, dass dieser dazu verpflichtet sei, die Ausbildung weiterhin zu gewährleisten. „Der Vertrag muss erfüllt werden.“ Und genau das sei das Dilemma, wenn einige Aufgaben aufgrund der aktuellen Situation nicht wie üblich ausgeführt werden könnten.
Die Kooperation zwischen Betrieben befürwortet auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband. „Das ist natürlich zu begrüßen“, sagt Lars Martin, der stellv. Hauptgeschäftsführer von Dehoga in Westfalen: „Ein Blick über den Tellerrand ist nie verkehrt, auch unabhängig von Corona.“ Gerade für Auszubildende aus der Gastronomie könne es eine Chance sein, bei bei einem lebensmittelverarbeitenden Betrieb wie einer Metzgerei, einer Konditorei oder Bäckerei zu lernen. „Das gibt es vereinzelt“, sagt Martin, denn noch hätten die Betriebe die Hoffnung, dass es bald wieder weitergeht.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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