BRS will Fahrpläne nun nachbessern

ÖPNV-Änderungen ein heikles Thema:

Zahlreiche Neunkirchener machten ihrer Verärgerung bei SPD-Bürgerversammlung Luft

dibi Neunkirchen. Damit hatte Vorsitzender Hans-Dieter Moritz nicht gerechnet: Der Andrang zur Bürgerversammlung des SPD-Gemeindeverbandes Neunkirchen am Dienstag war so groß, dass die Veranstaltung kurzfristig vom kleinen Saal des Otto-Reiffenrath-Hauses in den benachbarten Ratssaal verlegt werden musste. Und auch dort waren die Sitze schnell belegt. An die 100 Bürger aus dem Freien Grund nutzten die Gelegenheit, um ihrer Verärgerung über die jüngsten Veränderungen im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) Luft zu machen. Wie berichtet, hatten auch Rat und Verwaltung die ohne ihr Wissen vorgenommenen Streichungen von Verbindungen im Ortsverkehr sowie weitere Verschlechterungen des Angebotes bei den überörtlichen Verbindungen abgelehnt und das Regierungspräsidium gebeten, den neuen Fahrplan der Busverkehr Ruhr-Sieg nicht zu genehmigen.

Für das hauptsächlich in der Schusslinie der Kritiker stehende Unternehmen, eine Tochter der zuvor zuständigen Westfalenbus GmbH, standen Thomas Frank und Helmut Rameil Rede und Antwort. Die Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS) vertraten Gerhard Bettermann und Edgar Hoffmann. Hans-Jürgen Schneider (Hellertalbahn), Albert Krumm (Zweckverband Personennahverkehr Westfalen-Süd) und Ottmar Gontermann (Vorsitzender des Kreisverkehrsausschusses) waren neben Hans-Dieter Moritz (MdL) und Heinz-Werner Feuering (SPD-Fraktionschef in Neunkirchen) kompetente Ansprechpartner für die Bürgerschaft.

»Ich fahre jetzt mit dem Auto«

Die Nachteile der jüngsten Änderungen brachte Martin Gerke auf den Punkt. Der Altenseelbacher bemängelte, dass sein Heimatort nahezu vom ÖPNV abgekoppelt worden sei. Für den langjährigen Busfahrer gab es nur eine Konsequenz: »Ich fahre jetzt mit dem Auto zur Arbeit.« Der Grund: Statt zuvor 55 Minuten, würde er heute 75 Minuten mit dem Bus unterwegs sein. Mit dem Pkw sei er in 25 Minuten am Ziel.

Kritik übte er wie viele andere Bürger vor allem aus den Bereichen Rassberg und Salchendorf (z.B. Altenheim) auch an der Informationspolitik der BRS. Erst zwei Tage vor der Umstellung zum 15. Dezember sei man informiert worden. In diesem Punkt gaben die BRS-Vertreter den Kritikern Recht. Man habe aus Zeitgründen nicht eher reagieren können, weil sich die Planungen langwieriger als gedacht gestaltet hätten. Auf einige Kritikpunkte habe man auch sofort reagiert, bereits weitere Busse eingesetzt. Die einzelnen Probleme aufzulisten, würde den Rahmen der Berichterstattung sprengen. Als Knackpunkt erwiesen sich aber vielfach auch offenbar nicht aufeinander abgestimmte An- und Abfahrtszeiten von Linienverbindungen.

Umsteigen bereitet große Probleme

Und auch die jetzt notwendigen Umstiege beim Postamt Neunkirchen sind nicht die Endlösung. Gemeinsam mit der Gemeinde, so Hauptamtsleiter Karl-Wilhelm Müller, suche man nach einer besseren Möglichkeit. Die Anlieger der Gartenstraße beschweren sich über den ständigen Lärm laufender Busmotoren und die Dieselschwaden.

Defizit auf Dauer nicht verkraftbar

Die Ursache allen Übels ist nach Angaben der BRS-Sprecher natürlich das Geld. Ihr Unternehmen müsse sich selbst finanzieren. Angesichts eines Defizits von 2 Mill. Euro im Vorjahr könne man auf Dauer nicht alle defizitären Linien bedienen (die L230 im Ortsverkehr Neunkirchen verursache z.B. ein Minus von 50000 Euro im Jahr). Es sei denn, Kreis oder Gemeinde kämen für die Verluste auf. So, wie es andernorts längst der Fall sei. Denn beim im September ermittelten Fahrgastaufkommen an Werktagen (Altenheim 30, Rassberg 22 und Altenseelbach 46 Personen pro Tag) könne man die Kosten nicht reinholen.

Mit so genannten »Linienbündeln« (eine Mischung defizitärer und profitabler Linien) solle in Zukunft ein Ausweg aus der Misere gesucht werden, erklärte Ottmar Gontermann. Auch er kritisierte allerdings, dass die Politik bislang nie rechtzeitig und umfassend informiert wurde: »Wir bekommen die Prügel der Bürger, wissen aber selbst nicht mehr!« Dies sei nicht länger akzeptabel.

Dies gilt für die Bürger auch in Sachen Bahnverbindungen. Wie mehrfach berichtet, schlagen sich die Verspätungen der Bahn im Raum Köln bis auf die lokalen Anschlussverbindungen auch der Hellertalbahn nieder. Ein Zustand, der nach Angaben der Experten bekannt, aber von der Deutschen Bahn nur schleppend abgebaut werde.

Auf Verbesserungen gespannt

Noch vor den Osterferien will die BRS die Busverbindungen im südlichen Siegerland optimieren und Anregungen der Passagiere aufnehmen. Im Neunkirchener Verkehrsausschuss sollen erste Ergebnisse am 18. Februar vorgestellt werden. Darauf sind die Bürger nun gespannt.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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