»Die Entwicklung ist dramatisch«

Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium kämpft mit anhaltendem Rückgang der Schülerzahl

dibi Neunkirchen. »Die Entwicklung im letzten Jahr ist dramatisch« – diese Einschätzung von Klaus-Peter Albrecht, stellv. Schulleiter des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Neunkirchen, steigerte Heinz-Werner Feuring (SPD) noch. »Das war der Supergau«, brachte er den seit einigen Jahren anhaltenden Rückgang der Schülerzahl gestern Abend im Schul- und Kulturausschuss auf den Punkt. Drückten im Schuljahr 1998/99 noch 775 Gymnasiasten die Schulbank auf dem Rassberg, sind es im aktuellen Schuljahr nur noch 644. Alleine in der Klasse 5 sank in diesem Zeitraum die Zahl der neuen Schüler von 112 auf 73.

Ursachen dafür gibt es viele. Albrecht führte einige Beispiele an. Alleine von der Grundschule Neunkirchen fehlten wegen eines schwachen Jahrgangs im Vergleich zu Vorjahren rund 20 Schüler. Aus Altenseelbach wählten gerade einmal zwei Kinder den Weg auf den Rassberg. Negativrekord. Weitere Verluste wurden aus Richtung Herdorf und Burbach registriert. Vor allem aus dem Hickengrund zieht es alle Überwechsler inzwischen nach Wilnsdorf. Hier sieht man einen wichtigen Ansatzpunkt. Weil zu Beginn des aktuellen Schuljahres zunächst nicht alle Interessenten aus dem Obergrund in der Wielandgemeinde unterkommen sollten, stieg die Zahl der Anmeldungen in Neunkirchen. Als nach Elternprotesten sich dann aber doch die Türen in Wilnsdorf wieder öffneten, kehrten rund ein Dutzend Kinder dem Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium doch noch den Rücken.

Um den Abwärtstrend zu stoppen, planen die Neunkirchener einige Veränderungen. So soll nach den Ausführungen des stellv. Schulleiters der Präsentationstag 2004 völlig neu konzipiert werden: »Die Kinder entscheiden offensichtlich mehr als die Eltern, wo sie künftig zur Schule gehen wollen, deshalb wollen wir die Präsentation noch ansprechender für sie gestalten.«

Präsentation zu spät?

Nach Ansicht von Bernd-Wilbert Müller (CDU) findet diese Präsentation viel zu spät statt. Der Vater eines Struthüttener Grundschulkindes: »Alle anderen Schulen sind da früher am Ball, in unserer Schule sind bereits viele Entscheidungen auch in Richtung Regionalschule Herdorf oder Gymnasium Betzdorf gefallen.« Was der Konrektor anders sah: »Wir meinen, dass die Vorstellung zeitnah zum Anmeldetermin stattfinden sollte.«

Wie dem auch sei, damit alleine werden sich nicht genügend Schüler gewinnen lassen. Darum hat die Schulleitung auch schon Gespräche u.a. mit der Bezirksregierung geführt, ob man nicht die Schüler aus Burbach, Wahlbach und Gilsbach dazu anhalten kann, das Gymnasium in Neunkirchen zu wählen.

Mehr auf Wünsche der Schüler eingehen

Diesen sanften Zwang hielt Pastor Martin Albrecht nicht für sinnvoll. Vielmehr müsse man nach seinen Erfahrungen mit Jugendlichen gezielter auf die Erwartungen der Schülerschaft eingehen: »Viele sehen hier ihre Erwartungen und Ambitionen nicht erfüllt!«

Dieses Problem ist auch der Schulleitung nicht fremd. Wie Klaus-Peter Albrecht erklärte, habe man bei immer weiter sinkenden Schüler- und in der Folge auch sinkender Lehrerzahlen immer schlechtere Karten. So könne man beispielsweise in der Oberstufe keine Leistungskurse z.B. für Sozialwissenschaften, Musik und Physik anbieten. Je zehn Schüler werde nur ein Kurs genehmigt. Auch für zusätzlichen Förderunterricht habe man keine Lehrer-Kapazitäten: »Wir können ja nicht einmal den Unterricht nach Stundentafel erfüllen.« Ein neues Profil will sich die Schule künftig mit dem Angebot eines »bilingualen Zweigs« geben.

Die Lage werde sich im nächsten Jahr weiter zuspitzen. Die Neunkirchener müssen zwei Lehrer an Siegener Schulen abgeben, die personell noch schlechter ausgestattet sind. Auf dem Rassberg beträgt der Stellenüberhang aktuell rechnerisch noch 3,5 Stellen. Durch personelle Veränderungen wird kurzfristig aber ein ausgeglichener Stand von Ist und Soll erwartet. Trotz des derzeitigen Überhangs besteht teilweise ein fachspezifischer Bedarf, der zu Kürzungen in den Fächern Physik, Chemie, Biologie und Sport führt. Angesichts eines Altersdurchschnitts weit jenseits von 50 Jahren rechnet man auch aufgrund von Pensionierungen in den nächsten Jahren mit einer Verjüngung des Kollegiums.

Ausschussvorsitzende Annegret Lück (SPD) appellierte angesichts der misslichen Lage an Schüler und Eltern, die guten Schulangebote vor Ort stärker zu nutzen. Ob der Appell fruchtet, wird sie als Lehrerin am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium ja selbst kontrollieren können.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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