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Bergbaufirmen sichern sich Rechte
Die Jagd nach Kobalt im Siegerland

Für das Kunstertal hat sich eine englische Firma Rechte zur „Aufsuchung von Bodenschätzen“ auf einer Fläche von rund 4,5 Millionen Quadratmetern gesichert.
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  • Für das Kunstertal hat sich eine englische Firma Rechte zur „Aufsuchung von Bodenschätzen“ auf einer Fläche von rund 4,5 Millionen Quadratmetern gesichert.
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  • hochgeladen von Sonja Schweisfurth (Redakteurin)

tip Neunkirchen/Siegen. Minenunternehmen aus aller Welt suchen nach dem unter anderem für die Herstellung von E-Autobatterien wertvollen Kobalt. Auch das Siegerland mit seiner langen Montantradition ist in den Fokus von Investoren und spezialisierten Bergbaufirmen geraten. Das belegen Recherchen der SZ. Für das Kunstertal bei Neunkirchen und das Gebiet „Siegtaler Hoffnung” bei Niederschelden gibt es bereits von der Bezirksregierung Arnsberg genehmigte, konkrete Interessensbekundungen.
Englische Firma zeigt InteresseSo möchte beispielsweise die englische Firma Berwick Capital (Germany) Limited alte Gruben in der Nähe von Struthütten näher begutachten. Die Genehmigung zu den dazu nötigen Vorarbeiten liegt vor, eine entsprechende „Erlaubnisurkunde” ist im Neunkirchener Rathaus eingegangen.

tip Neunkirchen/Siegen. Minenunternehmen aus aller Welt suchen nach dem unter anderem für die Herstellung von E-Autobatterien wertvollen Kobalt. Auch das Siegerland mit seiner langen Montantradition ist in den Fokus von Investoren und spezialisierten Bergbaufirmen geraten. Das belegen Recherchen der SZ. Für das Kunstertal bei Neunkirchen und das Gebiet „Siegtaler Hoffnung” bei Niederschelden gibt es bereits von der Bezirksregierung Arnsberg genehmigte, konkrete Interessensbekundungen.

Englische Firma zeigt Interesse

So möchte beispielsweise die englische Firma Berwick Capital (Germany) Limited alte Gruben in der Nähe von Struthütten näher begutachten. Die Genehmigung zu den dazu nötigen Vorarbeiten liegt vor, eine entsprechende „Erlaubnisurkunde” ist im Neunkirchener Rathaus eingegangen. Im Januar 2021 hatte sich das Unternehmen mit Sitz in London entsprechende Rechte sichern lassen. Die Bezirksregierung bestätigte das auf Anfrage unserer Zeitung. „Sogenannte Aufsuchungsarbeiten dürfen vorgenommen werden”, heißt es aus dem Bergbauamt.

Hintergrund ist die „Aufsuchung von Bodenschätzen zu gewerblichen Zwecken” – und das auf einem Gebiet von rund 4,5 Millionen Quadratmetern, was einer Fläche von etwa 620 Fußballfeldern entspricht. Auch nach Nickel, Kupfer, Zink, Silber, Blei und Eisen dürfen die Engländer forschen.

Kobalt im Kunstertal

Dass es Kobalt im Kunstertal gibt, ist sicher. Schon im 19. Jahrhundert wurde dort nach dem wertvollen Mineral gesucht. Mit Erfolg: Die Siegerländer förderten das Erz, welches zur Herstellung von Farben gebraucht wurde. Als Kobalt als Stahlveredler in den 1920er-Jahren benötigt wurde, gab es eine kurze Wiederbelebung. Doch unter anderem der beginnende Zweite Weltkrieg setzte den Bestrebungen ein Ende. Noch heute kann man im Kunstertal an vielen Stellen auf Relikte stoßen, die diesen speziellen Zweig der regionalen Montangeschichte bezeugen.

Geologe sichert sich 6 Millionen Quadratmeter

Gute Kenntnis der Geschichte des Kobaltabbaus im Siegerland hat Dr. André Hellmann. 2019 veranstaltete er auf Einladung des Bergbaumuseums Sassenroth eine Exkursion zu dem Thema durch das Kunstertal. Der Geologe, gebürtig aus Siegen, hat überdies aber auch ein geschäftliches Interesse in Sachen „Kobalt”: 2013 sicherte er sich über die von ihm verantwortete Core Power UG gewerbliche Rechte an einem über 6 Millionen Quadratmeter großen Areal bei Niederschelden. Dort war bis 1940 die Grube „Philippshoffnung” aktiv. Sie galt als bedeutendste Kobaltgrube im Bergrevier Siegen II. Hellmann sagte der SZ, dass bislang lediglich Proben genommen worden wären. Bohrungen seien in Planung. Ob das Kobalt tatsächlich abbauwürdig ist, müsse sich noch zeigen.

Bergbaurechte zu Geld machen

Die Rolle von Berwick Capital in Sachen „Kunstertal” scheint klar: Die Firma hat sich darauf spezialisiert, Bergbaurechte zu Geld zu machen. Auf der Homepage lautet das so: „Wir beteiligen uns aktiv an der Bewertung neuer Möglichkeiten für Bergbau- und Energieprojekte auf der ganzen Welt.” Berwick Capital ist eng vernetzt mit dem börsennotierten Unternehmen Alba Mineral Ressources, das nach eigenen Angaben über ein „außergewöhnliches Portfolio hochwertiger Bergbauprojekte” verfügt. Unter anderem betreibt man ein Prestigeprojekt im Inglefield-Land in Grönland. Das Ziel dort: die Förderung von Kobalt.

Zeitrahmen: vier bis fünf Jahre

Bis es im Kunstertal dazu kommen wird, könnte noch Zeit vergehen. Michael Hester vom Fachbereich Bauen und Umwelt der Gemeinde Neunkirchen rechnet – bei erfolgreichen Voruntersuchungen und von der Bezirksregierung zu genehmigenden Betriebsplänen – mit einem Zeitfenster von vier bis fünf Jahren. Sonderlich erfreut war man übrigens nicht, als die Erlaubnisurkunde für Berwick Capital im Neunkirchener Rathaus eingetroffen war. Die Gemeinde hatte auf Anfrage der Bezirksregierung eine Stellungnahme zu dem Vorhaben im Kunstertal abgeschickt. Der Tenor, so Hester: „Wir sehen hier ein Gefahrenpotenzial durch sich öffnende Gruben. Schon am Steimel mussten seinerzeit solche Öffnungen mit Beton verfüllt werden. Grundsätzlich wollen wir das unseren Bürgern hier eigentlich nicht zumuten.”

Herrin des Verfahrens ist aber die Bezirksregierung. Sie vergibt die Bergbaurechte. Wohl auch aus Eigeninteresse: Wer gewerbliche Zwecke verfolgt, hat jährlich eine Feldesabgabe Richtung Arnsberg zu entrichten. Und wer tatsächlich Bodenschätze fördert, muss dann auch noch eine Förderabgabe leisten. Die dürfte beim heiß begehrten Kobalt stattlich ausfallen.

Autor:

Tim Plachner

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