Duldung schenkt keine Freiräume

Pianist Safar Gulshanov aus Tadschikistan hat Asyl beantragt / Morgen Konzert

Zeppenfeld. Das Wort klingt ganz schön gemein: Duldung! Safar Gulshanov aus Tadschikistan wird geduldet. Zumindest bis Oktober. Dann kommt ein Bescheid. Widerspruch ist möglich. Und dann? Das große Schulterzucken. Aber vielleicht – Daumen drücken erwünscht – ist bis dahin ja bereits alles im Lot. Der talentierte Pianist Safar, der zurzeit im Übergangswohnheim in Struthütten wohnt, hat nämlich Freunde, die ihm weiterhelfen.

Der Zeppenfelder Pfarrer Martin Schreiber und Presbyterin Birgit Schönwald setzen alles dran, dem 18-jährigen, der seine Heimat aus politischen Gründen verlassen musste, ein Studium in Deutschland zu ermöglichen. Und das durchaus mit Erfolg. Immerhin hat Safar Gulshanov einen möglichen Studienplatz am Konservatorium der Fachhochschule Osnabrück – Abteilung Jazz – sicher. Eine weitere Bewerbung läuft noch – Sparte Klassik – an der Musikhochschule Köln. Die Entscheidung fällt in diesen Tagen. Man spürt dem sensiblen Musiker die Anspannung, den Druck, an, unter dem er steht. Duldung schenkt keine Freiräume.

Einen Eindruck von den pianistischen Fähigkeiten des aus einer Musikerfamilie stammenden jungen Mannes können die Siegerländer morgen, 14. Juli, 20.15 Uhr, in der Ev. Christuskirche Zeppenfeld bekommen. Unter dem Titel »Von Barock bis Jazz« spielt – übrigens bei freiem Eintritt – Safar Gulshanov Werke von Bach, Haydn, Chopin, Rachmaninov und Auszüge aus seinem Jazzprogramm. Wie kommt ein junger Mann, der die ersten Jahre seines Lebens in Kasachstan verbracht und den es später in einen kleinen Ort im Norden Tadschikistans nahe der usbekischen Grenze verschlagen hat, zum Jazz? In der Familie Gulshanov drehten sich regelmäßig die schwarzen Scheiben auf dem Plattenteller. Klassisches und Jazziges halt. Als seine persönlichen Favoriten in Sachen Jazz nennt Safar nur allererste Adressen: Charlie Parker, Chick Corea oder Herbie Hancock. Klingt doch ganz so, als ob sich ein Ausflug nach Zeppenfeld am Sonntag lohnen würde!

Safar Gulshanov hat in der Christuskirche bereits zweimal im Gottesdienst gespielt. Außerdem kann er regelmäßig das Klavier in der Kirche nutzen. Üben ist bekanntlich das tägliche, harte Brot des Musikers. Damit beim Konzert auch optisch alles stimmt, will der Frauenabendkreis der Gemeinde den Musiker noch einkleiden. Keine Frage, der Tadschike ist in Neunkirchen mehr als geduldet. Er wird nicht nur von Presbyterin Birgit Schönwald in Deutsch unterrichtet, sondern besucht auch die Hauptschule Neunkirchen.

Das große Problem des Safar Gulshanov ist sein Status. Als Asylbewerber darf er nicht arbeiten, sprich keine Konzerte geben, um Geld zu verdienen. Das Kreisgebiet darf er immer nur mit Erlaubnis der Behörden verlassen. Wenn er also in Osnabrück (Semesterbeginn Ende August) studieren würde, müsste er, während der Asylantrag läuft, für jede Fahrt eine Erlaubnis beantragen. »Die Ämter«, so Pfarrer Martin Schreiber, »sind sehr engagiert. Aber die Gesetze sind nun mal so.« Wichtige Hilfestellung leiste auch der Siegener Verein für Arbeit und Soziales.

Ein weitere Möglichkeit, Safars Bleiben in Deutschland zu sichern, wäre der Versuch, ein Studienvisum zu beantragen. Dazu, meint Pfarrer Schreiber, müsse er allerdings zurück nach Tadschikistan und dieses Visum dort in der Deutschen Botschaft beantragen. Ob der Sohn einer Jüdin und eines Tadschiken das Land dann wieder verlassen darf...

Martin Schreiber: »Mit dem Konzert wollen wir Öffentlichkeit herstellen.« Gerade die Politiker sollen auf Safars Schicksal, der aus Unna-Massen nach Neunkirchen kam, aufmerksam gemacht werden. Eingeladen hat der Pfarrer sie...

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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