Ein gefundenes Fressen

Die Oberstufen-Theater-AG des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums Neunkirchen präsentiert in zwei Aufführungen Heinrich Bölls „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“. Foto: ciu
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ciu Neunkirchen. Da sitzt sie, die Katharina Blum, und wird unerbittlich verhört. Was hat sie wann getan und wo und warum? Fragen, Fragen, Fragen. Vom Staatsanwalt, vom Kriminalhauptkommissar. Ungerührt schaut die Protokollführerin zu. Gnadenlos fokussiert sich alles auf die junge Frau, von der zunächst nur so viel bekannt ist: Sie hat auf einer Karnevalsfeier im Hause ihrer Tante einen Mann namens Ludwig Götten kennengelernt. Der hat sie nachts heimgebracht und die Nacht bei ihr verbracht. Der Haken an der Geschichte: Götten wird polizeilich gesucht. Als Terrorist, Bankräuber, Mörder. Weshalb Katharina Blum unter Verdacht gerät. Hat sie dem Verbrecher zur Flucht verholfen? Deckt sie jemanden, der die Staatssicherheit bedroht?

Ein gefundenes Fressen ist die „Story“ für die „Zeitung“, die sich mit dicken Lettern auf Katharina Blum einschießt. Mit Etikettierungen wie „Mörderbraut!“ und „Räuberliebchen!“ macht das Blatt Stimmung – und die junge Frau systematisch kaputt.

Davon erzählt Heinrich Bölls Roman „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, 1974 vom Autor als konkrete Reaktion auf die „Bild“-Hetze gegen ihn geschrieben. Ein Text, der Betroffenheit auslöst, auch weil er 35 Jahre später nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. „Bild“ übt immer noch polemisierend Druck aus und wird millionenfach gelesen …

Deshalb ist es gut und wichtig, dass „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ nach wie vor ihren Platz in den Klassenzimmern hat, Schullektüre ist und – wie gerade am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium Neunkirchen – auch als Bühnenstück reflektiert und aufgeführt wird. Die Oberstufen-Theater-AG spielt Böll. Heute und morgen jeweils ab 19 Uhr in der Aula am Rassberg.

Die Inszenierung von Lehrer Heinz Weber konzentriert sich auf das gesprochene Wort. Denn gesprochen wird viel. Wahres und Unwahres, im Verhörraum und im Privaten, für alle Ohren bestimmt und verschwörerisch, geheim. Die Rolle der Katharina Blum teilen sich Alexandra Varnay und Sabina Buk, die der „roten Trude“ Elena Kipping und Tamara Fuchs, die der Else Woltersheim Svenja Utsch und Josefine Wellmann, die von Konrad Beiters Marian Gudelius und Nils Stahlhut. Außerdem zum Ensemble gehören: Simon Sander, Simon Patt, Benedikt Killing, Christian Halbe, Marcel Schneider, Mario Löhr, Tabea Wildraut und Luisa Uhr.Einen beachtlichen Anteil am Gelingen der Aufführung hat das selbstverständlich auch Team hinter den Kulissen: Bühne, Requisiten, Medien (es gibt Einspieler aus der „Katharina-Blum“-Verfilmung), Beleuchtung und Maske.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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