SZ

Folgen der Trockenheit im Wald
„Ein katastrophaler Zustand“

Die Gruppe besichtigte eine Fläche der Waldgenossenschaft „Nassau-Dillenburger Hochwald“, rund drei Hektar mit Fichten sind hier nicht mehr zu retten. Die Bäume werden demnächst gefällt. Fotos: Sarah Panthel
6Bilder
  • Die Gruppe besichtigte eine Fläche der Waldgenossenschaft „Nassau-Dillenburger Hochwald“, rund drei Hektar mit Fichten sind hier nicht mehr zu retten. Die Bäume werden demnächst gefällt. Fotos: Sarah Panthel
  • hochgeladen von Sarah Panthel (Redakteurin)

sp Wiederstein. Horst Arnold Bäcker hat seine kleine Kamera in der Hand, als er durch den Fichtenwald läuft und zwischen den am Boden liegenden, toten Ästen herumkraxelt. Er macht Bilder von den Stämmen und will, wie er sagt, eine Erinnerung haben. Mit Wehmut blickt er auf die Bäume. Sie sind tot. Markierungen zeigen, dass sie gefällt werden sollen – eine drei Hektar große Fläche wird bald kahl sein. Die anhaltende Trockenheit und der damit einhergehende Borkenkäferbefall haben die Bäume absterben lassen.

Jetzt wartet der Vorsitzende der Waldgenossenschaft „Nassau-Dillenburger Hochwald“ darauf, dass ein Unternehmen Zeit hat, die Bäume zu fällen, und darauf, dass er sie für einen einigermaßen guten Preis verkaufen kann – denn der Markt für Fichtenholz ist bereits eingebrochen.

sp Wiederstein. Horst Arnold Bäcker hat seine kleine Kamera in der Hand, als er durch den Fichtenwald läuft und zwischen den am Boden liegenden, toten Ästen herumkraxelt. Er macht Bilder von den Stämmen und will, wie er sagt, eine Erinnerung haben. Mit Wehmut blickt er auf die Bäume. Sie sind tot. Markierungen zeigen, dass sie gefällt werden sollen – eine drei Hektar große Fläche wird bald kahl sein. Die anhaltende Trockenheit und der damit einhergehende Borkenkäferbefall haben die Bäume absterben lassen.

Jetzt wartet der Vorsitzende der Waldgenossenschaft „Nassau-Dillenburger Hochwald“ darauf, dass ein Unternehmen Zeit hat, die Bäume zu fällen, und darauf, dass er sie für einen einigermaßen guten Preis verkaufen kann – denn der Markt für Fichtenholz ist bereits eingebrochen. Wie es ihm damit geht? „Auf gut Deutsch gesagt: beschissen“, sagt Bäcker: „Es tut einem in der Seele weh, aber es ist einfach nicht zu ändern.“ Er schaut sich die etwa 40 Meter hohen und ca. 100 Jahre alten Fichten an, die „für ein paar Euro verscherbelt werden“.

Ein Problem über Nordrhein-Westfalen hinaus 

Aber nicht nur die Waldgenossenschaft „Nassau-Dillenburger Hochwald“ (55 Anteilseigner) leidet, auch die Waldgenossenschaft „Hauberg Wiederstein“ (170 Anteilseigner) und viele weitere Waldbesitzer sorgen sich. Das Sterben der Bäume ist ein Problem, das über Nordrhein-Westfalen, über Deutschland hinausgeht. Darauf machte Förster Elmar Wulf, Leiter des Bezirksreviers Burbach (Landesbetrieb Forst und Holz NRW), gemeinsam mit Jan Zimmermanns (ebenfalls vom Landesbetrieb) bei einer rund zweistündigen Führung durch den Wald in Wiederstein aufmerksam. Rund 40 Interessierte folgten der Einladung.

Anlass für die Veranstaltung sei gewesen, dass Waldarbeiter immer wieder gefragt würden, warum sie auch die grünen Fichten fällten, so Wulf. Der Schein sei trügerisch. Auch wenn die Bäume noch ihre Nadeln hätten, seien viele bereits vom Borkenkäfer befallen. Und jede Woche werde das Bild, das sich im Wald abzeichne, schlimmer. Auch wenn die Medien immer wieder auf das Waldsterben aufmerksam machten: „Die Leute haben nicht den Überblick über den Wald vor Ort“, hat Wulf für sich erkannt.

Zu viele Borkenkäfer für Bäume 

Die zwei Borkenkäferarten, der Buchdrucker und der Kupferstecher, machen den Fichten zu schaffen. Die Bäume können aufgrund der Trockenheit nicht genügend Harz produzieren, das natürliche Abwehrmittel gegen die Schädlinge. Bis zu 8000 Käfer finden Platz an einem Baum. Den Borkenkäfer habe es zwar immer schon gegeben, erklärt Zimmermanns den Teilnehmern, aber zurzeit sei es „eine immens hohe Zahl, die unseren Wald auffrisst“. Auf Nachfrage erklärt er, dass es natürliche Feinde des Borkenkäfers gebe, wie die Wespe, aber die kämen mit dem Vertilgen der Schädlinge nicht hinterher. Auch Lockstofffallen hätten kaum eine Wirkung, ergänzt Wulf. Er vergleicht die Ergebnisse mit der Entnahme von 100 Ameisen aus einem Ameisennest – die Population reduziere das nicht.

Der Borkenkäfer hat zurzeit die Oberhand. Er verbreitet sich schneller, als der Wald – und die Genossenschaften – es verkraften können. „Ein katastrophaler Zustand“, wird Wulf nicht müde die Situation zu schildern: „Hier ist nichts mehr gut.“ Der Förster geht mit der Gruppe zu den betroffenen Stellen, zeigt ihnen die Käfer hinter einem Stück Rinde und das sogenannte Bohrmehl, das sich auf dem Boden sammelt: „Wenn das zu sehen ist, dann ist der Baum schon tot.“ Die Menge an Totholz sei noch nicht so schlimm wie bei dem Orkan Kyrill 2007. Der Unterschied sei aber, so Wulf, dass der Waldbesitzer damals aufgewacht sei und den Schaden gesehen habe. Dies hier sei ein schleichender Tod, der immer weitergehe.

"Hier gehen Werte verloren"

Für Waldbesitzer wie Horst Arnold Bäcker oder Armin Gräf (Vorsitzender der Waldgenossenschaft „Hauberg Wiederstein“) eine Tragödie. „Hier gehen Werte verloren“, macht Wulf deutlich, und trotzdem hofft man, dass die Stämme noch etwas Ertrag bringen könnten. Der Fichtenpreis pro Festmester liegt zurzeit bei ca. 44 Euro für besonders gute Qualität und bei 23 Euro, wenn das Holz beispielsweise nur noch zu Hackschnitzeln verarbeitet werden kann. Wenn das Holz nicht zu einem guten Preis verkauft wird, dann müssen die Mitglieder der Genossenschaften draufzahlen. Die Waldgenossenschaft „Hauberg Wiederstein“ habe zum Glück noch Rücklagen, so Gräf.

Rettung sei kaum noch möglich, aber „wir tun, was wir können“. Elmar Wulf macht Mut. Irgendwann müssten die Flächen wieder aufgeforstet werden, das sei aufwendig und koste viel Geld. Zunächst müsse alles eingezäunt werden, um die neuen Pflanzen vor Wild zu schützen. Und weil die Nachfrage so hoch sei, seien die Kosten für die jungen Bäume bereits gestiegen.

Lösungen für die Zukunft

Langfristig müssten mehr Mischbestände gepflanzt und die Baumarten an das Klima angepasst werden. Laut Wulf könnten das die Traubeneiche oder die Douglasie sein. Und selbst die seien nicht frei von Risiken; bei der Douglasie habe man beispielsweise in manchen Regionen bereits mit einem Pilz zu kämpfen. Vollständig auf die Fichte verzichten werde man aber auch in Zukunft nicht. Sie könne an kühlere Nordhänge gepflanzt werden. Eine gute Alternative, die ähnlich schnell wachse, gebe es allerdings nicht.

Dass niemand Kritik äußert, weil nur Fichten als Monokulturen gepflanzt worden sind, wundert den Forstbeamten schon. Aus der Gruppe gibt es nur eine Anmerkung: „Wir wollen ja nicht noch nachtreten.“ Der Förster klärt auf: Das Pflanzen von Fichten sei lange Zeit extrem gefördert worden. Die Städte seien gewachsen, man habe das Holz gebraucht. Und es werde auch immer noch benötigt, aber eben nicht in so großen Mengen in so kurzer Zeit.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

7 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen