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Keine Fortführungsperspektive für Neunkirchener Schrotthandel
Endgültiges Aus für Gräb

Da kein Investor mehr gefunden wurde, war die Gräb Schrotthandel GmbH letztlich nicht mehr zu retten.
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tile Neunkirchen. 93 Jahre nach der Gründung gehen bei der Gräb Schrotthandel GmbH endgültig die Lichter aus. Die Hoffnung, einen Käufer zu finden, der den Betrieb aufrecht erhält, hat sich zerschlagen, wie Sebastian Brunner, Sprecher des eingesetzten Insolvenzverwalters Dr. Philip Heinke (Jaffé Rechtsanwälte), der SZ bestätigte. Wegen der schwierigen Marktlage mit rückläufigen Margen in allen Bereichen der Metallindustrie habe es nach Auffassung möglicher Interessenten „keine Fortführungsperspektive“ gegeben.

Schon 2019 sei ein schwieriges Jahr gewesen, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter, Corona habe schließlich sein Übriges getan. Auch die unternehmerische Erfahrung Reinhold Gräbs habe nach dessen Tod Ende 2018 gefehlt.

Den zuletzt 14 verbliebenen Mitarbeitern wurde zum 28.

tile Neunkirchen. 93 Jahre nach der Gründung gehen bei der Gräb Schrotthandel GmbH endgültig die Lichter aus. Die Hoffnung, einen Käufer zu finden, der den Betrieb aufrecht erhält, hat sich zerschlagen, wie Sebastian Brunner, Sprecher des eingesetzten Insolvenzverwalters Dr. Philip Heinke (Jaffé Rechtsanwälte), der SZ bestätigte. Wegen der schwierigen Marktlage mit rückläufigen Margen in allen Bereichen der Metallindustrie habe es nach Auffassung möglicher Interessenten „keine Fortführungsperspektive“ gegeben.

Schon 2019 sei ein schwieriges Jahr gewesen, sagt ein ehemaliger Mitarbeiter, Corona habe schließlich sein Übriges getan. Auch die unternehmerische Erfahrung Reinhold Gräbs habe nach dessen Tod Ende 2018 gefehlt.

Den zuletzt 14 verbliebenen Mitarbeitern wurde zum 28. Dezember die Kündigung zugestellt. Vier von ihnen erhielten vom Insolvenzverwalter für die restliche Dauer der Abwicklung des Unternehmens ein neues Arbeitspapier. Bis wann genau die geordnete Beendigung des Betriebs abgeschlossen sein wird, ist noch unklar. Neun Beschäftigte hatten zuvor bereits von sich aus gekündigt.

Gemeinde Neunkirchen zeigt Interesse

Nun sollen die Vermögenswerte verwertet, sprich: verkauft werden, so Sebastian Brunner, um Gläubiger auszubezahlen. In diesem Zuge werde der Verkauf der Immobilien geprüft, darunter auch das Bahnhofsgebäude, das einer Besitzgesellschaft der Firma Gräb gehört. Neunkirchens Bürgermeister Dr. Bernhard Baumann hat in einem Telefonat mit dem Insolvenzverwalter das grundsätzliche Interesse der Gemeinde an einem Erwerb von Teilbereichen des Areals – namentlich der Zuwegung und des Bahnhofsgebäudes – bekräftigt.

Hellertal-Bahn sucht Anschluss

Allerdings gibt es weitere Interessenten für das Betriebsgelände und die Gebäude. Eine Schmerzgrenze hinsichtlich der Höhe eines möglichen Kaufpreises habe die Gemeinde noch nicht festgelegt. „Das werden wir mit der Politik besprechen“, sagt Baumann. Klar ist, Bahnhof und Umgebung sind durchaus wichtige Bestandteile des Infrastruktur-Konzepts. Für die Einrichtung eines Park-and-Ride-Parkplatzes auf einem angrenzenden gemeindlichen Grundstück sind bereits Fördermittel beantragt. Generell gilt der Bereich als „städtebaulicher Missstand“ und soll perspektivisch attraktiviert werden.

Gemeinsam mit dem Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) wolle die Verwaltung den Haltestellenpunkt und das Bahnhofsumfeld „neu organisieren“, erklärt der Bürgermeister, diesen vielleicht sogar innerhalb eines Radius von ein paar hundert Metern verlegen. Dann könnte das Bahnhofsgebäude anderweitig genutzt werden. Städteplanerin Christine Loth wurde beauftragt, verschiedene Planungsvarianten für den Bereich zu erarbeiten, die aktuell – vorerst noch hinter verschlossener Tür – diskutiert werden. Sobald Gemeinde und NWL sich auf eine Richtung verständigt haben – idealerweise noch in der ersten Jahreshälfte –, sollen Politik und Öffentlichkeit beteiligt werden, umreißt Dr. Bernhard Bauman einen groben Zeithorizont.

Bürgermeister strahlt Optimimus aus

Darüber hinaus soll der Bebauungsplan für den Bereich Gräb/Bahnhof modifiziert werden. Stimmt der Hauptausschuss dem Verfahren in seiner Sitzung Ende Januar zu, so ergibt sich für die Zeit bis zur Gültigkeit der neuen Planung (bis dahin können Monate ins Land ziehen) eine „Veränderungssperre“. Heißt: Einem Käufer des Betriebsgeländes wären baulich zunächst die Hände gebunden.

Der Bürgermeister strahlt Optimismus aus, denn der Kauf des Bahnhofgebäudes bedeute, den Betrieb der technischen Anlagen für den Bahnverkehr weiterhin zu gewährleisten. Für potenzielle Käufer eine wohl eher unliebsame Verpflichtung, schätzt Dr. Bernhard Baumann. Mit anderen Worten, die Chancen der Kommune stünden nicht schlecht, den Zuschlag zu erhalten. Ob er recht behält, wird sich wohl in den nächsten Wochen zeigen. Da ihm der Insolvenzverwalter gesagt habe, der Immobilienverkauf solle zeitnah angegangen werden, rechnet der Bürgermeister damit, dass das Gebäude noch im ersten Quartal den Besitzer wechseln könnte.

Da kein Investor mehr gefunden wurde, war die Gräb Schrotthandel GmbH letztlich nicht mehr zu retten.
NWL und Gemeinde wollen den Haltestellenpunkt und das Bahnhofsumfeld "neu organisieren". Daher ist die Kommune stark daran interessiert, Teile des Gräb-Areals und das Bahnhofsgebäude zu erwerben.
Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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