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Tipps für den Straßenverkehr
Grundschüler meistern Fahrradprüfung

33 Schülerinnen und Schüler der Grundschule Neunkirchen zeigten am Freitagmorgen während der Fahrradprüfung, was sie während der zwei vorbereitenden Termine theoretisch und praktisch gelernt haben.
  • 33 Schülerinnen und Schüler der Grundschule Neunkirchen zeigten am Freitagmorgen während der Fahrradprüfung, was sie während der zwei vorbereitenden Termine theoretisch und praktisch gelernt haben.
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  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

tile Neunkirchen. Henner ist ein bisschen aufgeregt. Der Neunjährige steht mit seinem Fahrrad und der Nummer 1 auf der neongelben Warnweste ganz vorne. Hinter ihm stehen seine Mitschüler der Klasse 4a wie an der Perlenschnurr aufgezogen. „Keine Wheelies, keine Slider. Fahrt ordentlich!“ Polizei-Oberkommissar Rene Terzyk gibt den 20 Schülern der ersten Gruppe letzte Anweisungen, bevor er sie für die Fahrradprüfung auf die Reise schickt. Drei Runden werden gefahren, zwei zur Übung, in der dritten wird geprüft. Lichter werden angeknipst, Helme noch einmal zurecht gerückt. Dann geht es los.
33 Schülerinnen und Schüler der Grundschule Neunkirchen zeigten am Freitagmorgen, was sie während der zwei vorbereitenden Termine theoretisch und praktisch gelernt haben.

tile Neunkirchen. Henner ist ein bisschen aufgeregt. Der Neunjährige steht mit seinem Fahrrad und der Nummer 1 auf der neongelben Warnweste ganz vorne. Hinter ihm stehen seine Mitschüler der Klasse 4a wie an der Perlenschnurr aufgezogen. „Keine Wheelies, keine Slider. Fahrt ordentlich!“ Polizei-Oberkommissar Rene Terzyk gibt den 20 Schülern der ersten Gruppe letzte Anweisungen, bevor er sie für die Fahrradprüfung auf die Reise schickt. Drei Runden werden gefahren, zwei zur Übung, in der dritten wird geprüft. Lichter werden angeknipst, Helme noch einmal zurecht gerückt. Dann geht es los.
33 Schülerinnen und Schüler der Grundschule Neunkirchen zeigten am Freitagmorgen, was sie während der zwei vorbereitenden Termine theoretisch und praktisch gelernt haben. Jährlich macht die Polizei rund 3000 Kinder im Kreis Siegen-Wittgenstein fit für den öffentlichen Straßenverkehr. Aber: „Wir machen hier keinen Fahrradführerschein“, mahnt Verkehrssicherheitsberater Terzyk vor allem in Richtung Eltern.

Eltern müssen mit den Kindern weiterhin das Radfahren üben

Die Prüfung sei kein Freifahrtsschein, es müsse weiter mit den Kindern geübt werden. „Toll, dass die Schulen das machen“, findet Christine Wulff. Die Mutter steht mit vielen anderen Eltern als Streckenposten an einem der elf Bewertungspositionen, an denen verschiedene Verhaltens- und Regelschwerpunkte überprüft werden: das Anfahren (an Ampeln), rechts vor links, das Abbiegen, Handzeichen, Schulterblick etc. An diesem Tag stehen ungewohnt viele Mamas und Papas an den Straßen. „Das ist nicht immer so“, sagt Lehrer Christian Bast, der sich über das Engagement freut. Zu Beginn sei sie etwas nervös gewesen, gesteht Christine Wulff. Ihr Jonathan fährt seit dem vierten Lebensjahr Fahrrad. Im öffentlichen Verkehr sei er aber bisher kaum unterwegs gewesen, zur Schule etwa fahre er nicht. Jetzt, wo sie ihren Filius mit den anderen auf der Straße sieht, hat sie sich entspannt.
„Die Kinder sollen im Verkehr wachsen und lernen, eigene Entscheidungen zu treffen“, nennt Rene Terzyk, selbst Vater, ein Kernziel der Fahrprüfungen. Das Loslassen der Eltern sei ein schwieriger Prozess, weiß er. Umso wichtiger sei es, die Kinder darauf vorzubereiten. Schnell erkennt er, wer im Umgang mit dem Fahrrad geübt ist und wer nicht so häufig auf dem Sattel sitzt.

Unterschiedliche Fahrniveaus der Grundschüler aus Neunkirchen

Die unterschiedlichen Fahrniveaus sind deutlich erkennbar. Ein großer Teil der Kinder ist schon ganz sicher unterwegs, mindestens genauso viele aber noch nicht. „Wer sein Fahrrad beherrscht, hat ein Problem weniger und kann sich auf das eigene Verhalten im Straßenverkehr konzentrieren“, sagt Terzyk. Wie man am besten lernt? Mit dem Laufrad anfangen – für die Balance. Dafür später auf Stützräder verzichten. Von Fahrrädern mit Rücktritt sollte man eher die Finger lassen. Und: mit den Eltern üben, üben, üben.
Immer wieder hält der Polizist ein Kind an, korrigiert, gibt Tipps. Alles auf Augenhöhe. Auch den einen oder anderen Pkw-Fahrer stoppt der Oberkommissar und weist freundlich aber bestimmt auf die Einhaltung des Mindestabstands von zwei Metern beim Überholen von Radfahrern hin und sensibilisiert die Fahrer grundsätzlich dafür, mehr Rücksicht walten zu lassen, gerade bei Kindern. „Die Geduld mit Kindern im Straßenverkehr gibt es kaum noch“, kritisiert Rene Terzyk den klaren Negativtrend.
Nach einer Stunde ist es geschafft. Alle Kinder haben „bestanden“. Eigentlich habe alles ganz gut geklappt, sagt Henner. Nur einmal hätten die Streckenposten nicht gesehen, dass er beim Abbiegen das Handzeichen und den Schulterblick ordnungsgemäß ausgeführt habe und ihm Punkte abgezogen worden seien, ärgert sich der Viertklässler mit kindlichem Ernst. Einmal sei es kniffelig an der Ampel beim Anfahren geworden. Hinter ihm stand ein Lkw. „Wenn der mich erwischt, bin ich platt.“ Tatsächlich knapp wurde es für Luljeta, als der Bus vor ihr an der Ampel plötzlich rückwärts fuhr und der Fahrer sie nicht gesehen hat. „Da bin ich wie auf dem Laufrad schnell zurückgegangen“, beschreibt die Neunjährige ihre geistesgegenwärtige Reaktion.

Immer weniger Kinder besitzen ein Fahrrad

„Der Verkehr wird immer komplexer und Kinder sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer“, beschreibt Norbert Schellmann, Geschäftsführer der Verkehrswacht Siegerland-Wittgenstein, die Entwicklung. Gleichzeitig würden an sie hohe Ansprüche gestellt, die sie nicht erfüllen könnten, wie Studien belegten. „Kinder sind bis zu einem bestimmten Alter gar nicht in der Lage, sich verkehrsgerecht zu verhalten.“ Allerdings sei sein persönlicher Eindruck, dass auch die allgemeine Motorik der Kinder im Vergleich zu früher nachgelassen habe und weniger Fahrrad gefahren werde.
Norbert Schellmann ist ebenfalls ein Befürworter des Laufrads zum Einstieg, das eben genau die „zielgerichtete Motorik“ fördere. Schulen, Polizei, Verkehrswacht – sie alle könnten nur unterstützen. „Aber die Impulse müssen aus den Familien kommen.“ Stattdessen sei zu beobachten, dass tendenziell immer mehr Kinder gar kein Fahrrad besäßen.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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