Hier ruht selbst der Zappelphilipp

Entspannungsraum in der AWo-Kindertagesstätte Rassberg eingerichtet

Neunkirchen. Die Geschichte vom „Zappelphilipp” kennt fast jeder, ob groß oder klein. Der vielzitierte Knabe ist nämlich das literarische Abbild jener Kinder, die Ideen, Freude, Probleme oder Umweltreize motorisch ausleben. Ein Experiment, um Reizüberflutung entgegenzusteuern, starteten jetzt die Erzieherinnen der AWo-Kindertagesstätte auf dem Neunkirchener Rassberg. Seit kurzem ist der Entspannungsraum eingerichtet. Dorthin kann sich jedes Kind nach Lust und Laune von Trubel und Gruppenspiel zurückziehen.

Eltern spendeten

Finanzielle Hilfe und viel Eigenleistung der Erzieherinnen verwandelten den einstigen Abstellraum schließlich in eine Ruhe-Oase. Gleich links vom Eingang hinter einem Vorhang kann der Rassberger Nachwuchs in Stille und Geborgenheit eintauchen, sich auf Decken, Kissen und einem weichen Teppich zusammenrollen, in gedämpftem Licht leise Pan-Flöten- Musik lauschen. Schemenhaft wirft der sanft geschwungene Meditationsspiegel ihr Konterfei zurück. Ein Spiel aus bunten Leuchtpunkten projiziert der „Lichtertunnel”, die wohl begehrteste aber auch kostspieligste Anschaffung auf die abgerundeten Wände des kleinen Zimmers. Den Löwenanteil der Ausstattungskosten – rund 700 DM – spendeten die Eltern.

„Hier wird nicht getobt”

Die ersten zwei Wochen machten die AWo-Erzieherinnen alle Mädchen und Jungen behutsam mit den Gepflogenheiten des Entspannungsraumes vertraut. Dabei vertraten sie konsequent die Grundregel: „Hier wird nicht getobt!” Daran haben sich die Drei- bis Sechsjährigen ebenso schnell gewöhnt, wie an Aktionslosigkeit. Erfreut stellten Sylvia Karrasch und ihre Kolleginnen fest: Es geht auch ohne Spielmaterial und Programm. Ausgeglichenheit und Harmonie machen sich mittlerweile auch in Freispielphasen bemerkbar. Dass sich die ausgerechnet wildesten Rangen häufig eine „Auszeit” gönnen, ist eine Bestätigung für Leiterin Sylvia Karrasch und ihr Team. Das Experiment ist geglückt.

Wichtiger Ausgleich

„Im Kindergartenalltag stürmen viele Geräusche und Eindrücke auf die Kleinen ein, die verarbeitet werden wollen”, erklärt Sylvia Karrasch. Die 45 Kinder der AWo-Kindertagesstätte dürfen seit jeher zwischen den Gruppen hin- und herpendeln, um Freundschaften zu pflegen oder unter verschiedenen Angeboten wählen. Am Rande vieler Vorteile dieser „teiloffenen Arbeit”, nahmen die Erzieherinnen auch Unruhe wahr. Besonders Kindern, die die Einrichtung von 7 bis 16 Uhr besuchen, ist der neue Ruhepol ein wichtiger Ausgleich geworden.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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