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Einsatz unter Tage
Höhlenrettung der Feuerwehr trainiert für Ernstfall

Nichts für Klaustrophobiker: Unter Tage kann es ganz schön eng werden.
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tile Breitscheid/Salchendorf. Die Bilder der Kinder, die 2018 zweieinhalb Wochen lang in einer Tropfsteinhöhle in Thailand festsaßen, haften noch frisch im Gedächtnis. Manch einer wird sich sogar noch an Johann Westhauser erinnern, der 2014 in der Riesending-Schachthöhle in den Berchtesgadener Alpen verunglückte. Die erfolgreiche Rettungsaktion aus rund 1000 Metern Tiefe dauerte acht Tage. Auch die erst ein Jahr zuvor gegründete Fachgruppe Höhlenrettung der Feuerwehr Breitscheid wurde damals voralarmiert. Zum Einsatz kam es nicht. Aber die Truppe, zu der auch drei Mitglieder des Heimatvereins Neunkirchen-Salchendorf gehören, stand bereit, die Retter vor Ort zu unterstützen. „Theoretisch sind wir europaweit einsetzbar“, erklärt Thorsten Wolf, Leiter der hessischen Mannschaft.

tile Breitscheid/Salchendorf. Die Bilder der Kinder, die 2018 zweieinhalb Wochen lang in einer Tropfsteinhöhle in Thailand festsaßen, haften noch frisch im Gedächtnis. Manch einer wird sich sogar noch an Johann Westhauser erinnern, der 2014 in der Riesending-Schachthöhle in den Berchtesgadener Alpen verunglückte. Die erfolgreiche Rettungsaktion aus rund 1000 Metern Tiefe dauerte acht Tage. Auch die erst ein Jahr zuvor gegründete Fachgruppe Höhlenrettung der Feuerwehr Breitscheid wurde damals voralarmiert. Zum Einsatz kam es nicht. Aber die Truppe, zu der auch drei Mitglieder des Heimatvereins Neunkirchen-Salchendorf gehören, stand bereit, die Retter vor Ort zu unterstützen. „Theoretisch sind wir europaweit einsetzbar“, erklärt Thorsten Wolf, Leiter der hessischen Mannschaft.

Unfall gibt Ausschlag für Gründung der Höhlenretter-Gruppe

Dass sich gerade in der 5000-Seelen-Gemeinde Breitscheid eine derart spezialisierte Gruppe gebildet hat, ist durchaus logisch: Mit dem „Herbstlabyrinth-Adventhöhle-System“ liegt unterhalb der Dörfer Breitscheid und Erdbach am Osthang des Westerwalds das mit 13 Kilometern Länge größte Höhlensystem Hessens verborgen. Aber erst ein Unfall im Jahr 2009 gab den Ausschlag innerhalb der Wehr, sich in dieser Richtung professionell aufzustellen. Damals hatte sich ein Mann bei der Erforschung der Stollen verklemmt. „Man war zunächst ratlos, was zu tun war“, sagt Thorsten Wolf. Schließlich musste eine Höhlenrettung aus Bayern anrücken, um den Verunfallten zu befreien.
In der Folge suchte man Rat bei Thorsten Wolf, Löschgruppenführer bei der Feuerwehr Langenhahn (Westerwaldkreis) und passionierter Altbergbauforscher. Er war bereits mit privat aktiven „Höhlenrettern“ unterwegs gewesen. 2013 schließlich wurde die Fachgruppe aus der Taufe gehoben. 2015 warb er Marcel Immel und Joel Henrichs aus Salchendorf für die Truppe an. Die drei kannten sich aus der Höhlenforscher-Szene und Thorsten Wolf war zu diesem Zeitpunkt schon Teil des Teams Wodanstolln im Heimatverein.
Inzwischen hat die Breitscheider Wehr 30 aktive Höhlenretter, davon sind zwölf vom Höhlenrettungsverbund Deutschland (HRVD) zertifiziert. Unter ihnen zwei Ärzte, eine Polizistin, ehrenamtliche Feuerwehrleute, Höhlenforscher und Klettersportler. Sogar ein Sprengberechtigter gehört dazu. „Die Vielfalt in der Gruppe ist toll“, meint Thorsten Wolf. „Jeder bringt sich nach seinen Fähigkeiten bestmöglich ein.“

Zweimal im Monat wird der Ernstfall geprobt

Zweimal im Monat wird der Ernstfall geprobt: Das Bewegen in voller Ausrüstung plus 20 bis 25 Kilo Zusatzgewicht Material, Erstversorgung, Wärmeerhalt, das Anlegen einer Personenheizung, Aufbau der Kommunikation über ein kabelgebundenes Telefon, Haken anbringen, Abseilen, Seilbahnen spannen, Verletztentransport und und und. Die Aufgaben sind vielseitig, die möglichen Einsatzszenarien schier unendlich. Und: „Eine Rettung unter Tage kann sehr lange dauern.“

Ein Verletzter ist aus einem Stollen zu retten. Für die Bergung muss jeder Handgriff sitzen. Auch der Salchendorfer Marcel Immel (vorne r.) gehört den Höhlenrettern an.
  • Ein Verletzter ist aus einem Stollen zu retten. Für die Bergung muss jeder Handgriff sitzen. Auch der Salchendorfer Marcel Immel (vorne r.) gehört den Höhlenrettern an.
  • Foto: Feuerwehr Breitscheid
  • hochgeladen von Christian Schwermer (Redakteur)

Entsprechend abwechslungsreich sind die Übungen. Ob eine Personenbergung aus 80 Metern Tiefe in der „Schwinde C“ in Breitscheid, ein Verletztentransport auf einer Luftmatratze über gestautes Grundwasser im ehemaligen Bergwerk „Alte Buntekuh“ in Niederschelden oder die Rettung aus einem Förderkorb in einem Schacht bei Wetzlar – trainierte Abläufe und möglichst viel Erfahrung unter Tage sind wichtig, wenn es einmal zum Ernstfall kommt.
Der blieb bislang aus. „Leider – oder wohl eher Gott sei Dank!“, sagt Thorsten Wolf. Einige Male wurden die Breitscheider allerdings schon voralarmiert. „An der Routine kann man sich festhalten“, betont Marcel Immel die Bedeutung der Übungen. Das Erlernte helfe, im Fall der Fälle die Ruhe zu bewahren, das Adrenalin und die Aufregung zu kontrollieren. Dann wissen Vortrupp mit den Erstversorgern, Kom-Trupp (Kommunikation), Technik-Trupp und Trage-Trupp, was zu tun ist.

Im Winter ist Fledermausschutzzeit

Noch sei die Fachgruppe vergleichsweise unbekannt. Selbst die Leitstellen in der näheren Umgebung hätten die Höhlenretter oft nicht auf dem Schirm. Dabei nütze deren Know-how nicht nur bei Einsätzen unter der Erde. „Es gibt einige Fälle, wo ich denke, da hätten wir wunderbar helfen können“, sagt Thorsten Wolf. Etwa im August, als ein Mann von der Mauer des Dillenburger Schlossbergs gestürzt war und aus unwegsamen Gelände gerettet werden musste. Oder bei Fallschirmspringern, die im Baum landen, wo Leitern nicht hinreichen. „Aber auch in der Feuerwehr gibt es Schubladendenken. Im Einsatzstress kommt man dann nicht auf die Idee, dass in solchen Fällen auch die Höhlenrettung hinzugezogen werden könnte.“ Daher sei man bestrebt, die Bekanntheit der Fachgruppe weiter zu steigern.
Bis dahin hält sich die Truppe weiterhin fit. In den kommenden Monaten allerdings nur über Tage. „Im Winter ist Fledermausschutzzeit, deshalb dürfen wir nicht in die Höhlen und Stollen“, erklärt Thorsten Wolf. „Aber das Klettern beispielsweise lässt sich ja auch im Steinbruch sehr gut trainieren.“

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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