»Hüttenkrieg« in Altenseelbach

Droht dem Silberart-Hüttenverein die Räumungsklage?/Streit mit den Waldgenossen

Altenseelbach. Gibt es eine Neuauflage des »Hüttenkrieges« im heimischen Raum? Ging es vor über 20 Jahren im Kreis Siegen-Wittgenstein um Baugenehmigungen vor einem bestimmten Stichtag für im Wald errichtete Hütten, in denen sich Alt und Jung zum fröhlichen Beisammensein trafen, geht es heutzutage in dem vom Bergbau geprägten Ort Altenseelbach um die Klärung von Eigentumsverhältnissen. »Nur stehen sich hier diesmal nicht Hüttennutzer und Kreis gegenüber, statt dessen herrscht nach Ansicht vieler Altenseelbacher momentan Kleinkrieg zwischen dem Silberart-Hüttenverein und der Waldgenossenschaft Altenseelbach«, so erklärte Rolf Sauer, der 2. Vors. des Hüttenvereins, jetzt in einem Pressegespräch.

Am Wochenende letzte Einigungschance

Derzeitiger Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen den beiden Kontrahenten: Die Waldgenossenschaft verweigert laut Herbert Willwacher (1.Vors. des Hüttenvereins) die Herausgabe eines Schlüssels zu einer Schranke vor dem Hütten-Zuweg auf Haubergsgelände. Doch es kommt noch härter. Falls es an diesem Wochenende zu keiner Einigung kommt, droht dem Silberart-Hüttenverein eine Räumungsklage. Und dann wäre es erst einmal vorbei mit dem urigen Hüttenleben in knapp 3 km Entfernung von der Ortsmitte Altenseelbachs.

Beliebter Treffpunkt für Familien

Kein Wunder also, dass da die Gemüter der rund 90 Hüttenvereinsmitglieder am Kochen sind. Denn gerade in der von allgemein wirtschaftlicher Flaute gekennzeichneten Zeit ist die Hütte vor allem für Familien mit kleinem Geldbeutel eine willkommene Freizeitmöglichkeit. In der wärmeren Jahreszeit lässt es sich rund um das ehemalige Grubenhaus im Siegerländer Fachwerkstil (rund 35 qm) mit Küche, Tischen und Sitzgelegenheiten trefflich spielen. Und das alles für 2 Euro Nutzungsgebühr pro Tag. Und wer darüber hinaus noch Spaß am Übernachten ohne Elektro- und Wasseranschluss hat, der kann es sich in einem der vier Doppelstockbetten im Schlafsaal gemütlich machen.

Verein kaufte Anlage 1969

1956 begannen Jugendliche aus Eiserfeld mit der Freizeitnutzung der Berghalde und des ehemaligen Grubenhauses zum Pachtpreis von 20 DM. »Ohne Einspruch der Waldgenossenschaft Hauberg Altenseelbach«, ergänzt Herbert Willwacher. Nach dem Aus im Siegerländer Erzbergbau wurde das Gelände an die noch damals selbständige Gemeinde Altenseelbach verkauft. Diese erkannte schnell den Freizeitwert des Gebäudes, baute es entsprechend aus und vermietete es an erholungsuchende Bürger. 1969, kurz vor Gründung der Großgemeinde Neunkirchen, verkaufte die Gemeinde Altenseelbach das Gelände »Silberart« (so die Bezeichnung seit dem ersten Schürfen im Jahre 1830) und die Gebäude an den neugegründeten Silberart-Hüttenverein, mit der Auflage, die Erholungsanlage ausschließlich sozial und gemeinnützig den Bürgern zur Nutzung zu überlassen. Ca. 60 Bürger brachten durch ihren Aufnahmebeitrag von 20 DM den Kaufpreis der Gemeinde auf. Bis zum heutigen Tag wird nur diese Aufnahmegebühr erhoben.

Waldgenossen wollen sich nur absichern

Damit soll zwar nicht Schluss sein, so Manfred Diehl (Beisitzer der Waldgenossenschaft Altenseelbach) gegenüber der SZ, aber der Hüttenverein solle ab sofort Pacht mit einem Pachtzins von Null Euro an die Waldgenossenschaft zahlen. Hintergrund sei, dass vor knapp drei Jahren bei der Zusammenlegung der Waldgenossenschaft »Lotzer Wald« und der Haubergsgenossenschaft Altenseelbach zur Waldgenossenschaft Altenseelbach die Grenzen neu überprüft wurden. Demnach habe das Amt für Agrarordnung bestätigt, dass der Silberart-Hüttenverein laut Grundbucheintragung zwar im Besitz des Grundstückes sei, aber die Gebäude befänden sich auf Gelände der Waldgenossenschaft. Außerdem gehe es um Versicherungszuständigkeiten, so Diehl weiter. Die Mitglieder treibe schon seit einer Weile die Sorge um, dass im Falle eines Unfalls auf dem Zuweg die Waldgenossenschaft für den Schaden aufzukommen habe, und dagegen wolle man sich mittels Pachtvertrag absichern.

Grundstücke zum Tausch angeboten

Diese Bedenken und Zuständigkeiten stellen sich aus Sicht des Hüttenvereins allerdings ganz anders dar. Die Mitglieder fragen sich, warum der Verein eine Pacht für seine eigenen Grundstücke und Gebäude entrichten solle? Dabei berufen sich die Hüttenvereinsmitglieder auf Grundbucheintragungen bis zurück in das Jahr 1880, die belegten, wie einstige Altenseelbacher Wiesengrundstücke fortan als Gruben-Aufschüttungsgelände genutzt wurden.

1976 dann habe die Interessengemeinschaft Hochwald eine Vermessung der Grundstücke vornehmen lassen und sei dabei dem »Trick« verfallen, »das Zubehörgrundstück mit der Nummer 216 aus der Berghalde herausmessen zu lassen«. Ohne Kenntnis der Historie des Grundstücks habe daraufhin der damalige Vorsitzende des Hüttenvereins, Artur Gudelius, in gutem Glauben und mit dem Versprechen des Waldgenossenschaftsvorsitzenden, dass sich für den Hüttenverein nichts ändern würde, seine Unterschrift unter den Vermessungsauftrag der Interessensgemeinschaft »Hochwald« gesetzt.

Um die Wogen im Ort zu glätten, haben die »Silberarter« inzwischen sogar (und dass, obwohl ihrer Meinung nach juristisch keinerlei Anlass dazu besteht) den Waldgenossen einen Grundstückstausch angeboten (ca. 2000 qm, davon alleine 700 qm Eichenbestand). Für dessen Ablehnung gibt es für sie nur zwei Gründe: Entweder die Waldgenossenschaft möchte zukünftig selbst die Hütte managen oder diese habe »Zoff« mit dem Jagdpächter.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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