Naturschutzgebiet Mahlscheid birgt hohes Konfliktpotential
Im Sommer ist der Kessel tabu

Die „Zunge“ zählt zu NRW, der breitere Teil zu Rheinland-Pfalz. Wirklich entschärft hat sich der Interessenskonflikt zwischen Naturschutz und Freizeit in der Mahlscheid nie.
3Bilder
  • Die „Zunge“ zählt zu NRW, der breitere Teil zu Rheinland-Pfalz. Wirklich entschärft hat sich der Interessenskonflikt zwischen Naturschutz und Freizeit in der Mahlscheid nie.
  • Foto: sz-Archiv
  • hochgeladen von Marc Thomas

goeb Struthütten. 200 Schmetterlingsarten, darunter beispielsweise der Große Eisvogel, Orchideen, wie die Grünliche Waldhyazinthe, seltene Amphibien, 15 Libellenarten und bedrohte Vögel, wie Uhu, Waldschnepfe, Grauspecht und Schwarzstorch: Sie alle nennen das Naturschutzgebiet Mahlscheid ihre Heimat. Man könnte meinen, dass die strengste Schutzkategorie, die das deutsche Naturschutzrecht kennt, ausreicht, damit die vielen Wildpflanzen und -tiere, darunter etliche Rote-Liste-Arten, unter sich bleiben können. Doch weit gefehlt.

„Es ist kein Baggersee! Das versuchen wir den Leuten immer wieder zu vermitteln.“ Trotzdem: An heißen Tagen pilgern manchmal Hunderte in Richtung der ehemaligen Basaltgrube an der Landesgrenze zwischen dem Ortsteil Struthütten (NRW) und Herdorf (Rheinland-Pfalz). Die Lage des NSG macht seinen Schutz nicht gerade einfacher, berichtet Matthias Jung, Umwelt- und Klimaschutzberater bei der Gemeinde Neunkirchen. Er kennt das Gebiet bestens und bietet auch Exkursionen zur Flora und Fauna an.

Schlimmer Unfall am Silbersee

Vergangenes Wochenende ereignete sich in dem Gewässer ein schlimmer Unfall. Gesteinsbrocken lösten sich aus der Steilwand und verletzten zwei junge Männer, die in dem im Volksmund „Silbersee“ genannten Gewässer schwammen, und zwar so schwer, dass der Rettungshubschrauber herbeitelefoniert werden musste. Naturschützer hatten Unfälle vorausgesehen, weil Wanderer gern die schmalen Pfade oberhalb der bis zu 40 Meter hohen Steilwände benutzen. Dabei darf das Gebiet in den Monaten April bis August gar nicht betreten werden, wie Jung betont. Das Betretungsverbot soll Vegetation und Kinderstube der Tierarten schützen helfen.

Natürlich reizt ein solches Kleinod an Hitzetagen. Hier gibt es das klarste Wasser, fischreich und tief, und auf den Blockhalden aus dunklem Basalt flitzen die Zauneidechsen. Gleichwohl – das Paradies aus Menschenhand ist einem enormen Freizeitdruck ausgesetzt, auch nachdem 1990 26 Hektar auf NRW-Seite und zwei Jahre später noch einmal 17,3 Hektar auf rheinland-pfälzischer Seite unter strengen Schutz gestellt worden sind.

Keine leichte Aufgabe für Naturschutzwächter

Keine leichte Aufgabe auch für die Naturschutzwächter, die Schwimmer, Picknicker und Camper ansprechen und wegschicken müssen mit der Bitte um Verständnis.

Ein solches Bild ergibt sich am "Silbersee" bisweilen leider.
  • Ein solches Bild ergibt sich am "Silbersee" bisweilen leider.
  • Foto: privat
  • hochgeladen von Marc Thomas

Die Polizei, wird sie regulär gerufen, weil es Stress gibt mit Uneinsichtigen, braucht lange bis zur Mahlscheid. „Letztlich wird nur eine größere Polizeiaktion helfen“, ist sich Jung sicher. Um ein Exempel zu statuieren. Andere Maßnahmen erzielen einen begrenzten pädagogischen Effekt. Überall stehen Schilder mit Ge- und Verboten.

"Es ist kein Baggersee!
Das versuchen wir den Leuten immer wieder zu vermitteln."

Matthias Jung
Umwelt- und Klimaschutzberater

Die Gemeinde schreibt Knöllchen bei den Parkern am Mahlscheider Weg und dem anschließenden Wirtschaftsweg. Hindernisse, wie Baumstämme oder Steinblöcke, die die Struthüttener Waldgenossen als Eigentümer immer wieder als Sperrriegel an Trampelpfaden anlegen, werden mit der gleichen Energie beseitigt.

Illegale Angler am Gewässer

Zuweilen sieht man auch illegale Angler am Gewässer, die es auf die dicken Karpfen und Hechte abgesehen haben, oder Trupps von Motocrossern, die die Lage noch verschärfen. Legal ist in diesen Monaten nur das Annähern ans Gebiet bis zur Aussichtsplattform. Doch das wird vielfach ignoriert.

Naturschützer Wolfgang Stock vom BUND Betzdorf-Kirchen regt zu einer Konferenz über Ländergrenzen hinweg mit allen Beteiligten an. „Das passiert alles mitten in einem Naturschutzgebiet. So geht es nicht weiter. An manchen Tagen lagern dort 200 Leute.“ Letzlich sei auch die Unfallgefahr nicht zu unterschätzen.

Autor:

Dr. Andreas Goebel (Redakteur) aus Betzdorf

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

6 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen