Schon Goethe fand es gut
Im Wald unterwegs mit dem "Bademeister"

Physiotherapeutische Übungen „Waldbademeister“ Christoph Diefenbach.  Foto: roh

roh Struthütten. „Wir wollen in die wohltuende Atmosphäre des Waldes eintauchen, um die Inhaltsstoffe des Waldes einzuatmen !“ So umriss der zertifizierte Wanderführer und Naturerlebnispädagoge Christoph Diefenbach kurz die Intention, des vom Heimatverein Struthütten veranstalteten „Waldbadens im Kunstertal“ am vergangenen Samstag. Almuth Blickart hatte das besondere Projekt angestoßen. Schnell waren die 16 zu vergebenden Plätze gebucht.

Shinrin Yoku?

Viele waren neugierig, was ihnen im Zeitalter der Fitnessstudios und extensiven Nutzung des Smartphones wohl geboten würde. Vor ein paar Jahren schwappte die fernöstliche Tradition des Shinrin Yoku, des Waldluftbadens, hinüber in unsere Region. Fragen von am Kurs Interessierten an den Ausrichter im Vorfeld wie: „Lauft ihr dann mit Bikini und Gummistiefel durch die Natur oder sucht ihr euch im Wald einen Weiher ?“ deuteten an, dass das japanische Brauchtum bei uns noch nicht allzu bekannt ist.

Langsamwanderer unterwegs

Da, wo früher noch real gebadet wurde, im Kunstertal, bei der ehemaligen Badeanstalt, ging es los, um in die erquickliche Atmosphäre des Waldes abzutauchen. „Waldbademeister“ Diefenbach gelang es, dass seine Kursteilnehmer mit der Natur auf Du und Du gingen. Er erklärte Pflanzen mit ihren Wirkungen, führte immer wieder mit den Kursteilnehmern physiotherapeutische, Atem-, Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen durch. Die Langsamwanderer konnten aus dem großen Vorrat von Terpentinen und Terpenoiden des Waldes Duftstoffe aufsaugen, einfach im Hier und Jetzt sein und die Schönheit der Natur aufnehmen.

Schon Goethe fand es gut

Das gedämpfte Licht, die Stille, die Anwesenheit von Wasser ließen die Wanderer zur Ruhe kommen. Dass Waldbaden einen positiven Einfluss auf Blutdruck, Kortisolspiegel (Stresshormon) und Puls hat, ist medizinisch nachgewiesen. „Jeder ging sogar eine Wegstrecke allein, extrem langsam, man sah Dinge, die sonst gar nicht erst ins Blickfeld kommen. Das fand ich besonders bemerkenswert und kann Waldbaden nur empfehlen“, lautete das Resümee des Heimatvereinsvorsitzenden Martin Sander nach über vier Stunden und zirka sieben Kilometern durch die Natur, dem betonten Einatmen des Duftcocktails der Bäume, Pflanzen und Sträucher, dem bewussten Wahrnehmen der Farben der Bäume und dem Rauschen der Blätter. Schon der große Goethe beschrieb die zwanglos befreiende Einsamkeit des Waldes in der ersten Strophe seines Gedichts „Gefunden“: „Ich ging im Walde, so für mich hin, und nichts zu suchen, das war mein Sinn.“ Was früher als Work-Life-Balance selbstverständlich war, scheint man heute im Zeitalter der Selbstoptimierung erst wieder lernen zu müssen. Ob es wohl demnächst Waldbaden auf Rezept gibt ?

Autor:

Rolf Henrichs (Freier Mitarbeiter) aus Siegen

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