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Ärzte und Apotheker befürchten: Grippe-Impfstoff reicht nicht
Langes Warten auf schützenden Piekser

Reicht der Impfstoff, reicht er nicht? Ob alle Impfwilligen sich in dieser Grippesaison eine Spritze gegen die Influenza geben lassen können, wird wohl erst in ein paar Wochen feststehen . . .
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  • Reicht der Impfstoff, reicht er nicht? Ob alle Impfwilligen sich in dieser Grippesaison eine Spritze gegen die Influenza geben lassen können, wird wohl erst in ein paar Wochen feststehen . . .
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tile Neunkirchen/Münster. Hans Möller ist niemand, der bei jedem Wehwechen zum Arzt rennt. Er achtet aber auf seine Gesundheit. Jedes Jahr im Oktober lässt sich der 87-Jährige kurz nach seinem Geburtstag bei seinem Hausarzt gegen Grippe impfen. Aber in diesem Jahr ist alles anders. Bereits seit vier Wochen wartet er auf den kleinen Stich, der ihn gesund durch die Grippesaison bringen soll. „Man hat mir gesagt, man könne mich leider nicht auf die Warteliste setzen, die sei voll.“ Dabei wäre die Impfung in diesem Jahr aus vielerlei Gründen besonders wichtig für den Salchendorfer. Im Februar erlitt er einen Schlaganfall, er musste das Gehen wieder erlernen, zunächst mit Rollator, mittlerweile nimmt er einen Gehstock zu Hilfe. „Alle Ärzte sagen mir, ich gehöre zur Corona-Risikogruppe.

tile Neunkirchen/Münster. Hans Möller ist niemand, der bei jedem Wehwechen zum Arzt rennt. Er achtet aber auf seine Gesundheit. Jedes Jahr im Oktober lässt sich der 87-Jährige kurz nach seinem Geburtstag bei seinem Hausarzt gegen Grippe impfen. Aber in diesem Jahr ist alles anders. Bereits seit vier Wochen wartet er auf den kleinen Stich, der ihn gesund durch die Grippesaison bringen soll. „Man hat mir gesagt, man könne mich leider nicht auf die Warteliste setzen, die sei voll.“ Dabei wäre die Impfung in diesem Jahr aus vielerlei Gründen besonders wichtig für den Salchendorfer. Im Februar erlitt er einen Schlaganfall, er musste das Gehen wieder erlernen, zunächst mit Rollator, mittlerweile nimmt er einen Gehstock zu Hilfe. „Alle Ärzte sagen mir, ich gehöre zur Corona-Risikogruppe.“ Und auch ein normales Grippevirus ist gefährlich für den Rentner. Seine Ehefrau Ursula hatte Glück, sie ist bei einem anderen Hausarzt und hat ihre Impfung schon erhalten.

"Es stehen noch Lieferungen aus"

„Es stehen noch Lieferungen aus, wir haben noch nicht 100 Prozent unserer Bestellungen erhalten“, erklärt Dr. Frank Lohmar. Den Rest erwartet er nun Ende November. Bestellt hat die Neunkirchener Arztpraxis Ritter/Lohmar, wie alle Praxen in Deutschland, bereits im Januar – da war von Corona noch nicht die Rede. „Dabei orientiert man sich an der benötigten Vorjahresmenge.“ Muss am Ende einer Saison zu viel entsorgt werden, besteht die Gefahr, in Regress genommen zu werden. In diesem Jahr gesteht die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe auf Empfehlung des RKI Corona-bedingt eine höhere Abweichung zu, wie Sprecherin Vanessa Pudlo auf SZ-Anfrage bestätigt.

"Ich glaube nicht, dass es reichen wird"

Dass diesmal aber viel Impfstoff übrig bleibt, befürchtet Frank Lohmar nicht. Im Gegenteil: „Ich glaube nicht, dass es reichen wird.“ Der Bedarf sei diesmal deutlich höher. Auch weil die Politik dafür warb, „jeder“ solle sich impfen lassen. Kollegen, mit denen er gesprochen habe, schilderten ähnliche Probleme. Rechne man dies für die grob 100.000 Praxen in Deutschland hoch, so fehlte am Ende 1 Million Impfdosen, schätzt der Mediziner. Daher versuche man darauf zu achten, zu priorisieren, Risikopatienten und alte Menschen, zum Beispiel in Seniorenheimen, zuerst zu berücksichtigen.

Es gibt mehr Impfwillige als Impfstoff

Im Vorstand des Apothekerverbands Westfalen-Lippe werden ebenfalls Zweifel an der ausreichenden Versorgung gehegt. „Es gibt mehr Impfwillige, als Impfstoff zur Verfügung steht“, fasst Sprecherin Dr. Nina Grunsky die Einschätzung zusammen. Es seien Fälle von Ärzten bekannt, die im April nachbestellt und ihr Kontingent verdoppelt hätten, und deren Vorrat nun schon verbraucht sei. Ob ausreichend Impfstoff vorhanden ist, um den Bedarf zu decken, wisse man aber erst in ein paar Wochen, denn noch seien nicht alle Impfstoffe für den Markt freigegeben worden.

Letztes Mittel: Notfallverordnung

Laut Paul-Ehrlich-Institut, zuständig für die Freigaben der Herstellerchargen, stehen noch 4 Millionen Dosen aus. „Bisher wurden 22 Millionen Dosen freigegeben“, wie Sprecherin Dr. Susanne Stöcker auf SZ-Anfrage erklärt. 2019 wurden 16 Millionen Dosen freigegeben, etwa 1 Million davon wurden nicht verimpft. „Es steht insgesamt also deutlich mehr Impfstoff zur Verfügung als im Vorjahr.“ Ein Grund für die Engpässe: In diesem Jahr ließen sich schon im September die ersten Menschen gegen die Grippe schützen, empfohlen werde jedoch, sich im Oktober oder November impfen zu lassen. Dadurch sei es zu einer Verschiebung gekommen. „Wir sind zuversichtlich, die Abdeckung zu erreichen“, so Stöcker, die allerdings einräumt, dass die Nachfrage ungebrochen hoch ist. Als letztes Mittel könnte das BMG, wie zuletzt 2018, eine Notfallverordnung erlassen und weitere Dosen im Ausland dazukaufen.
Das hilft Hans Möller für den Moment nicht weiter. Er kann nur hoffen, dass die ausstehenden Bestellungen seines Hausarztes schnell geliefert werden und auch er dann geimpft werden kann.

Reicht der Impfstoff, reicht er nicht? Ob alle Impfwilligen sich in dieser Grippesaison eine Spritze gegen die Influenza geben lassen können, wird wohl erst in ein paar Wochen feststehen . . .
Hans Möller aus Neunkirchen-Salchendorf wartet seit vier Wochen auf seine Grippeimpfung.
Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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