SZ

Jugendliche berichten über ihre Corona-Zeit
"Man muss immer mit Hoch- und Tiefpunkten rechnen"

Privat nutzen die Jugendlichen Videochats kaum, in Schule ist diese Form der Kommunikation nicht mehr ungewöhnlich. Auch das Interview mit der SZ-Redakteurin führten Osman (unten l.), Ensar (unten Mitte) und Emilia (unten r.) vor den Bildschirmen. Mit dabei war Christian Götz, Leiter des Jugendtreffs Neunkirchen.
  • Privat nutzen die Jugendlichen Videochats kaum, in Schule ist diese Form der Kommunikation nicht mehr ungewöhnlich. Auch das Interview mit der SZ-Redakteurin führten Osman (unten l.), Ensar (unten Mitte) und Emilia (unten r.) vor den Bildschirmen. Mit dabei war Christian Götz, Leiter des Jugendtreffs Neunkirchen.
  • Foto: Screenshot: sz
  • hochgeladen von Marc Thomas

sp Neunkirchen. Das vergangene Jahr hat vielen Menschen viel abverlangt. Aber wie erleben Jugendliche die Corona-Pandemie samt der verbundenen Einschränkungen? Die SZ sprach mit drei Teenagern, die den Jugendtreff Neunkirchen besuchen, der von Christian Götz geleitet wird. Und weil der Treffpunkt für Jugendliche zurzeit geschlossen ist, persönliche Treffen reduziert werden sollen und für die Jugendlichen Videokonferenzen nichts Ungewöhnliches mehr sind, fand das Gespräch vor den Bildschirmen in den eigenen vier Wänden statt.

Ensar ist 14 Jahre alt, wohnt in Herdorf und ist Schüler. Der 15-jährige Osman lebt in Wiederstein und geht ebenfalls zur Schule. Emilia kommt aus Neunkirchen-Salchendorf. Sie ist 18 Jahre alt und macht eine schulische Ausbildung als Erzieherin.

sp Neunkirchen. Das vergangene Jahr hat vielen Menschen viel abverlangt. Aber wie erleben Jugendliche die Corona-Pandemie samt der verbundenen Einschränkungen? Die SZ sprach mit drei Teenagern, die den Jugendtreff Neunkirchen besuchen, der von Christian Götz geleitet wird. Und weil der Treffpunkt für Jugendliche zurzeit geschlossen ist, persönliche Treffen reduziert werden sollen und für die Jugendlichen Videokonferenzen nichts Ungewöhnliches mehr sind, fand das Gespräch vor den Bildschirmen in den eigenen vier Wänden statt.

Ensar ist 14 Jahre alt, wohnt in Herdorf und ist Schüler. Der 15-jährige Osman lebt in Wiederstein und geht ebenfalls zur Schule. Emilia kommt aus Neunkirchen-Salchendorf. Sie ist 18 Jahre alt und macht eine schulische Ausbildung als Erzieherin.

Schule

Die Möglichkeit, sich virtuell per Video auszutauschen, spielt für die drei Jugendlichen privat kaum eine Rolle. „Nur schulisch bin ich da unterwegs“, sagt Osman. Bei Emilia sieht das etwas anders aus. Bei ihr läuft mehr per E-Mail oder über Messenger-Dienste. Präsenz- und Distanzunterricht, für die 18-Jährige sind das „völlig unterschiedliche Welten“. So komme es bei ihr vor, dass sie sich während der Unterrichtszeit noch einmal hinlegt und dann nachts an ihren Aufgaben arbeitet. Osman gibt offen zu, dass er beim Online-Unterricht nicht so viel mit bekomme, „aber es war nicht so, dass wir Ferien hatten“. Für ihn sei das Schuljahr gut gelaufen. Ensar berichtet: „In der Corona-Zeit habe ich mich etwas verschlechtert.“ Ihm fällt es schwer, den Stoff ohne Präsensunterricht zu verstehen. Auch Emilia erzählt, dass sie sich abschlussrelevante Themen selbst beibringen musste. Ihr Fachabi-Schnitt sei nicht so gut geworden, wie erhofft. 
Ensar und Osman spielen leidenschaftlich gerne Fußball. Dass das im vergangenen Jahr nur sehr eingeschränkt oder gar nicht möglich war, hat die beiden Jungs schwer getroffen. Unter normalen Umständen hätten sie zwei- bis dreimal in der Woche Training und am Wochenende ein Spiel. Auch ein geplantes Turnier des Jugendtreffs musste abgesagt werden. Osman läuft jetzt täglich eine Runde und hält sich zu Hause fit: „Ohne Sport könnte ich nicht.“ Bei Instagram folgt er einem Trainer, der Tipps zum Sport gibt. „Ich habe letztes Jahr angefangen zu tanzen, dann konnten wir das Training nicht mehr weiter machen“, bedauert Emilia. Zu Weihnachten hat sie eine Switch-Konsole bekommen, mit der sie im Wohnzimmer trainieren kann.

Freunde und Familie

Osmans Eltern sind selbstständig und haben einen Dönerimbiss. Wenn er dort mithilft, kann er sich Taschengeld dazu verdienen. „Da war fast nichts los“, sagt er. Aber weil alles noch einmal gründlich sauber und in Ordnung gebracht wurde, musste er auf ein paar extra Euro nicht verzichten. „Uns ging es trotzdem gut“, sagt Osman, der zwei Brüder hat. „Die lassen mich meistens in Ruhe“, sagt er. Auch Ensar hat zwei jüngere Geschwister: „Es ist schon mal anstrengend, wenn man mit denen nirgendwo hingehen kann.“ Emilia hat eine jüngere Schwester: „Zwei Mädels, das kann schon mal ordentlich krachen, aber insgesamt ist es friedlich.“ Manchmal tue es gut, sich nicht zu sehen. „Jeder braucht seinen Freiraum.“ Sie gehe dann zu ihrem Freund oder er komme zu ihr. Besonders schwer ist für die Jugendlichen, dass sie sich nur mit einer reduzierte Zahl Freunde treffen dürfen. „Man kann nichts machen, nicht einfach rausgehen, zusammen essen und reden“, bedauert Emilia. Ihr fehlt der Kontakt zu ihren Freundinnen, eine wohnt in Gießen. Die hat sie lange nicht gesehen. „Freundschaften gehen kaputt“, beschwert sich die 18-Jährige, auch wenn sie Verständnis für die Maßnahmen hat.


Rückblick

Emilia ist im vergangenen Jahr 18 Jahre alt geworden. „Ich hätte gerne anders gefeiert“, sagt sie. Den Wechsel zur Volljährigkeit hatte sie sich anders vorgestellt. Immerhin: Sie durfte alleine Auto fahren. Eines ihrer persönlichen Highlights. Ensars Rückblick: „Wir hatten mehr Zeit für uns selbst, irgendwann wird das aber auch zu viel. Wenn man nichts machen kann, bringt die freie Zeit auch nichts.“ Die Hoffnungen der Jugendlichen für dieses Jahr: „Dass Corona ein Ende findet“ und „ alles wieder normal wird“. Emilia wünscht sich, „dass man das Leben wieder genießen kann, rausgehen, Freunde treffen, ohne Maske, vielleicht ist das ein naiver Gedanke.“ Sehr bewusst äußern die drei, dass es Generationen gab, die schlimmere Zeiten erlebt haben. „Wir können noch froh sein“, sagt Emilia. Auch die beiden Jungs finden, dass es zum Leben dazu gehört, dass nicht alles immer perfekt läuft: „Man muss immer damit rechnen, dass es Hoch- und Tiefpunkte gibt“, zieht Osman sein Fazit.

Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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