Neunkirchener Kirche 100 Jahre alt

Jubiläum wird zwei Tage gefeiert:

Horst Klein blickt zurück/Gottfried Bräuer lädt zum »Fotorundgang« ein/Festgottesdienst

sz Neunkirchen. Wo anders als oben auf den Berg sollte man eine Kirche im Freien Grund bauen? So werden sich die Presbyter vor 100 Jahren vielleicht gefragt haben. Immer schon wurden die Heiligtümer an gut sichtbaren Stellen errichtet, um weithin darauf hinweisen zu können, welcher Glaube und welche Anschauung in der Region gelten. Verstecken sich heute Gemeindehäuser oftmals lieber in den Häuserschluchten, so hatte man damals den sicher auch für heutige Verhältnisse noch zu bewundernden Mut, deutlich darauf hinzuweisen, wer über den Menschen steht und zu wem man hochschauen muss. In diesem Monat sind es nun genau 100 Jahre her, seit die evangelische Kirche in Neunkirchen eingeweiht wurde. Am 24. März 1903 war es nach langen Vorplanungen schließlich soweit. Nach nur neunmonatiger Bauzeit konnte das Gebäude seiner Bestimmung übergeben werden. Der Anbetung und dem Lob Gottes sollte das neue Haus dienen, das Pfarrer Adolf Bartholdus Bromm geplant und mit dem Architekten Ludwig Hoffmann aus Herborn gebaut hat.

Dieser Anlass dient der Evangelisch-reformierten Kirchengemeinde heute dazu, das 100-jährige Jubiläum der Mutterkirche zu feiern. Am Samstag, 22. März und Sonntag, 23. März, finden die Jubiläumsfeiern statt, zu denen die Gemeinde herzlich eingeladen ist. Am Samstag (19.30 Uhr) beginnt im evangelischen Gemeindehaus die erste Feier. Als Referent konnte der ehemalige Pfarrer der Hellertalgemeinde, Horst Klein, gewonnen werden. Er berichtet über die Geschichte der Gemeinde und der Kirche. Dazu wird es anhand von Dias des Altenseelbacher Fotografen Gottfried Bräuer einen kleinen Rundgang durch die Kirche geben. Manche bislang übersehene Ecke wird dabei ins Auge fallen. Musikalisch begleitet wird der Abend von Posaunenbläsern unter der Leitung von Wilhelm Schmidt.

Konzert der heimischen Chöre

Am Sonntag steht dann der Festgottesdienst an, zu dem Pfarrer Klaus-Jürgen Diehl von der westfälischen Landeskirche kommen wird. Der ehemalige Leiter des CVJM-Westbundes wird über den Bibeltext nachdenken, der schon vor 100 Jahren als erster Predigttext in der Kirche erklang. Daneben wird der Kammerchor Neunkirchen den Gottesdienst mit gestalten. Ab 15.30 Uhr laden die heimischen Chöre zu einem Konzert ein, das Ehrfied Eckam von der Kirchengemeinde geplant hat.

Grundstein am 20. April 1902 gelegt

Am 20. April 1902 wurde der Grundstein für die Kirche in Neunkirchen gelegt. Gravierende Schäden an der im Dreißigjährigen Krieg renovierten alten Kirche wurden festgestellt. »Das Mauerwerk war dem Zusammenbruch nahe«, notierte der damalige Geistliche Adolf Bartholdus Bromm in seinen Aufzeichnungen. Mit dem Architekten Ludwig Hofmann aus Herborn wurde auch schnell ein geeigneter Fachmann gefunden. Rund 1000 Menschen sollten zukünftig Platz finden, auch wenn man sicher damals schon davon ausging, dass die Kirche nicht immer voll besetzt sein würde. Die Kosten sollten zum größten Teil von der Kirchengemeinde aufgebraucht werden. Ca. 100000 Mark wollte man selber aufbringen. Der Rest sollte von anderen kirchlichen Stellen und durch Spenden finanziert werden. Selbst für damalige Verhältnisse ein gewagtes Unternehmen, das dennoch zeigt, wie wichtig den Menschen vor hundert Jahren eine richtige Kirche war, in der die Menschen beten konnten.

Gott allein die Ehre!

Im Grundstein befinden sich eine Bibel, ein Gesangbuch, der Heidelberger Katechismus, die damaligen Silber-, Nickel- und Kupfermünzen, die Postwertzeichen und folgende Denkschrift, deren erste Worte nach wie vor Programm der Kirche sind: »Gott allein die Ehre! Heute, am Sonntag Jubilate, dem 20. April des Jahres des Heils eintausendneunhundert und zwei, im vierzehnten Jahre der Regierung Seiner Majestät Wilhelm II, Deutschen Kaisers und Königs von Preußen, wurde der Grundstein der neuen Kirche des Kirchspiels Neunkirchen – umfassend die Ortschaften Neunkirchen, Salchendorf und Altenseelbach – gelegt. Da der Turm der alten Kirche baufällig geworden war, beabsichtigte die Kirchengemeinde zuerst nur einen neuen Turm an das alte Kirchengebäude zu bauen und die Kirche freizulegen. Der Turm wurde nach einem Entwurf des Architekten Ludwig Hoffmann aus Herborn (Nassau) im Jahre 1901 fertiggestellt. Die Uhr im Turm ist ein Geschenk der Geschwister H. Th. P. Schneider und der verwitweten Frau Heinrich Gustav Schramm, Emilie Karoline geb. Schneider zu Neunkirchen. Als jedoch die Kirche freigelegt werden sollte, zeigte sich, dass auch die Grundmauer des Kirchengebäudes überaus schadhaft war. Die Vertretung der Kirchengemeinde beschloss deshalb, auch ein neues Kirchengebäude zu errichten und genehmigte den gleichfalls von Architekt Hofmann vorgelgten Entwurf, dem auch die Bauleitung übertragen wurde.

Die Höhe des Kostenanschlags für Turm und Kirche beträgt ungefähr 120000 Mark. Dem allmächtigen Gott sei das Bauwerk befohlen. Es soll entstehen zum Preise seines herrlichen Namens und zum Heile der Seelen des gegenwärtigen und der nachkommenden Geschlechter. Möge es allzeit eine Stätte der Anbetung des heiligen Gottes sein und mögen von hieraus Quellen des Heils und des Segens entströmen, die in das ewige Leben fließen. Möge allezeit das Evangelium von der freien Gnade Gottes in Christo Jesu hochgelobten Heilande lauter und rein bezeugt werden als eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben. Sein hochheiliger Name sei hochgelobt in Ewigkeit. Amen! So geschehen zu Neunkirchen am Sonntag Jubilate des Jahres 1902. – Das Presbyterium Bromm, Pfarrer, Schütz, Kraa, Düsberg, Schneider, Roth, Reinschmidt, Kunze, C. Klein.«

So erhielt die Kirchengemeinde Anfang des vergangenen Jahrhunderts eine neue Kirche. Der harmonische Dreiklang der alten Glocken und die noch aus dem Barock stammende alte Orgel, inzwischen alle erneuert, luden die Gemeindemitglieder ein, in ihrem neuen Gotteshaus Gottes Wort zu hören und sich zum Mahl des Herrn zu versammeln. Und bis heute finden sich zu den gut besuchten Gottesdiensten immer noch viele Menschen ein, denen diese Kirche etwas bedeutet. Fotos: Gottfried Bräuer (2), Dietmar Bieler

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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