INSEK Neunkirchen: Entwurfsplan liegt nun vor
Ortsmitte der Zukunft vorgestellt

Die Entwicklung des Rathaus-Quartiers, insbesondere die Gestaltung des Vorplatzes, genießt im INSEK-Entwurf Priorität.
  • Die Entwicklung des Rathaus-Quartiers, insbesondere die Gestaltung des Vorplatzes, genießt im INSEK-Entwurf Priorität.
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  • hochgeladen von Tim Lehmann (Redakteur)

Der Veränderungsprozess ist auf Jahrzehnte angelegt. Zunächst soll das Rathaus-Quartier entwickelt werden. Im Idealfall in den kommenden fünf Jahren.

tile Neunkirchen. Das Gesicht Neunkirchens wird sich verändern – vielleicht schneller, als es manch einer für möglich hält. Gestern stellte die Gemeindeverwaltung im Rahmen einer Sondersitzung des Bau- und Planungsausschusses eine Vision der künftigen Ortsmitte vor, die im Zuge des integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (INSEK) erarbeitet wurde: ein Destillat einer umfangreichen Potenzialanalyse und den Ergebnissen des Bürgerbeteiligungsprozesses. Über die Stoßrichtung entschied die Politik später im nichtöffentlichen Teil, als sie sich auf die planerische Ausrichtung bei der Neugestaltung des ersten großen Projektes, des Rathausvorplatzes, einigte.

In rekordverdächtiger Zeit wurde das Insek seit Frühjahr in Form gegossen. In Vorgesprächen mit der Bezirksregierung habe es positive Rückmeldung und ein dickes Lob gegeben, verrieten Bürgermeister Dr. Bernhard Baumann und Wirtschaftsförderin Sylvia Heinz gestern im SZ-Gespräch nicht ohne Stolz. Dabei gehörten die Lorbeeren nicht Verwaltung und Politik allein, betonte Baumann. In seiner zehnjährigen Amtszeit habe er noch keine derart breite und konstruktive Beteiligung der Bürger erlebt, attestierte er der Bevölkerung ein hohes Engagement bei der Gestaltung ihrer neuen Ortsmitte. Die gesammelten Ideen aus der Bürgerschaft prägen an einigen Stellen sichtbar die Entwurfsplanung, die das Büro Loth Städtebau + Stadtplanung aus Siegen in Abstimmung mit der Gemeinde erstellt hat.

Gedankenspiele und "Willensbekundung"

Herzstück der INSEK-Präsentation war der 3-D-Rahmenplan, der das Gebiet von der Pfarrau bis zur Frankfurter Straße berücksichtigt. Rücken dabei zwischen Bahnhofstraße und Pfarrau vor allem die Kölner Straße und der Verlauf von Wildenbach und Heller in den Fokus, konzentriert sich die Planung insbesondere auf den Ortskern, der in verschiedene Quartiere unterteilt wird, und die historische Ortsmitte bis hinauf zur ev. Kirche und der Villa Leyhof als ein Art „Trabant“ des erweiterten Zentrums.

Das INSEK unterscheidet sechs Handlungsfelder, in denen Leitmaßnahmen und weitere Maßnahmen definiert sind, die jeweils einem Zeithorizont zugeordnet werden. Als kurzfristig werden Maßnahmen in den kommenden fünf Jahren eingestuft, mittelfristig wird zwischen fünf und sieben Jahren geplant, sieben bis zehn Jahre bis zur Umsetzung gelten als langfristig.

Eins fällt mit Blick auf Plan und Projekttabelle auf: Auf dem Papier wird idealisierte Städteplanung betrieben. Zu lesen sei er zunächst als „Willensbekundung“, wie Sylvia Heinz erklärte, als Leitfaden, was in der Gemeinde möglich ist und wo man vielleicht hinmöchte. Geplant wurde daher „unabhängig von Eigentumsverhältnissen“, unterstrich Baumann. So seien mehrere Grundstücke und Immobilien aufgeführt, die der Kommune (noch) nicht gehören. Deren Erwerb und Rückbau (allesamt Leitmaßnahmen) werden für bestimmte Folgeprojekte unabdingbar sein, für andere eine willkommene Option.

Bürgerpark, Tiefgarage, Hellerstrand und Verkehrsberuhigung

Was sieht das INSEK konkret vor? Kurzfristig sollen schon einige „dicke Bretter“ gebohrt werden: Das Rathaus-Quartier (Vorplatz) genießt Priorität. Für eine ideale Planung müssten fünf Gebäude weichen, zudem soll der ruhende Verkehr, also Fußwege und Parkmöglichkeiten, neu organisiert und erweitert werden. Markant: In der offenkundig favorisierten Variante ist eine Parkebene (Tiefgarage) unter dem Vorplatz geplant. Eine Parkpalette könnte im sogenannten Gesundheits-Quartier folgen; beides möchte die Gemeinde durch Dritte, sprich Investoren, finanzieren lassen. Es geht um Summen in Höhe von ca. 900 000 Euro und 1,5 Mill. Euro. Ein Spielplatz hinter der Grundschule soll mittelfristig entstehen, genau wie ein Treff für Jugendliche im geplanten Bürgerpark am Wildenbach.

Der Forderung der Bevölkerung nach einem Bürgerpark im Bereich Wildenbach (hinter dem Gesundheitszentrum) möchte die Verwaltung ebenfalls kurzfristig nachkommen. Einen ersten Aufschlag würde sie sich 646 000 Euro kosten lassen. Langfristig rückt das Areal zwischen Schienen und Gartenstraße ebenfalls in den Blick, wo heute noch das Unternehmen Baumgarten das Stadtbild prägt.

Diese Achse wird planerisch entlang der Heller fortgesetzt. Das mittelfristige Anlegen eines „Hellerstrandes“ mit zugänglichen Uferbereichen zwischen Hellergarten und Gerberweg steht dabei im direkten Zusammenhang mit der naturnahen Entwicklung der Uferbereiche sowie die Renaturierung der Fließgewässer, die ihrerseits als kurzfristige Maßnahmen eingestuft sind. Zu erwartende Kosten werden aktuell ermittelt.

Neue Funktion für Grundschulgebäude definieren

Ebenfalls schnell möchte die Verwaltung beim Grundschulgebäude Nägel mit Köpfen machen. Bekanntlich zieht die Schule auf den Rassberg um. Über die Folgenutzung ist zeitnah eine Entscheidung erforderlich. Die energetische Sanierung des Gebäudes (geplant für 1,5 Mill. Euro) sowie die Neugestaltung des Schulhofs (99 000 Euro) soll in den kommenden fünf Jahren realisiert werden.

Über allem „schwebt“ das parallel entstehende Mobilitätskonzept und insbesondere die Verkehrssituation auf der Kölner Straße. Hierbei drückt die Verwaltung aufs Gas. Aber nur im übertragenen Sinn, denn das Ziel ist eine Entlastung der stark frequentierten Straße (u. a. durch alternative Verkehrsmittel, Stichwort Mobilstationen) sowie eine Verkehrsberuhigung durch Pflanzinseln, Pflanzstreifen, Querungshilfen etc. Ähnliches ist auch für die Gartenstraße, die Bahnhofstraße und die Frankfurter Straße geplant. Außerdem soll der Straßenraum entlang der genannten Straßen durch Anpflanzungen von Bäumen grüner werden – innerhalb des gesamten Zeithorizonts von zehn Jahren.

Freies WLAN entlang der Kölner Straße

Was noch: Es sollen ein Marketing- und ein Einzelhandelskonzept geschrieben sowie ein Flächen- und Gebäudeleerstandskataster erstellt werden – alles binnen fünf Jahren. Die Infrastruktur zum Ausbau der Digitalisierung der öffentlichen Gebäude ist als fortlaufende Maßnahme verzeichnet, öffentliches WLAN zwischen Zweirad Grisse und Oehm Optik entlang der Kölner Straße sowie auf dem Rathausvorplatz soll es kurzfristig geben. Die Gestaltung des Ortseingangs an der Pfarrau und der Kreuzung Kölner Straße/Frankfurter Straße ist mittelfristig geplant. Ebenso die Neukonzeption des Heimatmuseums.

Langfristig steht eine bauliche Erweiterung des Quartier N auf der Agenda. Auch mit dem Gesundheits-Quartier soll noch nicht Schluss sein. Dort weist das INSEK eine Überplanung der Bestandsgebäude und -flächen rund um Medivital aus, wo Platz für besagtes Parkhaus, ein weiteres Ärztehaus und Wohnraum geschaffen werden könnte. Interessant könnte auch sein, was eine Gestaltungsfibel für die historische Ortsmitte vorschreiben würde.

Zukunftsfähigen Ort gestalten

Bei der Präsentation des INSEK-Rahmenplans für die Ortsmitte wurden Bürgermeister Dr. Bernhard Baumann und Stadtplanerin Christine Loth nicht müde darauf hinzuweisen, dass es sich nicht um finales Konzept handelt. Es sei dynamisch – „ein Stand, der weiterentwickelt werden soll“. Gleichwohl werden damit grundsätzliche Strukturen angelegt und Ziele formuliert bzw. dargestellt, die – den Eindruck konnten die rund 30 Besucher der öffentlichen Sitzung jedenfalls gewinnen – seitens der Verwaltung sowie der Politik durchaus avisiert werden.

Dass dies innerhalb des Zeithorizonts, den die Bezirksregierung beim INSEK-Verfahren vorgibt, nämlich 15 Jahre, alles gelingen kann, daran glaubt im Rathaus wohl niemand ernsthaft. Jedenfalls wurde deutlich relativiert: Es sei ein Konzept, auf dessen Grundlage Neunkirchens neue Mitte über die nächsten Jahrzehnte entwickelt und zukunftsfähig gemacht werden soll, hieß es an vielen Stellen.

"Worst case" mit einkalkuliert

Wo die Reise hingehen könnte (bzw. soll), gefiel indes den Ausschussmitgliedern gut. Fraktionsübergreifend wurde die Arbeit des Büros Loth gelobt. Sorge bereitet den Neunkirchenern aber weiterhin vor allem der Verkehr, wie Gerd Scholl (SPD) mahnte. Eine Umgehungsstraße werde nicht kommen, prognostizierte Christine Loth. Ihr Rat: Alternativen für Fußgänger und Radfahrer schaffen. Oder durch den Schienenverkehr zwischen Herdorf und Salchendorf, warf Gerhard Lichtenthäler (UWG) ein. Diese Möglichkeit dürfe man nicht außer Acht lassen.

Manuela Köninger (Grüne) wollte angesichts der vielen ungewissen Eigentumsverhältnisse wissen, ob das INSEK auch den „worst case“ berücksichtige, also dass Flächen nicht wie gehofft genutzt werden können. Die definierten Funktionsräume (der Quartiere) und Strukturen (etwa Verbindungsachsen) hätten auch Bestand, wenn einzelne Maßnahmen nicht umgesetzt werden könnten, beruhigte Loth.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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