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Mindestens ein halbes Jahr Verzögerung
Pfarrau muss neu geplant werden

Die Häuser 23, 25, 27, 28, 29 und 30 sind bereits abgerissen. Dort will die KSG neu bauen. Die weiteren acht Gebäude der Pfarrau (obere Bildhälfte), sollen saniert werden. Die Garagenzeile an der Kölner Straße (l.) wird nun später verschwinden als geplant.
  • Die Häuser 23, 25, 27, 28, 29 und 30 sind bereits abgerissen. Dort will die KSG neu bauen. Die weiteren acht Gebäude der Pfarrau (obere Bildhälfte), sollen saniert werden. Die Garagenzeile an der Kölner Straße (l.) wird nun später verschwinden als geplant.
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tile Neunkirchen. Bei der Umgestaltung der Neunkirchener Pfarrau kommt es zu erheblichen Verzögerungen. Eigentlich war der erste Spatenstich für August oder September, also in wenigen Wochen, vorgesehen. Der Termin ist nicht zu halten. Umfassende Veränderungen in der Planung verschieben den Baubeginn um mindestens ein halbes Jahr.

Wie die Siegener Zeitung erfuhr, ließen sich die ursprünglichen Pläne nicht mehr wirtschaftlich darstellen. Die Gemeindeverwaltung ist mit Kritik betont zurückhaltend. Bürgermeister Dr. Bernhard Baumann bestätigte lediglich, dass wegen gestiegener Kosten neu geplant werden müsse. Ansonsten verwies der Verwaltungschef auf die Bauherrin: die Kreiswohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft (KSG).

tile Neunkirchen. Bei der Umgestaltung der Neunkirchener Pfarrau kommt es zu erheblichen Verzögerungen. Eigentlich war der erste Spatenstich für August oder September, also in wenigen Wochen, vorgesehen. Der Termin ist nicht zu halten. Umfassende Veränderungen in der Planung verschieben den Baubeginn um mindestens ein halbes Jahr.

Wie die Siegener Zeitung erfuhr, ließen sich die ursprünglichen Pläne nicht mehr wirtschaftlich darstellen. Die Gemeindeverwaltung ist mit Kritik betont zurückhaltend. Bürgermeister Dr. Bernhard Baumann bestätigte lediglich, dass wegen gestiegener Kosten neu geplant werden müsse. Ansonsten verwies der Verwaltungschef auf die Bauherrin: die Kreiswohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft (KSG). Außerhalb des Rathauses ist man nicht so zurückhaltend, von Fehlplanung ist in Neunkirchen die Rede.

Vom Siegerentwurf verabschiedet

KSG-Geschäftsführer Daniel Aktas bestätigte auf Nachfrage die Verzögerung. In den vergangenen Monaten hätten unvorhergesehene Schwierigkeiten dafür gesorgt, dass „uns die Kosten weggelaufen sind“. Man habe in bisher drei „Planungsschleifen“ die ursprünglichen Kosten von 16,6 auf 14,8 Millionen Euro drücken können. Aber das reiche nicht aus. Um das Ziel zu erreichen, den Quadratmeter für unter 8 Euro, also als „bezahlbaren Wohnraum“ anbieten zu können, muss um weitere 3 Millionen Euro reduziert werden.

Das ist auf Grundlage des im Mai 2019 noch so hochgelobten Siegerentwurfs des damaligen Architektenwettbewerbs, den die Architektengemeinschaft des Netphener Architekten Matthias Klein und des Planungsbüros PASD Feldmeier Wrede aus Hagen eingereicht hatten, offensichtlich nicht möglich. Die KSG arbeitet inzwischen mit einem anderen Architekturbüro zusammen. Ein Hinweis darauf, wie groß das Dilemma für das Leuchtturmprojekt der KSG und des Kreises im Rahmen des sozialen Wohnungsbaus tatsächlich ist.

5 Millionen Euro über Budget

Die Lücke von rund 5 Millionen Euro, die zwischen Zielbudget und Kostenkalkulation klafft, ist enorm. Hätte das nicht bereits bei der Bewertung der Wettbewerbseinreichungen auffallen müssen? Der städtebaulich überzeugende Entwurf, der einen verkehrsberuhigten Siedlungsbereich schafft und die Fahrzeuge der Mieter in einer Tiefgarage aus dem Ortsbild verschwinden lässt, mutet eher wie gehobenes Wohnen als sozialer Wohnungsbau an.

Die Beachtung des Budgets sei nur ein Kriterium gewesen, versucht sich Daniel Aktas an einer Erklärung. Im Rahmen der Entwurfsphase (Architektenwettbewerb) seien nicht alle Unwegbarkeiten absehbar, Detailplanung und Umsetzung seien dynamische Prozesse, Änderungen nicht ungewöhnlich. Eine Fehlplanung liege nicht vor, meint der KSG-Geschäftsführer. Hinzu komme, dass die Erschließungskosten nicht Bestandteil des Wettbewerbs waren. Es war also klar, dass dieser Posten noch oben draufgerechnen werden musste.

Sieger-Entwurf überzeugt als Gesamtkonzept

Einige Fragezeichen

Hinter so manchem „Kostentreiber“ stehen Fragezeichen. So berücksichtigt der Siegerentwurf nicht, dass die Erdgeschosse der geplanten Neubauten in einer Hochwasserlinie gelegen hätten. Das sei erst später festgestellt worden, sagt Daniel Aktas. Die Gebäude müssten daher um ein Halbgeschoss angehoben werden – so wie es bei den verbliebenen acht Bestandsgebäuden von 1963 im Übrigen der Fall ist. Den damaligen Planern war dieses Problem also offenbar bekannt. Auch in Sachen Schall- bzw. Lärmschutz fiel erst nach dem Wettbewerb auf, dass man viel Geld in die Hand hätte nehmen müssen, um eine etwa 1,20 bis 1,50 Meter hohe Mauer zur Kölner Straße hin zu bauen.

Letztlich wurden die Häuser 23, 25, 27, 28, 29 und 30 – insgesamt 36 Wohneinheiten – ohne baugenehmigungsreife Pläne für die Neubauten zu Beginn des Jahres abgerissen. Dazu Aktas: „Wir wollten schnellstmöglich mit der Umsetzung anfangen.“ Zu jenem Zeitpunkt habe man den Mietern Alternativen anbieten können, die später vielleicht nicht mehr zur Verfügung gestanden hätten, was wiederum zu Verzögerungen geführt hätte, bis die Gebäude leer gewesen wären.

Alternative Planung in Arbeit

Aktuell bemüht sich die KSG um eine neue Planung gemäß des Bebauungsplans, den die Gemeinde Neunkirchen gerade erst unter dem Eindruck des nun obsoleten Entwurfs auf den Weg gebracht hat, um ihrerseits einer reibungslose Umsetzung des Projekts zu gewährleisten. Nach jetzigem Stand muss der Bebauungsplan wohl nicht noch einmal überarbeitet werden, wie Bürgermeister Baumann mitteilte.
Im vierten Quartal, so der neue Zeitplan, sollen die alternative Planung fertiggestellt und ein Baugenehmigungsverfahren beantragt werden.

Weite Ebenen, tiefe Krater

So lange wird auch die unansehnliche Garagenzeile an der Kölner Straße stehen bleiben, damit sie von den Mietern weiter genutzt werden kann. Nach dem Winter, im Frühjahr 2021, soll mit den Baumaßnahmen begonnen werden, die dann etwa ein bis eineinhalb Jahre andauern werden. Vor Anfang oder Mitte 2022 werden somit keine Mieter in die Neubauten einziehen. Den ausgewichenen Mietern, das ist dem KSG-Geschäftsführer wichtig zu sagen, „entstehen keine Nachteile“. Sie hätten weiterhin die Möglichkeit, in die Pfarrau zurückzukehren – wenn sie dann noch wollen.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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