Auf den Spuren von Peter Lustig
Podcasts im Bauwagen

Jonathan Krenzer, Nico Fischbach und Tom Oerter (v. l.) haben bisher sieben Folgen ihres Podcasts „SpontanGenial“ im Bauwagen produziert.
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  • Jonathan Krenzer, Nico Fischbach und Tom Oerter (v. l.) haben bisher sieben Folgen ihres Podcasts „SpontanGenial“ im Bauwagen produziert.
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  • hochgeladen von Marc Thomas

tile Wiederstein. Peter Lustig hat es vorgemacht: „Löwenzahn“ wurde aus dem Bauwagen heraus gesendet (mehr oder weniger). Jonathan Krenzer und seine Freunde Nico Fischbach und Tom Oerter machen es dem schrulligen Fernseherfinder 15 Jahre nach dessen letzter kultiger Abmoderation – „Also abschalten, tschüss“ – nach. Seit Februar produzieren sie ihren Podcast „SpontanGenial“ im aufgemotzten Anhänger. Aus dem vollgestopften Geräteschuppen ist ein gut ausgestattetes, gemütliches Tonstudio geworden. Jeden Freitag wird eine neue Folge aufgenommen, die ab dem darauffolgenden Donnerstag über die Plattform Spotify gestreamt werden kann.

Im vergangenen März, während des ersten Lockdowns, kam Jonathan nachts um 3 Uhr die Idee, über das Internet „etwas mit Mehrwert“ anzubieten. „Die Leute sollen dem Alltag entfliehen können, gerade jetzt, wo viele in ihren vier Wänden gefangen sind“, sagt der 19-Jährige. Gerade jetzt, das heißt, in der Pandemie. Ganz bewusst versucht der Lehramtsstudent (Deutsch und Geschichte) Corona in seinem Podcast – das ist eine Serie von Audiodateien, die im Internet abgerufen werden können – auszublenden, „davon bekommen die Menschen ja so schon genug.“ Während der 30 bis 55 Minuten langen Folgen sollen die Hörer das Virus vergessen können. Und doch: Ob es „SpontanGenial“ ohne Covid-19 geben würde? Wahrscheinlich nicht, räumt Jonathan ein.

Im Sommer Basis geschaffen

Beim Umbau des Bauwagens hat Papa Stephan – nach etwas Überzeugungsarbeit – tatkräftig mitgeholfen. Unrat und Geräte raus, neuer Boden und Schallwände rein, frischer Anstrich, Möbel, Licht und Strom. Im Sommer war die Basis geschaffen. In der Folge planten Jonathan und Nico, was es an Equipment braucht: Mikros, Kopfhörer, Synthesizer, Laptop. Mediendesign-Student Tom entwarf das Logo, ein stilisierter Bauwagen mit dem Namen des Podcasts in Retro-Schrift.

„Für mich war klar, dass ich das mit diesen beiden Typen machen will“, sagt Jonathan über seine Freunde. Nico und er waren am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in einer Stufe, Tom ein Jahrgang darüber. Die häufigen „tiefgründigen Gespräche“ und der Austausch über Alltägliches mit ihnen standen Pate für das Konzept.

50 Prozent der Zeit wird mit wechselnden „Formaten“, wie es Jonathan nennt, gefüllt. Man könnte auch Rubriken sagen: "Kulturtalk", "Dorfgeschwätz", "Alles für die Trends" und "Vor einem Jahr" sind selbsterklärend. Unter dem Motto "Top-Ten" nehmen sie sich zehn Schlagzeilen der zurückliegenden Woche vor („Auch viele aus der SZ“), im Spamcheck wird der namensgebende Posteingang der E-Mails ausgeschlachtet.

Keine politischen Themen

Silent things („stille Dinge“) lässt Raum für Kuriositäten des Alltags: „Etwa, warum bei mir die Hühnereier in der Verpackung alle exakt ausbalanciert sein müssen“, sagt Jonathan. Nico beschreibt den Zwang, sich immer nochmal zu vergewissern, ob das Auto wirklich abgeschlossen ist.

Die anderen 50 Prozent ergeben sich, wie der Name der Show verrät, spontan. „Wir sind immer alle im Redefluss“, schmunzelt Tom. Meistens wird es lustig, aber auch ernste Themen scheuen sie nicht, wobei es nicht zu politisch werden soll. Die Zwiegespräche – Jonathan als Konstante, die beiden anderen im Wechsel – reichen von Musik („Wir reden viel über Musik und Film“) bis hin zu gesellschaftskritischen Themen. Beispielhaft Folge 4: „Menschen auf dem Mars und warum immer New York“. Ausgehend vom Vollmond am Aufnahmetag beackern die Jungs die jüngste (sowie zurückliegende) Rover-Sonden-Mission auf dem roten Planeten bis sie schließlich die Alien-Invasionen in Science-Fiction-Filmen analysieren.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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