Rückblick auf steinigen Weg

Dr. Marlies Obier referierte auf Einladung der Neunkirchener Sozialdemokraten zum Thema Frauenwahlrecht.  Foto: jak
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jak Neunkirchen. „90 Jahre Frauenwahlrecht“ war das Thema des Jahresempfangs der Neunkirchener SPD. Als Referentin hatten die Sozialdemokraten die Siegener Literaturwissenschaftlerin Dr. Marlies Obier eingeladen, die in einem mitreißenden und kurzweiligen Vortrag die Leidenswege einiger Vorreiterinnen aufzeigte. Denn was heute selbstverständlich ist, wurde damals offen bekämpft. Auf das preußische Dreiklassenwahlrecht folgte 1918 das allgemeine Wahlrecht, das jedoch noch lange keinen Freibrief für die politische Arbeit von Frauen ausstellte. Schließlich, so Obier, seien politische Rednerinnen polizeilich beobachtet worden. Hans-Dieter Moritz, der Vorsitzende der Neunkirchener Sozialdemokraten, dankte Obier für deren deutliche Worte: „Der Beifall hat Ihnen gezeigt, dass der Vortrag angekommen ist.“ Der ehemalige Landtagsabgeordnete spannte den Bogen von den historischen Ereignissen zum Status Quo und merkte kritisch an, dass auch heute noch Überzeugungsarbeit zu leisten sei: „Vorbehalte gegen Frauen in der Politik sind heute noch bei vielen Konservativen vorhanden, und es gibt leider auch Frauen, die ihren Geschlechtsgenossinnen einfach kein öffentliches Amt zutrauen.“ Helga Schwarz-Schumann, laut Hans-Dieter Moritz aus lokaler Sicht eines der weiblichen sozialdemokratischen Aushängeschilder neben den einstigen Bundestagsabgeordneten Waltraud Steinhauer und Marianne Klappert, kritisierte die derzeitige Kampagne der Bundesregierung zum Thema: „Man könnte fast meinen, die Christdemokraten hätten das Frauenwahlrecht erfunden. Das kommt einem vor wie Geschichtsfälschung.“

Zuvor hatten Bürgermeister Manfred Gillé und Bürgermeisterkandidat Bernhard Baumann die Zuhörer im Otto-Reiffenrath-Haus begrüßt. Beide stellten fest, dass die Frauenquote auch im Neunkirchener Rat zu wünschen übrig lasse. Gillé: „Die anstehenden Wahlen sind eine Chance, die Frauenquote auszubauen.“ Und der amtierende Verwaltungschef lieferte mit den Worten der ehemaligen englischen Premierministerin auch eine Begründung: „Wenn Sie etwas in der Politik gesagt haben wollen, wenden Sie sich an einen Mann. Wenn Sie etwas getan haben wollen, wenden Sie sich an eine Frau.“ Bernhard Baumann, gemeinsamer Kandidat von CDU, SPD, FDP und UWG zog zusätzlich eine Parallele zwischen Politik und dem Berufsleben, wo Frauen in vergleichbaren Positionen rund 26 Prozent weniger verdienen als ihre männlichen Pendants: „Es bleibt viel zu tun!“

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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