Architektenwettbewerb der KSG für das Quartier "Pfarrau" in Neunkirchen
Sieger-Entwurf überzeugt als Gesamtkonzept

Die Orientierung zur Heller hin war ein Grund, warum die Jury den Entwurf von Matthias Klein und Feldmeier Wrede favorisierte. Vor allem aber die harmonische Verbindung zu den Bestandgebäuden fiel ins Gewicht.
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  • Die Orientierung zur Heller hin war ein Grund, warum die Jury den Entwurf von Matthias Klein und Feldmeier Wrede favorisierte. Vor allem aber die harmonische Verbindung zu den Bestandgebäuden fiel ins Gewicht.
  • Foto: M. Klein mit PASD Feldmeier Wrede (Visualisierung)
  • hochgeladen von Tim Lehmann (Redakteur)

tile Neunkirchen. Schon lange habe er in seiner „freundlich-penetranten Art“ der KSG mit seinem Wunsch in den Ohren gelegen, in Neunkirchen etwas zu tun, begrüßte Bürgermeister Dr. Bernhard Baumann als Hausherr gestern augenzwinkernd die Gäste im Otto-Reiffenrath-Haus, die zur Bekanntgabe des Siegers des Architektenwettbewerbs „Wohnbebauung ,Pfarrau’“ der Kreiswohnungsbau- und Siedlungsgesellschaft mbH Siegen gekommen waren. Daher freue es ihn, dass die KSG nun das Quartier in den Blick nimmt. Er erwarte, dass das Areal „zu einem schönen Eingangstor nach Neunkirchen“ (von Herdorf aus kommend) umgestaltet wird.

Sechs Häuser sollen abgerissen werden

14 Gebäude hat die Kreiswohnungsbaugesellschaft 1963 am Ortsausgang Neunkirchens gebaut: 84 Wohnungen, 5100 Quadratmeter Wohnfläche. Acht der Objekte seien in den 1990er-Jahren umfassend saniert worden, in den anderen sechs war lediglich die Heizungsanlage erneuert worden, erinnerte Landrat Andreas Müller in seiner Funktion als KSG-Aufsichtsratsvorsitzender an die Historie des Siedlungsbereichs. Es sei ein „intaktes Quartier mit gewachsener Mieterstruktur“ – zum Teil sogar in zweiter Generation. „Leerstandsprobleme gibt es hier nicht“, stellte Müller somit zufrieden fest. Allerdings sei der Zustand jener sechs stiefmütterlich behandelter Häuser „nicht mehr ertragbar“. Es herrsche ein „riesiger Instandsetzungsstau“. Mit dem Ergebnis, dass mittlerweile neu zu bauen günstiger sei als zu sanieren.

Mieter "unglaublich kooperativ"

Müller lobte die „unglaubliche Kooperationsbereitschaft“ der Mieter. Seit Januar seien die sechs abzureißenden Gebäude leer, den Mietern wurden Alternativen angeboten – und die Zusage, zurückkehren zu können, sofern der Wunsch besteht. Für sie solle es einen Rabatt auf die künftigen Mietpreise geben. Den Wettbewerb bezeichnete der KSG-Aufsichtsratsvorsitzende als „Erfolg für alle“.
Gewinnen konnte aber nur ein Entwurf. Die Jury – bestehend aus der KSG-Geschäftsleitung, Architektur-Professoren, Gemeindevertretern sowie Mietern – überzeugte schließlich die Einreichung der Architektengemeinschaft des Netphener Architekten Matthias Klein und des Planungsbüros PASD Feldmeier Wrede aus Hagen. Vorgabe war es, die städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ziele (der Kommune) mit einer Vielfalt an Wohneinheiten sowie einer aufwertenden Idee für den Bestand miteinander in Einklang zu bringen, erklärte Prof. Peter Karle und verglich diese Anforderungen mit einem Triathlon. Der Wettbewerbsbeitrag von Klein und PASD Feldmeier Wrede habe es „am besten verstanden, diese drei Anforderungen auf einfache Weise zu kombinieren“.

"Familienähnlichkeit" ausschlaggebend

Gut gefallen habe der Jury etwa die Lösung, unter dem ersten Gebäude mit einer Tiefgarage ausreichend Parkflächen zu schaffen. Die aktuelle Garagenzeile war als eine Art Schandfleck ausgemacht worden und sollte aus dem Stadtbild verschwinden. Auch die Orientierung zur Heller hin und der „Anger“ als Mittelpunkt des Quartiers kamen gut an. Ausschlaggebend aber war vor allem die „Familienähnlichkeit“ der Neubauten mit den Bestandsgebäuden (diese werden saniert und erhalten z. T. neue Balkone), sodass die Pfarrau künftig ein harmonisches Gesamtbild ergeben wird. Dies sei tatsächlich die Herangehensweise bei der Planung gewesen, erklärte Andrea Wagener von PASD Feldmeier Wrede. Zunächst habe man die Probleme herausgearbeitet. Mit dem Entwurf habe man anschließend das Ziel verfolgt, „eine neue Qualität, aber keine Konkurrenz im Quartier“ zu schaffen.

Neubau startet wohl nicht vor 2021

Wie geht es nun weiter? Derzeit werde mit den Architekten über die Pläne gesprochen, es seien noch Anpassungen vorzunehmen, verriet KSG-Prokurist Daniel Aktas. Eins zu eins wird der Siegerentwurf also nicht umgesetzt. Der Abriss der sechs zu ersetzenden Häuser solle noch in diesem Jahr erfolgen, vermutlich im vierten Quartal. Parallel müsse die Gemeinde Neunkirchen Baurecht für das Gebiet schaffen, sprich Baupläne aufstellen bzw. anpassen. Das werde circa ein Jahr dauern, schätzte Aktas. Vor 2021 werde wohl nicht gebaut werden – und dann auch nur, „wenn alles glatt läuft“, trat er etwas auf die Euphoriebremse.

"Anständige Jeden-Tag-Architektur"

Als „anständige Jeden-Tag-Architektur“ bezeichnete der Jury-Vorsitzende Prof. Peter Karle von der Universität Siegen die Wettbewerbsbeiträge. Das Gesamtniveau beschrieb der Architekt als „der Aufgabe angemessen“. Spektakuläres habe man nicht zu sehen bekommen, aber das sei auch nicht die Intention gewesen. Zehn Planungsbüros waren aufgerufen, ihre Ideen einzureichen, sechs Entwürfe wurden schließlich abgegeben. Die Sieger: 1. Preis: Architekturbüro M. Klein (Netphen) mit PASD Feldmeier Wrede (Hagen) und Tamkus Landschaftsarchitektur (Dortmund), 2. Preis Jung und Katz Architektur (Kreuztal) mit Landschaftsarchitekt Joachim Sondermann (Olpe), 3. Preis Almasi und Stein Planungsgruppe (Siegen) mit Landschaftsarchitektin Carla Schnug-Börgerding (Altenkirchen).

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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