Sommeratelier Neunkirchen: Quantität und Qualität

17 Künstlerinnen und Künstler bei der fünften Auflage dabei / Auch Bürgermeister und Sparkassen-Vorstand musste maltechnisch ran

Neunkirchen. Action-Painting konnte man es zwar nicht direkt nennen, aber es hatte schon was von einem Happening. Jürgen Eibach hatte die Aktion vorbereitet, und Neunkirchens Bürgermeister Manfred Gillé sowie Sparkassenvorstand Frank Podehl (Sparkasse Burbach-Neunkirchen) ließen sich nicht lange bitten. Die Jacken aus und in die originellen Schutzanzüge geschlüpft – das gelang den beiden Herren fast in einer fließenden Bewegung. Pinsel, Farbe – auf geht's! Und im Nullkommanix nimmt das begehbare Bild farbkräftige Gestalt an. Klar, dass das Publikum nicht mit Kommentaren sparte. Die beiden Protagonisten nahmen es mit Humor, und die Kunst erwies sich einmal mehr als Brücke, mit deren Hilfe Menschen prima miteinander ins Gespräch kommen können.

Zum lebendigen Gedankenaustausch bestand am Wochenende beim 5. Neunkirchener Sommer-Atelier im Otto-Reiffenrath-Haus und in der Sparkasse ganz viel Gelegenheit. 13 Künstlerinnen und vier Künstler zeigten ihre Arbeiten. Dabei überzeugten nicht nur Quantität und Bandbreite, sondern auch die Qualität der Exponate. Jürgen Eibach hat dem im Künstlerkatalog abgedruckten Zitat (»Nun habe ich die Angst vor den Farben verloren!«) Taten folgen lassen. Der Neunkirchener arbeitet mit Acryl- und Ölfarben, mit Kohle und malt Aquarelle und experimentiert mit Mischtechniken. An seiner nachvollziehbaren Freude am Einsatz der Farben konnte man sich satt sehen.

Manfred Immel aus Neunkirchen ist im Siegerland in den vergangenen Jahren durch seine Skulpturen aus Metall, Kupfer, Eisen, Messing und Edelstahl bekannt geworden. Eine neue Dimension eröffnen die in Neunkirchen präsentierten Werke durch die Arbeit Immels mit Spiegeln, die dem Betrachter einen zweiten Blickwinkel ermöglichen. Der 1935 in Wahlbach geborene Ewald Diehl (Acryl, Mischtechnik) zeigte unter anderem, dass auch eine gelesene Siegener Zeitung noch ihre Reize hat. Diehl hat eine 50 Jahre alte SZ-Ausgabe in eine spannende Mischtechnik-Arbeit integriert. Verblüffend ist das Spektrum des Herdorfer Natur- und Landschaftsmalers Rene Sprinkmeier. Er versteht Landschaftsmalerei nicht nur als naturalistische Darstellung, und seine Tierbilder haben durchaus auch eine ironische Seite.

Farben, Formen und Strukturen stehen im Mittelpunkt der Arbeit der Siegenerin Inge Kahler (Acryl, Mischtechnik), der beim Spiel mit Farben und Formen die moderne Interpretation von Gegenständlichem gelingt. Mediterranes Flair brachte die Kreuztalerin Kathrin Klotzki-Progri (Aquarell, Mischtechnik) mit ihren bekannten Rezeptbildern und stimmungsvollen Landschafts-Aquarellen ins Otto-Reiffenrath-Haus. Ein echter Hingucker sind die Skulpturen aus Stein, Ton und Bronze der Neunkirchenerin Heide Linkemann. Die Kreationen der gebürtigen Hamburgerin, die sie selbst »Gedanken in Stein, Ton und Bronze« nennt, haben aber auch einen haptischen Reiz. Man muss einfach mit der Hand darüber streichen. Die Natur steht im Focus des künstlerischen Interesses von Christa Konrad aus Burbach. Die Autodidaktin malt mit kräftigen Ölfarben. Inspirationsquellen sind südliche Landschaften und die stürmische See. Ungewöhnlich sind die Bilder der Burbacherin Dorothee Krumm (Tusche, Mischtechniken, Aquarelle, Radierungen, Naturmaterialien, Kohle, Bleistift, Öl und Pastell). Dorothee Krumm baut Pflanzen in ihre Werke ein und schafft so eine ungewöhnliche Verbindung zwischen natürlicher und mit den eigenen Händen geschaffener Schönheit.

Christine Pauck (Glasperlen, Wachsperlen, Swarowskisteine, Edelsteine) beschäftigt sich sei rund zweieinhalb Jahren mit Schmuck-Ketten. Nachdem sie anfangs nur für sich gearbeitet hatte, musste sie irgendwann überlegen, wo sie hin wollte. Inzwischen lässt sie andere an den kunsthandwerklichen Kostbarkeiten teilhaben. Nachdem sie früher in allen möglichen Techniken künstlerisch tätig war, hat die Siegenerin Gisela Rauch vor rund zehn Jahren die Acrylmalerei für sich entdeckt. Von ihr waren unter anderem stimmungsvolle Bilder wie Abend im Garten und Herbstliche Ahornblätter zu sehen. Die Siegenerin Brigitte Rehhage (Acryl, Mischtechnik) hat wie einige andere der Sommeratelier-Teilnehmer bei Günter Thibaut Unterricht gehabt. Bei ihm, so schreibt sie im Künstlerkatalog, habe sie den Umgang mit Farbe gelernt. Ihre Kompositionen sind aber nicht nur farblich gelungen. Schön wie der Moment, in dem sie festgehalten wurden, wirken die Aquarelle von Elisabeth Röhrl. Sie bringen die verletzliche Schönheit der Natur zum Ausdruck.

Dr. Siegrid Sallwey-Bauer (Aquarell, Acryl) ist bekannt für ihre Gingko-Bilder, die zum Teil auch im Gingko-Museum in Weimar zu sehen sind. Inzwischen ist die Malfreude der in Wilnsdorf lebenden Künstlerin aber auch auf andere Gebiete übergesprungen. Inspiriert durch Reisen, haben die Arbeiten der in Kirchen geborenen und in Neunkirchen lebenden Ingrid Sander (Aquarell, Öl, Acryl) zurzeit südländisches Flair. Kleine Dörfer und verwinkelte Gassen in meist kräftigen Farben nehmen den Betrachter mit auf eine Reise in wärmere Gefilde. Für Magdalene Stockschläder (Aquarell, Acryl, Ton und Pappmaché) ist Malerei in jeder Hinsicht Faszination und Ausdrucksmöglichkeit in Farbe und Form. Fantasievoll drückt die in Herdorf wohnende gebürtige Ostpreußin dies in ihren Exponaten aus. Neu in der Region ist die gebürtige Kölnerin Gabriele Zutz. Als Autodidaktin fasziniert sie an der Bildhauerei die Entwicklung des rohen Steins zum geformten Objekt. Von der Neu-Neunkirchenerin wird man zweifellos in Zukunft noch einiges zu sehen bekommen.

Musikalisch umrahmt wurde die Eröffnung des Sommerateliers von der Violinistin Silke Hollstein und der Pianistin Djamilia Moussa-Zade sowie den Blockflötenschülern. Manfred Gillé und Frank Podehl, Kommune und Sparkasse sind die Ausrichter des Sommerateliers, dankten in ihren Eröffnungsreden beiden den Teams, die bei der Gemeinde und im Geldinstitut für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung gesorgt haben.

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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