Streit um Bedeutung eines alten Stollens

Westfälisches Museum für Archäologie schlägt Ortstermin vor:

Helmut E. Demmer will ihn der Nachwelt erhalten – Waldgenossenschaft soll ihn zuschütten lassen

Struthütten. Helmut E. Demmer läuft die Zeit davon. Mit jedem Tag, der verstreicht, sieht der Ingenieur und Bergbauliebhaber seinen Traum vom Heimatmuseum schwinden. Die Pläne liegen fertig in der Schublade des Struthüttener Heimatfreundes. Material für das Gebäude lagert bereits im Kunstertal. Dort möchte der Heimatverein es errichten und für die Nachwelt Relikte aus Bergbau und Haubergswirtschaft aufbewahren. Zu diesem Museum, da gibt es für Demmer keinen Zweifel, gehören auch einige Stollen im unmittelbar angrenzenden Waldgebiet. Einen hat man inzwischen schon weitgehend freigelegt. Er soll bald einen neu gestalteten Eingangsbereich bekommen. Einen weiteren möchte man ebenfalls erhalten. Doch dieses Vorhaben scheint zu scheitern. Demmer: „Das Mundloch liegt im Neunkirchener Waldgebiet. Die Genossenschaft will das Loch in Kürze verfüllen lassen. Der Jagdpächter befürchtet offenbar zu viel Unruhe in seinem Revier.” Dass es auf den Stollen einen Run wie auf andere Besucherbergwerke geben könnte, schließt der Struthüttener aus: „Wir wollen ihn nicht für jedermann öffnen sondern nur den Eingangsbereich entsprechend absichern und neu gestalten.” Mit anderen Heimatfreunden hat Demmer das Innere des Stollens bereits auf eigene Faust erkundet. Er führt etwa 300 m weit in den Berg hinein. Wenn er von dieser Entdeckungstour berichtet, gerät er ins Schwärmen. Mit Fotos belegt er das Gesehene: Eisen- und Kupferoxyd in einer faszinierenden Farbenpracht zieren die Wände, von den Decken hängen Stalaktiten herab. Dieser typische Stollen mit Querschlag, alten Holzbauten und seinen sehr schönen Ausblühungen wurde von den Vorfahren in mühevoller Handarbeit in den Berg getrieben. In Kunstertal und Harteborn florierte einst die Industrie. Bis zu 2000 Arbeitsplätze sollen dort vorhanden gewesen sein. Etwa 80 unterirdische Gänge, so schätzt man, sind rund um Struthütten vorhanden. Mehr als die Hälfte, so Demmer, habe er inzwischen ausfindig gemacht. Er sei auch bereit, alle Kosten für die Herrichtung zu übernehmen, untermauert er im Gespräch mit der SZ, wie sehr ihm die Sache am Herzen liegt. Und auch die Naturschützer sind gegen ein Verfüllen. Aus gutem Grund. Denn, so berichtete Jürgen Sartor vom Naturschutzbund, im Stollen haben auch Fledermäuse ein Zuhause gefunden. Darum unterstützt man Demmers Vorhaben. Die Waldgenossenschaft, so erläutert deren Vorsteher Rudolf Schmidt auf Anfrage der SZ, sei nicht die treibende Kraft, was die Verfüllung des Stollens angehe. Vielmehr sei in einem Gespräch am 28. Juni mit Wasserverband, Bergamt und Waldgenossenschaft, an dem auch Demmer für den Heimatverein teilgenommen habe, beschlossen worden, den Stolleneingang zu verschließen. Weil die Waldgenossenschaft derzeit Wege ausbauen lasse, u.a. auch den, der an dem diskutierten Stollen entlang führt, solle der Unternehmer ein Angebot ans Bergamt abgeben, was die Verfüllung kosten würde. Generell so Schmidt, unterstütze man das Ansinnen Demmers, Stollen der Nachwelt zu erhalten. Doch der, den „er sich in den Kopf gesetzt hat, liegt zu tief im Wald”. Man habe schon alternative Standorte vorgeschlagen, über die man zu reden bereit sei. Wenn der Struthüttener aber weiter für Wirbel sorge, dann sei nicht auszuschließen, dass man auch in diesen Fällen seitens der Genossenschaft stur bleiben könnte. Auch die Gemeinde wurde inzwischen mit der Angelegenheit befasst. Wie Beigeordneter Roland Butz erklärte, müsse die Kommune sich neutral verhalten, denn Grundeigentümer sei nun mal die Waldgenossenschaft. Gestern schaltete sich schließlich noch das Westfälische Museum für Archäologie (Amt für Bodendenkmalpflege) ein. Dr. Philipp Hömberg von der Außenstelle Olpe informierte die Gemeinde als Untere Denkmalbehörde, dass man „zur Klärung der Denkmaleigenschaft” gerne einen Ortstermin vereinbaren möchte. Bis dahin sollte an den Grundbesitzer appelliert werden, den augenblicklichen Zustand zu erhalten. Vor Ort will man klären, ob es sich tatsächlich um Denkmäler von überregionaler Bedeutung handelt. dibi

Autor:

Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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