Silbersee wird zum beliebten Ausflugsziel - trotz Verbot
Ungebetene Badegäste

Der Silbersee im Naturschutzgebiet Mahlscheid lockt mit seinem klaren Wasser. Das Schwimmen in dem Gewässer ist allerdings verboten, genauso wie das Betreten des Geländes. Foto: Sarah Panthel
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  • Der Silbersee im Naturschutzgebiet Mahlscheid lockt mit seinem klaren Wasser. Das Schwimmen in dem Gewässer ist allerdings verboten, genauso wie das Betreten des Geländes. Foto: Sarah Panthel
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sp Struthütten. Glasklares Wasser, ruhige Lage, wunderschöne Natur. Der Silbersee im Naturschutzgebiet Mahlscheid ist ein ganz besonderes Kleinod, das den seltenen Tier- und Pflanzenarten vorbehalten sein soll. Das Gebiet ist geschützt, es gilt jedes Jahr ein Betretungsverbot bis zum 31. August. Das aber wird vor allem an warmen Sommertagen regelmäßig missachtet.

Jedes Jahr wieder ein Thema

„Das Thema beschäftigt uns jedes Jahr“, sagt Johannes Schneider, zuständiger Fachbereichsleiter der Gemeinde Neunkirchen. „Der Silbersee ist mittlerweile ein beliebtes Ausflugziel. Es sind Dutzende, Hunderte, die dort hinkommen“, weiß Schneider. Die Leute kämen aus Olpe, dem Westerwald, Dillenburg, sogar aus Recklinghausen oder Marburg. Bei Facebook werde für den See geworben.

Lebensraum wird zerstört

Das Gewässer wird wie ein Freibad genutzt, auf dem Gelände drum herum wird gegrillt, geangelt, gezeltet, Lagerfeuer werden gemacht – trotz zusätzlicher Waldbrandgefahr. Im vergangenen Jahr waren zum Erhalt der Fläche einige Birken gefällt und liegengelassen worden. Das Totholz sollte einen neuen Lebensraum für Tiere bilden, stattdessen wurde es zerkleinert und im Lagerfeuer verbrannt.

Schlechtes Benehmen

„Schlechtes Benehmen ist an der Tagesordnung“, ärgert sich Schneider: „Wir finden Müll, Bierdeckel, Zigaretten. Die Leute benehmen sich nicht mal so, dass man ein Auge zudrücken könnte.“ Einige Personen würden Verständnis zeigen, wenn sie bei Kontrollen vom Platz verwiesen würden, andere hingegen würden unfreundlich, gingen die Beamten und Landschaftswächter an.

Ein weiteres Problem ist dazugekommen. Zahlreiche „Besucher“, das bedeutet auch zahlreiche Pkw, mit denen sie anreisen. Das Durchkommen eines Rettungsfahrzeuges – das muss für die Gaststätte Hohenseelbachskopf gewährleistet sein – ist unmöglich. Deshalb hat die Gemeinde Neunkirchen jetzt auf den Seitenstreifen ein Parkverbot verhängt und kontrolliert bereits.

Mehr und strengere Kontrollen

Am Donnerstag fand ein Gespräch mit dem Kreis Altenkirchen, den Ordnungsämtern Herdorf und Neunkirchen, der Polizei aus Betzdorf und den zwei Landschaftswächtern aus NRW und Rheinland-Pfalz statt – das Naturschutzgebiet Mahlscheid erstreckt sich über beide Bundesländer. Es gehe darum, grenzüberschreitend zu arbeiten, erklärt Schneider im Gespräch mit der SZ. Noch am gleichen Tag wie die Gesprächsrunde habe eine Kontrolle am Silbersee stattgefunden. „Entweder war es viel zu heiß oder unser Parkverbot hat schon Wirkung gezeigt, es waren nur 30, 40 Leute da.“

Bislang wurden die ungebetenen Gäste nur verwarnt und vom Platz verwiesen. Das könnte sich demnächst ändern. Johannes Schneider kündigt an, dass kostenpflichtige Verwarnungen oder bei besonders schlimmen Verstößen oder Wiederholungen Bußgelder verhängt werden könnten.

Für das Naturschutzgebiet sei in erster Linie der Kreis Siegen-Wittgenstein zuständig, erklärt der Fachbereichsleiter. Der käme aber aufgrund der Vielzahl von Naturschutzgebieten kaum hinterher. „Wir versuchen Schützenhilfe zu leisten.“ Rund um die Uhr zu kontrollieren – das kann allerdings keiner leisten. „Das ist personell nicht machbar.“ Und so könne es passieren, dass bei einer Kontrolle die Leute ihre Sachen packten, wegführen und eine halbe Stunde später seien wieder welche da. „Wir versuchen dem Einhalt zu gewähren.“ Schneider hebt hervor, dass der See keine Zu- oder Abläufe habe. „Wenn da pro Tag 300 Leute ins Wasser springen, würde der See in nur einer Woche umkippen.“

Probleme auch in anderen Naturschutzgebieten

Dr. Heinz Meyer, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Siegen-Wittgenstein, sagt: „Wir setzen auf Informationen, bevor wir die Ordnungswidrigkeitskeule schwingen.“ Beschilderungen oder Wegekennzeichnungen würden angebracht, die den Besuchern der Naturschutzgebiete helfen sollen, sich zurecht zu finden und an die Regeln zu halten.

Der Kreis Siegen-Wittgenstein betreut etwa 120 Naturschutzgebiete, das sind etwa 12 Prozent der gesamten Kreisfläche. Probleme gebe es immer wieder. Als Beispiele nennt Meyer die Trupbacher Heide, das Buchhellertal, die Grube Neue Hoffnung in Wilnsdorf und das Littfelder Grubengelände. Das seien „Hotspots“, in denen oft Hunde freiliefen, Müll entsorgt würde, Quad gefahren oder abseits der Wege gefahren oder gelaufen würde. Meyer bestätigt, dass meistens mündliche Ermahnungen ausgesprochen, aber auch Bußgelder in Höhe von mehreren Hundert Euro verteilt würden. In den strafrechtlichen Bereich ginge es, wenn seltene Arten zu Schaden kämen.

Der Silbersee im Naturschutzgebiet Mahlscheid lockt mit seinem klaren Wasser. Das Schwimmen in dem Gewässer ist allerdings verboten, genauso wie das Betreten des Geländes. Foto: Sarah Panthel
Immer wieder finden Beamte und Landschaftswächter Müll und verbotene Feuerstellen im Naturschutzgebiet. Foto: Kreis Altenkirchen
Autor:

Sarah Panthel (Redakteurin) aus Siegen

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