Ungewöhnliches Programm

Der Kammerchor Neunkirchen und das Bläserensemble der Philharmonie Südwestfalen stellten unter der Leitung von Doris Hagel zwei Messen vor: Schuberts Deutsche Messe und Bruckners Messe Nr. 2.  Foto: gmz
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gmz Neunkirchen. Zwei große Messen hat sich der Kammerchor Neunkirchen unter der Leitung von Doris Hagel für sein diesjähriges Konzert ausgesucht, das, passend zum Thema, am Samstagabend in der kath. Pfarrkirche St. Theresia stattfand: Schuberts Deutsche Messe (DV 872) und Bruckners Messe Nr. 2 in e-Moll. Begleitet wurde der Chor, der von den Männerstimmen der Kantorei der Schlosskirche Weilburg verstärkt wurde, vom Bläserensemble der Philharmonie Südwestfalen, das unterstützend, den Ausdruck intensivierend oder auch kontrastierend begleitete, der Darstellung des dramatischen Geschehens zusätzliche Substanz verleihend. An der Orgel war Dmitri Subow zu hören.

Franz Schuberts Deutsche Messe ist sicher eine der bekanntesten und beliebtesten Messen. Der Kammerchor, der mit ausgewogenem, harmonischem Chorklang überzeugte, setzte unter der präzisen, mitreißenden Leitung von Doris Hagel ihren liedhaften Charakter sehr geschlossen um, nutzte die scheinbar schlichte strophische Fassung der einzelnen Teile, um die sehr persönliche, sozusagen innige, verinnerlichte Sicht auf das Geschehen herauszuarbeiten: nachdenklich, freudig, das Geheimnis bestaunend, bittend, anbetend, zupackend und zuversichtlich. Der Chor nutzte die lyrisch-eingängigen Melodien, um sich den Geheimnissen des Glaubens, wie es in der Messe heißt, mit ganz ursprünglichem Vertrauen, mit persönlicher Selbstverständlichkeit zu nähern. Anders da- gegen Bruckners Messe. Sie ist geprägt von spätromantischer Aufgewühltheit, von intensivem Erleben, wie es in den gregorianischen Anklängen deutlich wird, von expressiver, hochdramatischer, kommentierender Darstellung: ein umfassender „Glaubensweltentwurf“. Die Bläser der Philharmonie, auch hier sehr aufmerksame Begleiter, verankerten das fast überirdisch gelöste „Kyrie“ des Chores wieder auf der „Erde“. Das „Gloria“, das sich bis zum unübertroffenen Lob des „filius patris“ eindrucksvoll steigerte, mündet in die intensive Bitte „misere nobis“, die zur Anbetung der Macht des Herrn führt, in mächtigen, aufgewühlten Passagen („dexteram patris“).

Fast beschreibend wirken die Stimmen, bei denen kleinere Unsicherheiten beispielsweise im Einsatz nicht weiter ins Gewicht fielen, im bewegt-eindringlichen „Credo“, das staunend (die Stimmen empfinden das „descendit“ nach, scheinen auch bei „incarnatus est“ aus „anderen Sphären“ zu kommen) und ehrfürchtig intoniert wird. Die Musik füllt den Raum, in Andeutung des zukünftigen Lobes, beim „Sanctus“, um zum vielstimmigen Lob Gottes zu gelangen, und zur abschließenden intensiven Bitte („Agnus Dei“).

Zwischen den beiden großen Messen standen zwei (vom Umfang her) kleinere geistliche Werke. Julia Heigl (Alt) trug, mit gekonnt ummalender Orgelbegleitung, Dvoraks „Zwei biblische Lieder“ vor, führte eindrucksvoll die lähmende Todesangst in die intensive, zuversichtliche Bitte um Gottes Hilfe. Die Männerstimmen der Kantorei der Schlosskirche Weilburg schlossen sich mit „Zwei geistlichen Männerchören op. 115“ von Felix Mendelssohn Bartholdy an, dem mit Nachdruck vorgetragenen „Beati mortui“ und dem strahlenden „periti autem“. – Ein schönes Konzert mit überzeugendem, in dieser Kombination ungewöhnlichem Programm!

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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