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Nachwuchs fehlt
UWG tritt nicht mehr an

Viele Jahre war für Almuth Bickart und Gerhard Lichtenthäler das Rathaus ein zweites Wohnzimmer. Nun heißt es für sie und die UWG: Abschied nehmen.
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tile Neunkirchen. Nach 31 Jahren verabschiedet sich die UWG aus dem Neunkirchener Rat und der politischen Landschaft der Hellergemeinde. Die unabhängige Wählergemeinschaft ereilt das gleiche Schicksal wie viele andere ehrenamtlich organisierte Vereine und Gruppierungen: Der Nachwuchs bleibt aus. Für die Kommunalwahl ließ sich keine vollständige Mannschaft mehr aufstellen. In der Ratssitzung am 3. August gibt die Fraktion (vier Sitze) somit ihre Abschiedsvorstellung.
"Es fehlen die Lokomotiven"Mit 64 bzw. 63 Jahren sehen Fraktionschef Gerhard Lichtenthäler und „Vize“ Almuth Bickart, die Gesichter der UWG Neunkirchen, die Zeit gekommen, sich aus der Kommunalpolitik zu verabschieden. Jedenfalls aus der ersten Reihe.

tile Neunkirchen. Nach 31 Jahren verabschiedet sich die UWG aus dem Neunkirchener Rat und der politischen Landschaft der Hellergemeinde. Die unabhängige Wählergemeinschaft ereilt das gleiche Schicksal wie viele andere ehrenamtlich organisierte Vereine und Gruppierungen: Der Nachwuchs bleibt aus. Für die Kommunalwahl ließ sich keine vollständige Mannschaft mehr aufstellen. In der Ratssitzung am 3. August gibt die Fraktion (vier Sitze) somit ihre Abschiedsvorstellung.

"Es fehlen die Lokomotiven"

Mit 64 bzw. 63 Jahren sehen Fraktionschef Gerhard Lichtenthäler und „Vize“ Almuth Bickart, die Gesichter der UWG Neunkirchen, die Zeit gekommen, sich aus der Kommunalpolitik zu verabschieden. Jedenfalls aus der ersten Reihe. Der Versuch, junge Kräfte aufzubauen, die einspringen und übernehmen können, scheiterte. Fähige Köpfe habe es zwar gegeben, diese aber hätten vor einiger Zeit abgewunken und angekündigt, dass sie beruflich oder familiär zu sehr eingespannt seien und für die kommende Wahlperiode nicht mehr zur Verfügung stünden. „Es fehlen die Lokomotiven“, bringt es Gerhard Lichtenthäler auf den Punkt. In der Konsequenz heißt das: Endstation nach über drei Jahrzehnten.

Ärger über geplantes Familienbad

Der Ärger über die Schließung des Freibads Struthütten und die Pläne für das teure Familienbad in Salchendorf veranlasste Mitte der 80er-Jahre einige Bürger, politisch aktiv zu werden. Der Fraktionsvorsitzende nennt die ersten „Zugführer“: Bernd Brombach, Achim Greis, Klaus Kattner, Bernd Kessler, Sigurd Röder und Klaus Woltering. Sie traten an, um den etablierten Parteien Dampf zu machen. Nach dem „Fehlstart“ 1984, mit 4,2 Prozent wurde der Einzug in den Rat noch verpasst, nahm die Reise der Unabhängigen 1989 Tempo auf: 20,3 Prozent bei der Kommunalwahl 1989, sieben Sitze im Rat. Die damaligen Ratherren und -frauen hätten sich zu weit von den Bürgern entfernt, die UWG habe dagegen für Bürgernähe gestanden, blickt Lichtenthäler zurück.

Letzter ehrenamtlicher Bürgermeister

Fünf Jahre später stellte die UWG selbst den Bürgermeister der Gemeinde: Gerhard Lichtenthäler. Somit kam es ihm zu, das ungeliebte Familienbad einzuweihen, inklusive „Taufe“ durch die Tanzschule Klaas im Schwimmbecken. „Das hat mich einen Anzug aus Schurwolle gekostet“, kann er heute darüber lachen. Zum frühstmöglichen Zeitpunkt, 1995, trat Lichtenthäler im Vorgriff der Abschaffung der kommunalen Doppelspitze in NRW 1999 (ehrenamtlicher Bürgermeister und Gemeindedirektor) zurück und machte den Weg frei für den ersten hauptamtlichen Bürgermeister, Manfred Gillé (parteilos).

Verkehrsprobleme noch nicht gelöst

Zwei Kernthemen, die Regulierung des hohen Verkehrsaufkommens und die Anpassung der Strukturen an die tatsächliche Steuersituation, sprich eine Verschlankung, seien unvollendet geblieben, räumen Lichtenthäler und Bickart ein, die 1999 auf den UWG-Express aufsprang. Immerhin: In Zusammenarbeit mit den anderen Fraktionen und der aktuellen Verwaltung sei es gelungen, die Stagnation in der Wirtschaftsförderung sowie der Entwicklung der Ortsmitte, die es in den Jahren kurz vor und nach der Jahrtausenwende gegeben habe, aufzulösen.

Mehrheiten gegen Zerfaserzung

Almuth Bickart wird sich ganz aus der Kommunalpolitik zurückziehen. Auf ihrer Agenda stehen nun Reisen, Zeit mit der Familie und das Leben genießen. Gerhard Lichtenthäler kann noch nicht loslassen. Er unterstützt, wie andere UWGler auch, künftig die CDU. Nicht in erster Reihe, sondern als sachkundiger Bürger. Unpassend? Nein, sagt der 64-Jährige. Vor 30 Jahren habe es ein Aufbrechen verkrusteter Strukturen in der Parteienlandschaft gebraucht. Heute, da diese immer weiter zerfasere, sei es wichtig für die repräsentative Demokratie, wieder sichere Mehrheiten zu bündeln. Insofern komme das Ende der UWG zum rechten Zeitpunkt.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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