Zu Gast bei Franz Schubert

In einem musikalischen Schauspiel gaben Rolf Petrich, Andreas Peer Kähler und Arnold Linkemann (v. l.) einen Einblick in das Leben Franz Schuberts.  Foto: mom
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mom Neunkirchen. Einen Abend mit Franz Schubert – im wahrsten Sinne des Wortes – erlebten die Besucher eines außergewöhnlichen Konzerts am Montag im Otto-Reiffenrath-Haus. Eingeladen hatte die Musikschule Neunkirchen zur „Schubertiade“, einem Programm, das Andreas Peer Kähler, Leiter des Kammerorchesters „Unter den Linden“ in Berlin, sich ausgedacht hat.

Kähler tritt als der Komponist Franz Schubert an den Flügel und spielt diese Rolle den gesamten Abend. Dass er dabei keine Schuhe trägt, hat einen einfachen Grund: Er hat kein Geld und vor allem keine Zeit, und es ist ihm auch nicht so wichtig. Er möchte nur komponieren. Intensiv hat sich der Pianist mit dem Leben des Genies auseinander gesetzt und gibt seinem Publikum einen authentischen Einblick in die Gedanken und Gefühle des jungen Schubert, der nur eines will: komponieren. Die Musik hört er im Traum, schreibt sie gleich nach dem Aufwachen auf die Notenblätter an seinem Bett.

Diese und etliche weitere sehr persönliche Dinge verriet Franz Schubert unter anderem seinem besten Freund Josef von Spaun, auf der Bühne des Otto-Reiffenrath-Hauses gespielt von Rolf Petrich, Solocellist beim Philharmonischen Orchester Hagen. Die Dialoge sind überliefert, wie Andreas Peer Kähler im Gespräch mit der SZ erklärt, nichts ist also erfunden an der musikalischen Theaterdarbietung, die dem Publikum den Menschen Franz Schubert so viel näher brachte, als es seine Musik alleine vermag.

So durfte man miterleben, wie „Die Forelle“ entsteht und wie Schubert gemeinsam mit Freunden seine Stücke ausprobiert. Den Gesang überlässt er dabei immer wieder dem Kammersänger Michael Vogel, dargestellt von Bariton Arnold Linkemann, der sich in der Nachfolge Vogels sieht, von dem die Worte „Singen ist Sprechen in seiner schönsten Form“ überliefert sind. Diese enge Verbindung mit Franz Schubert und seinen Zeitgenossen ermöglicht es dem Trio, die Kompositionen, die mit viel Herz entstanden sind, genau so an die Zuhörer weiterzugeben, wie Schubert sie gemeint hat – voller Leidenschaft, Lebensfreude, aber auch depressiver Gedanken zum Tod, die er in der Vertonung des Gedichts „Der Tod und das Mädchen“ zum Ausdruck brachte.

Überwiegend aber war der Abend gefüllt mit fröhlichen Klängen; Klavier und Cello harmonierten in den drei Sätzen der Arpeggione-Sonate, die Stimme von Arnold Linkemann unterstrich mit Worten die Emotion der vertonten Gedichte. Da durfte natürlich das „Heideröslein“ nicht fehlen, und das frische, klare Wasser des Baches, in dem sich die Forelle tummelte, wirkte erfrischend bei 30 Grad Sommertemperatur.Und zum Abschluss gab es das Stück, mit dem jede Schubertiade endet, „Du holde Kunst“, und als Zugabe das Gotteslob eines großen Komponisten: „Oh wie schön ist Deine Welt“. Der Abend klang ebenso unkonventionell aus, wie er begonnen hatte: Während die Freunde ihre Sachen zusammenpacken und Pläne für den Abend machen, kann sich Schubert nicht vom Klavier trennen. Sein Freund Josef bringt ihm schließlich ein paar Schuhe, und der Leiter der Musikschule Neunkirchen, Horst Linkemann, lädt Schubert, seine Freunde und auch die Konzertbesucher zu sich nach Hause ein.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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