Kreis und Kommunen wollen gegensteuern
Zu viele Störstoffe im Biomüll

Selbst biologisch abbaubare Plastiktüten bereiten dem Kreis und dem Entsorger Kummer, denn ihre Kompostierzeit beträgt das drei- bis zehnfache von der vorgegebenen Zeiträume, bevor das Material in der Landwirtschaft oder in Gärten eingesetzt werden soll.
  • Selbst biologisch abbaubare Plastiktüten bereiten dem Kreis und dem Entsorger Kummer, denn ihre Kompostierzeit beträgt das drei- bis zehnfache von der vorgegebenen Zeiträume, bevor das Material in der Landwirtschaft oder in Gärten eingesetzt werden soll.
  • Foto: Björn Weyand (Archiv)
  • hochgeladen von Tim Lehmann (Redakteur)

tile Siegen/Neunkirchen. Niemand trennt sich gern – außer von Müll. Aber die Trennungsmoral im Kreis Siegen-Wittgenstein hat nachgelassen. Und zwar erheblich. Vor allem im Biomüll lässt sich das nachweisen. In den vergangenen Jahren hat das Olper Entsorgungszentrum eine entsprechende Entwicklung beobachtet und bei der Kreisverwaltung angemahnt. Laut Empfehlung der Bundesgütegemeinschaft Kompost sollten Störstoffe einen Gewichtsanteil von 1 Prozent nicht überschreiten, rechtlich bzw. vertraglich verpflichtend seien es 3 bis 5 Prozent, wie Arno Wied, Umwelt-Dezernent des Kreises, jetzt im Neunkirchener Umweltausschuss erklärte. Aktuell liege der Wert indes bei 12 Prozent. Kreis und Kommunen wollen nun im Schulterschluss gegensteuern.
Um bis Mitte oder Herbst 2020 den Trend umzukehren bzw. „deutlich bessere Sammlungsergebnisse“ zu erzielen (d. h. einen nennenswerten Rückgang des Störstoffanteils herbeiführen), soll ein Maßnahmenpaket umgesetzt werden, dass vor allem auf Dokumentation, Kontrollen und Aufklärungsarbeit setzt. Mit dieser Strategie habe man in anderen Kreisen, etwa in Olpe, Erfolge erzielen können, zeigte sich Wied optimistisch. Außerdem hätten die Bürger nach Einführung des dualen Systems und der Biotonne in den 1990er-Jahren ja schon bewiesen, dass Mülltrennung funktioniere.

Dokumentation

Erste Schritte wurden bereits eingeleitet. Zunächst wurden die „entsorgungspflichtigen Körperschaften“, sprich die Kommunen, für das Thema sensibilisiert. Sie nähmen die Problematik sehr ernst, zeigte sich Wied dankbar für den erkennbaren Kooperationswillen. Anschließend wurde mit einer täglichen Dokumentation des Biomülls getrennt nach Kommunen begonnen. Man könne also feststellen, wie es um die Trennungsmoral in den einzelnen Städten und Gemeinden bestellt sei, sogar einzelne Siedlungsgebiete ließen sich nachhalten. Das überraschende Ergebnis: Bis auf einige Ausreißer in wenigen Teilbereichen, sei das Sortierverhalten der Menschen in der Stadt nicht anders als im ländlichen Raum.

Kontrollen

Derzeit würden die politischen Gremien sensibilisiert, fuhr der Umweltdezernent mit der Agenda fort. So hatte er seinen Vortrag etwa schon in Hilchenbach gehalten (die SZ berichtete). Als nächstes sei eine gemeinsame Medienarbeit geplant, in der es darum gehe, Bürger zu informieren und ein Problembewusstsein zu schaffen, um wiederum das Sortierverhalten positiv zu beeinflussen. Bis Ende des Jahres erfolge dann eine weitere tägliche Dokumentation des Biomülls. Außerdem stehe hernach eine erste Probephase von Kontrollen (Sichtprüfungen) der Biotonnen in den einzelnen Kommunen an, begleitet bzw. gefolgt von der nächsten Dokumentation.

Aufklärung

Nach einer weiteren Medienoffensive sollen die Kontrollen schließlich intensiviert werden, um jene Haushalte, die keine Verhaltensänderung erkennen lassen, zu ermitteln. Wied nannte dies „Tonnenkontrolle im Echtbetrieb“. Spätestens dann werden wohl erste Verwarnungen ausgesprochen oder Konsequenzen gezogen werden. Gegebenenfalls würden Tonnen mit erkennbaren Fehlwürfen konsequenter als jetzt stehen gelassen, kündigte Wied an – trotz drohender illegaler Entsorgungen im Wald. Aber auch hier gebe es ja Mittel und Wege, diese zuzuordnen und zu unterbinden, warnte der Dezernent.

Unmut der Bürger einkalkuliert

Lautlos wird dieser Prozess wohl nicht vonstatten gehen, weiß man im Kreishaus. Wobei der „schwarze Peter“ bei den Kommunen liegt. Denn, wie Arno Wied erklärte, in NRW und Hessen seien, anders als in allen anderen Bundesländern, die Zuständigkeiten bei Müllabfuhr (Kommunen) und Müllentsorgung (Kreis) getrennt. Das heißt, die Koordination der geplanten Kontrollen mit den Abfuhrunternehmen obliegt den Städten und Gemeinden – genauso wie die Moderation mit den Bürgern. Wied wusste, dass die Kommunen diejenigen seien, die den möglichen Unmut der Bürger zu spüren bekommen und der Adressat der Kritik sein werden.

Ökologisch und ökonomisch notwendig

Wichtig sei es aber gleich in doppelter Hinsicht, die Fehlentwicklung umzukehren. Da der Biomüll nach dem Kompostiervorgang wieder landwirtschaftlich oder in den Gärten eingesetzt werde, sei eine höchstmögliche Qualität (also „Reinheit“) des Ausgangsmaterials entscheidend. Doch nicht nur ökologische Gründe spielten eine Rolle, machte der Dezernent deutlich. Ökonomisch sei eine funktionierende Trennung ebenfalls von Bedeutung, denn das Aussortieren der Störstoffe und deren Beseitigung, kosteten zusätzliches Geld. Entsorger könnten (und würden) den Mehraufwand dem Kreis irgendwann in Rechnung stellen.
Arno Wied sagte es zwar nicht, aber eine solche finanzielle Belastung dürfte sich dann über kurz oder lang auch, sofern keine Besserung eintritt, in den Gebühren niederschlagen und somit die Verursacher, die Bürger, belasten. Richtiges Mülltrennen liegt also nicht zuletzt auch finanziell im Interesse jedes einzelnen.

Autor:

Tim Lehmann (Redakteur) aus Siegen

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