Zukunft ungewiss

juli Neunkirchen. Ungewohnte Teilnehmer gestern Abend im Haupt- und Finanzausschuss Neunkirchen: Zwischen Lokalpolitikern und Verwaltungsspitzen saßen zwei in Neunkirchen niedergelassene Allgemeinmediziner und referierten über die hausärztliche Notversorgung vor Ort. Die ungewisse Zukunft dieser Dienstleistung stand im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Frank Lohmar und Dr. Martin Müller.

Der Ärzteverein Neunkirchen stellt montags, dienstags, donnerstags und freitags außerhalb der Sprechzeiten den sogenannten kollegialen Notdienst. Mittwochsnachmittags, an Wochenenden und Feiertagen bilden die Mediziner den ärztlichen Notfalldienst. Für schwere Notfälle gibt es darüber hinaus den Notarztdienst, die 112. Dass die Mediziner im Freien Grund einen eigenen Notfalldienst auf die Beine stellen, ist im Umkreis inzwischen ein Alleinstellungsmerkmal und im Kreisgebiet nur noch in einem Teil der Kommunen der Fall. Burbach, Wilnsdorf und andere Kommunen sind bereits der zentralen Notfallpraxis in Siegen angeschlossen, die im Marienkrankenhaus angesiedelt ist.

Diese zentralen Anlaufstellen flächendeckend einzuführen, plant die Kassenärztliche Vereinigung (KV) Westfalen-Lippe – als Folge des teilweise akuten Ärztemangels in ländlichen Regionen. Zentralisiert werden sollen auch der kollegiale Notdienst und der Fahrdienst für notfallbedingte Hausbesuche. Dort, wo das Problem noch nicht bestehe, bahne es sich an, verdeutlichte Dr. Lohmar in Zahlen: „Über 40 Prozent der Hausärzte in Deutschland sind über 55 Jahre alt.“ Dr. Müller ergänzte, dass es viel zu wenige Nachwuchs-Mediziner gebe, die die Facharztprüfung in Allgemeinmedizin ablegten. Also wolle die KV Westfalen-Lippe aus 178 Notfallbezirken 29 machen. Das werde auf Kosten älterer, wenig mobiler Menschen geschehen, prophezeite Müller. Das Patientenaufkommen in den Notfallpraxen werde steigen, die Wartezeiten würden sich verlängern. 2010 soll die neue Regelung in Kraft treten, noch aber ist sie nicht ausgestaltet. Eventuell würden Ausnahmen von der Zentralisierung möglich. Müller empfahl, die Kommune sollte sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten für die Beibehaltung der dezentralen Notdienst-Versorgung in Neunkirchen einsetzen.

Das will die Gemeinde tun, darüber waren Politik und Verwaltung sich gestern einig. Mitentscheiden kann sie nicht. Was sie tun könne, sei, sich gegenüber der KV klar zu positionieren, Gespräche mit ihr zu führen und sich die kommunalen Spitzenverbände an die Seite holen, sagte Bürgermeister Manfred Gillé. Man müsse auch überlegen, wie die Attraktivität in Neunkirchen für Ärzte gesteigert werden könne, befand Dr. Günter Michel (SPD).

Dr. Lohmar hatte zuvor zu bedenken gegeben: „Jetzt gibt es elf Ärzte in der Gemeinde. Wären es noch sieben oder acht, würden wir den Notdienst nicht mehr machen.“ Den leistet der örtliche Ärzteverein freiwillig. Seine Bereitschaft dazu ist also eine Grundvoraussetzung. Michel bat die Ärzte, zunächst unter den Kollegen abzufragen, ob sie das dezentrale System überhaupt beibehalten wollten. Die letzte Abstimmung war denkbar knapp ausgefallen: Sechs Mediziner hatten sich für, fünf gegen den eigenen Notdienst ausgesprochen.

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Archiv-Artikel Siegener Zeitung aus Siegen

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