Zwischen den Polen

Kabarett »Die Distel« im Bürgerhaus in Neunkirchen

sz Neunkirchen. Der Titel des »Distel«-Bühnenprogramms »Zwischen den Polen« entpuppte sich am Freitag im Otto-Reiffenrath-Haus Neunkirchen im Laufe des Abends zu mehr als nur zu einer Aussage zum Zusammentreffen zwischen Ost und West, zum westdeutschen Berufsdenken und zur ostdeutschen Karrierefrau, zum Ruf nach Solidarität und zur Integration im Gegenspiel zu Leistungsdenken, Marktwirtschaft und Wettbewerb. Aus den gegensätzlichen Ansichten des westdeutschen jungen Mannes, der sich bei der Auswahl seines Berufes nicht so ganz festlegen will, und dem ostdeutschen Ehepaar, bei dem eindeutig die Frau das »Alphatier« ist, ergab sich eine Art Zweckgemeinschaft.

Was als Silvesterdinner so ganz harmlos begann, endete mit der angeblichen Abtretung Brandenburgs an Polen. Die in allen Varianten durchgespielt wurde. Die unfreiwilligen »brandenburgischen Polen« stellten sich allmählich auf die veränderten Grenzverhältnisse ein. Interviews zu angeblichen Grenzkämpfen zwischen Niedersachsen und Polen, die Aufarbeitung in einer »Sabine-Christiansen-Spezial-Talkshow«, spontane Konzerte und Demonstrationen, sogar Fluchtpläne nach dem Einmarsch polnischer Panzer in die Vorgärten der Potsdamer Bewohner wurden geschmiedet. Selbst das mobile Telefonnetz war bereits tot. Unter Mitwirkung des Publikums wurde der Sting-Titel »Alien in New York« in eine Art neue Nationalhymne umgedichtet in »Wir sind Bürger von Brandenburg«. Der Gesang erinnerte jedoch sehr viel mehr an Herbert Grönemeyer als an Sting. Das Szenario änderte sich noch einmal, als Polen Brandenburg wieder für den symbolischen Preis von einem Euro an die Vereinigten Arabischen Emirate abtrat. Da gab es keine Spur mehr von Arbeitslosigkeit und Hartz-IV-Empfängern. Plötzlich musste man sich mit Wirtschaftsflüchtlingen aus Niedersachsen befassen.

Das fünfköpfige Ensemble traf den Nerv des Publikums haargenau. Musikalische Einlagen rundeten das »stachelige« Programm hervorragend ab. Originell: der Hinweis des »westdeutschen Gemüsehändlers« auf den CD-Verkauf im Foyer!

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