Auf dem Weg zur Klimaneutralität bis 2050

EU-Kommission sagt dem Verpackungsmüll den Kampf an

Kaffeebecher aus Pappe zur einmaligen Verwendung landen direkt im Müll - nicht sehr umweltfreundlich.

Kaffeebecher aus Pappe: Die EU-Kommission will das ändern.

Brüssel. Die EU‑Kommission sagt dem Verpackungsmüll den Kampf an. Strohhalme aus Plastik sind schon seit einigen Jahren verboten. Jetzt will die Brüsseler Behörde auch anderen Kleinteilen aus Plastik an den Kragen. Spätestens bis zum Jahr 2030 soll es etwa keine Miniatur­shampoo­fläschchen in Hotels mehr geben. Cafés und Coffeeshops sollen künftig die Getränke nicht mehr in Einweg­bechern ausgeben dürfen, wenn die Kunden ihre Getränke vor Ort trinken. Bis 2040 müssen außerdem 80 Prozent der Becher in wieder­verwend­baren Behältern verkauft werden. Das soll dabei helfen, die EU bis 2050 zur ersten klimaneutralen Region der Welt zu machen.

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Der Onlinehandel und Lieferdienste für Lebensmittel haben in den vergangenen Jahren die Menge an Einweg­verpackungen in die Höhe schießen lassen. Schon zwischen 2009 und 2020, also noch vor der Pandemie, stieg die Gesamtmenge an Verpackungsmaterial in der EU um 21 Prozent auf mehr als 13 Millionen Tonnen.

Heute lässt jeder Mensch in Deutschland pro Jahr mehr als 225 Kilo Verpackungsmüll zurück. Der Wert liegt damit deutlich über dem EU‑Schnitt von etwas mehr als 177 Kilo.

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„Jeden Tag produzieren wir im Schnitt pro Kopf ein halbes Kilo Verpackungsmüll“, sagte EU‑Umweltkommissar Virginius Sinkevicius am Mittwoch in Brüssel bei der Vorstellung der neuen Pläne. Das müsse sich dringend ändern.

Ziel sei es, dass bis zum Jahr 2040 der Verpackungs­müll­berg in der EU um 15 Prozent im Vergleich zu 2018 kleiner wird. Um das zu erreichen, darf nach den Vorstellungen der Kommission von 2030 an grundsätzlich nur noch recycelbares Verpackungs­material verwendet werden.

Onlinepakete sollen kleiner werden

Dazu müssen etwa Verpackungen im Onlinehandel künftig deutlich kleiner sein als bisher, um die sogenannte Leerraum­quote zu senken. Auch will die EU‑Kommission in den nächsten Jahren ein verpflichtendes Pfandsystem für Plastikflaschen und Aludosen einführen – in jenen Mitgliedsstaaten, in denen es das noch nicht gibt. Auch einzeln verpackte Lebensmittel wie Gemüse und Obst sollen aus den Regalen der Supermärkte verschwinden. In Cafés und Kneipen dürfen dann auch keine Einweg­verpackungen mehr für Lebensmittel und Getränke angeboten werden.

Die EU‑Kommission geht davon aus, dass der Kampf gegen den Verpackungsmüll 600.000 neue Arbeitsplätze in der Recycling­branche schaffen wird. Auch werde jeder Europäer und jede Europäerin pro Jahr fast 100 Euro sparen, wenn weniger Verpackungsmüll anfalle.

Im Europaparlament, das sich in den kommenden Monaten mit der neuen Richtlinie zur Kreislauf­wirtschaft beschäftigen wird, wurden die Vorschläge partei­übergreifend begrüßt. „In Zeiten der Krise ist der Übergang zur Kreislauf­wirtschaft wichtiger denn je“, sagte Anna Cavazzini, Vorsitzende des Binnen­markt­ausschusses im Europa­parlament, dem Redaktions­Netzwerk Deutschland (RND). Ähnlich äußerten sich Abgeordnete von SPD und CDU.

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Jetzt beginnen die Verhandlungen

Cavazzini kritisierte allerdings, dass die EU‑Kommission den Vorschlag verschoben habe, wie Hersteller künftig auf dem Etikett von Produkten auf umwelt- und klimafreundliche Verpackungen hinweisen müssen. Das ist bislang nicht geregelt.

Dabei handelt es zum Beispiel um Verpackungen von Schokoriegeln, die mit dem Label „Zu 100 Prozent recycelbar“ beschriftet sind, in Wirklichkeit aber aus Plastik und Papier bestehen. Das könne nicht getrennt, sondern müsse verbrannt werden, kritisierte die SPD-Europa­abgeordnete Delara Burkhardt.

Wann die neue Verpackungs­verordnung in Kraft tritt, ist noch unklar. EU‑Vize­kommissions­präsident Frans Timmermans versprach zwar, das werde noch in der Amtszeit der jetzigen Kommission geschehen. Doch diese endet in ungefähr anderthalb Jahren. Für potenziell umstrittene Pläne, wie die Verpackungs­verordnung, ist das für gewöhnlich nicht viel Zeit.

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