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Torsten Sträter macht Siegen zum Zentrum des Humors
2000 Gute-Laune-Fans in der Siegerlandhalle

Es war ein langer Sonntagabend mit Torsten Sträter in der ausverkauften Siegerlandhalle: Der Comedian/Kabarettist/Poetry-Slammer erzählte bis elf Uhr nachts, und 2000 Fans lachten sich kaputt, als gäbe es kein Morgen.
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  • Es war ein langer Sonntagabend mit Torsten Sträter in der ausverkauften Siegerlandhalle: Der Comedian/Kabarettist/Poetry-Slammer erzählte bis elf Uhr nachts, und 2000 Fans lachten sich kaputt, als gäbe es kein Morgen.
  • Foto: Alexander W. Weiß
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

aww Siegen. Draußen ist es knackend kalt, und Torsten Sträter sinniert in epischer Breite darüber nach, was er im Sommer so alles gemacht hat. Passt nicht? Egal! 2000 Fans treten am Sonntagabend, einem langen, etwa dreistündigen Abend, mit dem tiefenentspannten Comedian/Kabarettisten/Poetry-Slammer nur allzu gerne die Zeitreise rückwärts an. Denn der Mann, der seine Beanie-Mütze vermutlich bei 40 Grad im Schatten ebenso zuverlässig auf dem nicht mehr ganz so Reinhold-Messner-mäßig behaarten Schädel trägt wie bei minus 20, verpackt seine ausgewählten Erlebnisse aus der heißen Jahreszeit so lustig, dass den Besuchern auch unterm frischen Luftzug der Klimaanlage in der ausverkauften Siegerlandhalle vor lauter Amüsement muckelig warm wird.

aww Siegen. Draußen ist es knackend kalt, und Torsten Sträter sinniert in epischer Breite darüber nach, was er im Sommer so alles gemacht hat. Passt nicht? Egal! 2000 Fans treten am Sonntagabend, einem langen, etwa dreistündigen Abend, mit dem tiefenentspannten Comedian/Kabarettisten/Poetry-Slammer nur allzu gerne die Zeitreise rückwärts an. Denn der Mann, der seine Beanie-Mütze vermutlich bei 40 Grad im Schatten ebenso zuverlässig auf dem nicht mehr ganz so Reinhold-Messner-mäßig behaarten Schädel trägt wie bei minus 20, verpackt seine ausgewählten Erlebnisse aus der heißen Jahreszeit so lustig, dass den Besuchern auch unterm frischen Luftzug der Klimaanlage in der ausverkauften Siegerlandhalle vor lauter Amüsement muckelig warm wird. Der kalte „Schnee, der auf Ceran fällt“, wie Sträter sein drittes Programm überschrieben hat, spielt dabei nur zweimal eine Rolle – am Anfang und am Ende, das verspricht er, und das hält er.

Motörhead nur zum Tapetenablösen

Was hat er also gemacht im Sommer, außer sich davor zu drücken, sein neues Programm zu schreiben? In Wacken ist er aufgetreten, als bekennender Nicht-Metal-Fan, der Motörhead allenfalls zum Tapetenablösen aus den Lautsprechern blasen lässt. Beim Depressionspatienten-Kongress in Leipzig war er (der ehemals selbst Betroffene) auch und hat Autogramme gegeben für Leute, die ihn nicht kennen und eigentlich auch gar keinen Friedrich Wilhelm von ihm wollen. Und im „Kölner Treff“ hat er sich über große Hotels mit Hochflorteppichen ausgelassen – was ihm heute noch ausgesprochen peinlich ist angesichts der Zehenverluste vom bereits erwähnten Reinhold Messner, der ebenfalls Gast in der Sendung war.
Sein 16-jähriger Sohn ist weidlich ausgekostetes Thema in der Show, obwohl der eigentlich gar kein Thema mehr sein will, und auch Sträters Vater und Stiefvater kommen vor. Was von alledem wahr ist und was der Fantasie des Dichters entspringt – man weiß es nicht, aber es ist auch einerlei, denn es ist das, was es sein soll: witzig. Schließlich sollen die Zuschauer bei Sträter nichts lernen, sondern Spaß haben.

Vieles bei Sträter ist große Erzähl-Kunst

Der vielfach ausgezeichnete 53-jährige Ruhrpöttler (der u. a. vor zehn Jahren den NRW-Slam in Siegen gewann) schöpft aus einem Füllhorn der Absurditäten, des Allzu-Menschlichen, des insgeheim oftmals Allzu-Wahren und manchmal auch des völlig Sinnfreien: Da geht es um Impfgegner oder Homöopathie-Gläubige, um den Mann hinter Panzerglas an der Waltroper Tanke oder den gestohlenen Wintergarten, um den dringenden Toilettengang im Zug, die Klimakrise, die eigentlich eine Menschenkrise ist, Influencer als moderne Form von Marktschreiern und Zeitschriftendrückern, um die erotischen Qualitäten von Horst Lichter bei „Bares für Rares“, neunmalkluge Taxifahrer in Berlin, Käse mit 48 Prozent Fett in Trance, hygienisch bedenkliche Bockwürste auf der Autobahnraststätte, die Tücken der englischen Sprache und ... „kikeriki“ ...
Wie Sträter vom einen zum anderen kommt, wirkt zuweilen sprunghaft, er unterbricht seine Geschichten mit ausladenden Exkursen, um (viel) später wie beiläufig den Faden wieder aufzunehmen. Dann und wann greift er Rückkopplungen aus dem Publikum auf. Was ist spontan und improvisiert, was geplant und ausnotiert? Das ist nicht leicht auszumachen, fest steht aber: Vieles ist große Erzähl-Kunst. Ist der Vortrag mit der wunderbar sonoren, stets entspannten Stimme frei, wirkt die Sprache schnodderig, hingesprochen leicht. Wenn Sträter vorliest, was nicht so sehr häufig passiert, ist sie im Ansatz poetisch, jedenfalls elaborierter (flankiert vom intellektuellen Touch der Brille, die der Schriftsteller dann trägt), manchmal bis hin zum gewollt Artifiziellen. Spätestens am Ende, wenn manche Kleinteile aus den zurückliegenden Stunden noch einmal wie resümierend zusammengesammelt werden, entsteht mit einem Mal der Eindruck von etwas wundersam Vollständigem, was lange eher wie ein Flickenteppich aussah.

Wenn gute Laune, dann in Siegen!

Gut, sehr lehrreich war das alles nicht, sollte es ja auch nicht sein, aber immerhin: Torsten Sträter selbst dürfte um eine Erkenntnis reicher geworden sein. „Sie gelten im Kollegenkreis nicht unbedingt als das Gute-Laune-Publikum“, hatte er den Siegenern ganz unverblümt vorgehalten. Die aber kamen den ganzen Abend aus dem Lachen nicht mehr heraus. Wenn gute Laune, dann doch wohl in Siegen, Herr Sträter!

Autor:

Alexander W. Weiß (Redakteur) aus Siegen

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