SZ

Andrea Freiberg zur Vorsitzenden des Kunstvereins Siegen gewählt / Jennifer Cierlitza soll ab Juni die Geschäftsführung übernehmen
30 Jahre in sicherem Fahrwasser mit Albrecht Thomas

Albrecht Thomas, Wolfgang Suttner, Andrea Freiberg, Ulrich Freudenberger, Ursula Wagener, Sabine Helsper-Müller und Franz-Josef Weber (v. l.) freuen sich, dass die Zukunft des Kunstvereins Siegen auf den Weg gebracht ist.
  • Albrecht Thomas, Wolfgang Suttner, Andrea Freiberg, Ulrich Freudenberger, Ursula Wagener, Sabine Helsper-Müller und Franz-Josef Weber (v. l.) freuen sich, dass die Zukunft des Kunstvereins Siegen auf den Weg gebracht ist.
  • Foto: Dr. Gunhild Müller-Zimmermann
  • hochgeladen von Redaktion Kultur

gmz Siegen. 50 von 51 Stimmen bei einer Enthaltung: Mit diesem Traumergebnis ist Andrea Freiberg am Donnerstagabend auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zur neuen Vorsitzenden des Kunstvereins Siegen gewählt worden (wir berichteten vorab von ihrer Kandidatur). Minutenlanger Applaus im Stehen, so Geschäftsführer Franz-Josef Weber bei der Pressekonferenz zur neuen Führung, bestätigte den Zuspruch für Andrea Freiberg. Sie wird ihr Amt im Juli übernehmen, so lange wird Albrecht Thomas sein Amt noch kommissarisch führen.

Wolfgang...

gmz Siegen. 50 von 51 Stimmen bei einer Enthaltung: Mit diesem Traumergebnis ist Andrea Freiberg am Donnerstagabend auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung zur neuen Vorsitzenden des Kunstvereins Siegen gewählt worden (wir berichteten vorab von ihrer Kandidatur). Minutenlanger Applaus im Stehen, so Geschäftsführer Franz-Josef Weber bei der Pressekonferenz zur neuen Führung, bestätigte den Zuspruch für Andrea Freiberg. Sie wird ihr Amt im Juli übernehmen, so lange wird Albrecht Thomas sein Amt noch kommissarisch führen.

Wolfgang Suttner, der für den Kunstverein als „Findungskommissar“ oder, wie er selbst sagte, „Königsmacher“, tätig war, erzählte, dass Andrea Freiberg ihre Überlegungen zur Kandidatur in folgende Worte gefasst habe:

„Albrecht Thomas‘ Schuhe sind so groß, man könnte darin wohnen“,

um dann mit ihrem typischen Humor anzufügen:

„Aber Künstler suchen immer Wohnraum!“

Sie will, erläuterte sie bei der Pressevorstellung, die Chance ergreifen, zu gestalten. So, wie sie nach der Wende als gebürtige Apoldaerin in „den Westen“ gekommen sei, um „Kunst zu machen, und viel daran gesetzt habe, das wahr werden zu lassen, so wolle sie natürlich jetzt weiter künstlerisch arbeiten, aber auch den kuratorischen Spielraum der Ausstellungen nutzen, weiter in Sachen Kunstvermittlung tätig sein und da auch nach neuen Wegen und Formaten für den Kunstverein suchen, die auch jüngeres Publikum ansprechen.

An Vorhandenes anknüpfen, mit eigener Handschrift

An das Vorhandene wolle sie anknüpfen, aber auch eine neue Handschrift erkennbar werden lassen. Froh ist sie über die Chancen, die die bürgerschaftliche Struktur des Kunstvereins biete. – An den konkreten Ideen zur Umsetzung arbeite sie. Im kommenden Jahr (bis in den Herbst ist das Haus Seel ja wegen Renovierungen geschlossen) geht es dann mit den Ausstellungen los (bis in den Januar 2021 ist alles geplant).
Der neue Vorstand des Kunstvereins setzt sich zusammen aus Andrea Freiberg, Sabine Helsper-Müller, Ulrich Freudenberger (Schatzmeister) und Inge Völker. Ihnen zur Seite steht ab Juni Jennifer Cierlitza als Geschäftsführerin, die auf Franz-Josef Weber, der in den Ruhestand geht, folgen soll.

Albrecht Thomas war von Anbeginn an im Vorstand dabei

Sein Name ist untrennbar mit dem Kunstverein Siegen verbunden: Seit der Gründung 1980 ist Albrecht Thomas im Vorstand des Vereins, seit 1990 Vorsitzender, und auch an den Planungs- und Gründungsgesprächen war er beteiligt (zusammen mit Uwe Pieper, dessen Frau Magdalena Kaiser-Pieper, Wolfgang Suttner, Peter Gendolla, Günter Hachenberg und Walter Wißfeld). Doch seit einiger Zeit (die SZ berichtete) sucht er einen Nachfolger, eine Nachfolgerin. Die ist mit Andrea Feriberg jetzt gefunden.
Mit dieser Wahl, so Albrecht Thomas im SZ-Gespräch, sei der notwendige Prozess der Verjüngung angestoßen worden, mit dem auch hoffentlich jüngere Mitglieder und vor allem auch jüngere Mitstreiter in den Verein kämen. Sie könnten und müssten jetzt Visionen entwickeln und umsetzen, sich anderen (jüngeren?) Kunstformen widmen. Die Kunst, vermutet er, werde näher an die Gegenwart rücken, wie sich sicher auch Strukturen und Prozesse ändern würden. Er wünsche sich, sagt er, dass ein neuer Wind wehe.

Das Anliegen ist Kunstvermittlung

Mit der Gründung des Kunstvereins am 19. September 1980 sei man, so Albrecht Thomas, als ein Verein angetreten, der Kunst vermittelt. Als Kunsterzieher (und Schulleiter der Albertus-Magnus-Schule) und auch als Kunst-Fachleiter am Studienseminar war er dazu prädestiniert, wie Wolfgang Suttner vom Vorstand des Kunstvereins bei der Pressekonferenz zur Vorstellung der neuen Vorsitzenden am Freitag betonte. Die Vermittlung wäre ohne die vielen treuen und langjährigen Unterstützer im Verein nicht möglich gewesen. Albrecht Thomas dankte auch Ursula Wagener, „seiner“ langjährigen Stellvertreterin, für ihr Engagement und ihre Beiträge zur Diskussion. Ohne Team ginge es nicht. Aber Albrecht Thomas, so Suttner in seiner Würdigung, habe im Team oder alleine immer „gründlich, gut organisiert und sehr kreativ“ gearbeitet.
Mehr als 240 Ausstellungen hat der Kunstverein. (größtenteils unter Albrecht Thomas‘ Ägide) in Siegen gezeigt, hat, damals noch unter Wolfgang Suttners Leitung in den 1980er-Jahren die Villa Waldrich zum „place to go“ in Sachen Kunst gemacht, hat neue Ausstellungs- und Raum„formate“ wie die Galerie S in der Weidenauer Sparkasse installiert, den Kunstsommer, Förderpreise („kunstsicher“ mit Emil Weber), die „Kunst im Rampenlicht“ (mit Hees Bürowelt), abgesehen von den „normalen“ Ausstellungen. Und ist auch ausgezeichnet worden: 2011 nahm Albrecht Thomas in Bonn den „Danke-Preis“ des Landes NRW für den hiesigen Kunstverein entgegen.

Kunstverein Siegen hat in der Szene einen Namen

Kein Wunder also, dass der Kunstverein Siegen unter den 298 Kunstvereinen Deutschlands, so Wolfgang Suttner, Sprecher der Kunstvereine im Deutschen Kunstrat, bei der Pressekonferenz weiter, einen Namen hat.
Doch zurück zum scheidenden Vorsitzenden Albrecht Thomas: Eigentlich, sagt er auf die klassische Journalistenfrage nach „der besonderen Erinnerung“, könne er zu jeder Ausstellung Geschichten erzählen. Interessant und anregend sei immer die Begegnung mit den Künstlern gewesen, mit ihrer Kunst. Einzelne seien eher schwierig oder auch launisch im Umgang gewesen, manchmal habe die Kunst auch provoziert, oder der Künstler.
Besonders eindrücklich sei ihm die Schau in Erinnerung geblieben, die 1991 auf Initiative der Arbeitsgemeinschaft deutscher Kunstvereine, zusammen mit den Gummersbacher Kollegen, geplant wurde. Es sollte Kunst aus Jugoslawien gezeigt werden. Bei der Ausstellungseröffnung in Siegen entlud sich, als wieder mal ein bewaffneter Konflikt zwischen den Bürgerkriegsparteien in der Heimat der Künstler aufflammte, die politische, nationale und emotionale Spannung zwischen den Künstlern aus den heute separierten Landesteilen heftig. Politik und Kunst sind eben untrennbar verbunden! Auch die Logistik beim Rücktransport der Kunst in die einzelnen Landesteile, die sich im Krieg miteinander befanden, sei eine Herausforderung gewesen, erinnert sich Albrecht Thomas.

Welche Aufgabe hat Kunst heute?

Aber ansonsten: Aufreger habe es zwar immer mal wieder gegeben, auch Austritte aus dem Verein, weil die eine oder andere Ausstellung als unpassend empfunden wurde. Heute provoziere kaum noch etwas, so seine Beobachtung. Wo früher noch Spanner mit Telelinsen angerückt seien, um die Aktzeichnen-Aktion in der Villa Waldrich „ungesehen“ auf Film zu bannen, locke das heute keinen mehr hinter die Kamera. Kunst komme heute eine andere Aufgabe zu: Vielleicht sei es derzeit wichtig, dass die Kunst sich auf sich selbst besinne, formale, inner-künstlerische Fragen stelle. Die gesellschaftspolitische Aufgabe sei immer noch da, aber anders. Daraus ergibt sich: Die Kunstvermittlung eines Kunstvereins ist immer wichtig!

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

Folgen Sie diesem Profil als Erste/r
Themenwelten
Die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo.

SZ+ informiert schnell und gut
Mit dem Frühlings-Abo drei Monate sparen

Der Frühling hat - kalendarisch- begonnen und die Siegener Zeitung begrüßt den Lenz mit einem Sonder-Abo: Sparen Sie drei Monate lang mit unserem Frühlings-Abo. Verlässliche Informationen trotz unruhiger Corona-LageIn diesem einmal mehr besonderen Jahr sehnen sich viele Menschen noch mehr nach den ersten Frühlingsboten. Ist doch mit den steigenden Temperaturen, den kräftiger werdenden Sonnenstrahlen und dem Aufblühen der Natur im zweiten Jahr der Corona-Pandemie noch mehr Hoffnung verbunden als...

Kommentare

Kommentare sind deaktiviert.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen