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Collegium Vocale Siegen begeistert mit Psalmvertonungen in der Martinikirche
Ätherisch und kraftvoll

Unter der Leitung von Peter Scholl begeisterten Solisten, das Collegium Vocale Siegen und das Bach-Orchester mit „Beati quorum via“ in der Martinikirche.
  • Unter der Leitung von Peter Scholl begeisterten Solisten, das Collegium Vocale Siegen und das Bach-Orchester mit „Beati quorum via“ in der Martinikirche.
  • Foto: Isabell Lippitz
  • hochgeladen von Alexander W. Weiß (Redakteur)

lip Siegen. Trotz Sturm und Regen war die Martinikirche am Sonntagabend bis auf den letzten Platz besetzt. Und das, obwohl der Titel des Konzertes „Beati quorum via“ sich nicht auf den ersten Blick erschließt und Psalmvertonungen aus vier Jahrhunderten auch nicht so zugkräftig erscheinen mögen wie bekannte Passionsoratorien. Wie Peter Scholl in seiner Einführung erläuterte, war der Psalm 119 die alle Werke des Konzertes umfassende Klammer, der rote Faden.
Anspruchsvolle Arien, eindrückliche RezitativeIn ihrer einstimmigen Ursprungsform, dem gregorianischen Gesang, erklangen die Worte „Wohl denen, die ohne Tadel wandeln“ des längsten Psalms der Bibel zu Beginn, um sich dann in zwei Chorsätzen von Heinrich Schütz (1585–1672) vielstimmig zu entfalten.

lip Siegen. Trotz Sturm und Regen war die Martinikirche am Sonntagabend bis auf den letzten Platz besetzt. Und das, obwohl der Titel des Konzertes „Beati quorum via“ sich nicht auf den ersten Blick erschließt und Psalmvertonungen aus vier Jahrhunderten auch nicht so zugkräftig erscheinen mögen wie bekannte Passionsoratorien. Wie Peter Scholl in seiner Einführung erläuterte, war der Psalm 119 die alle Werke des Konzertes umfassende Klammer, der rote Faden.

Anspruchsvolle Arien, eindrückliche Rezitative

In ihrer einstimmigen Ursprungsform, dem gregorianischen Gesang, erklangen die Worte „Wohl denen, die ohne Tadel wandeln“ des längsten Psalms der Bibel zu Beginn, um sich dann in zwei Chorsätzen von Heinrich Schütz (1585–1672) vielstimmig zu entfalten. Dessen doppelchörige Motette „Wohl denen, die ohne Wandel leben“, die erste aus dem „Schwanengesang“ SWV 482, bestach mit Wechselgesängen, Echos und prächtigem Gesamtklang der strahlend schönen Chorstimmen. Die „Passacaglia in d“ des Schütz-Zeitgenossen Johann Caspar von Kerll war ein zwischen Traurigkeit und trillerbewegter Chromatik angesiedeltes Orgelstück, vom weltweit konzertierenden Leiter der Klosterkonzerte im hessischen Haina, Jens Amend, in weiche Flötenregister getaucht.
Johann Sebastian Bachs Kantate „Leichtgesinnte Flattergeister“ ließ die späte Barockzeit hörbar werden. Der Titel meint die vom Winde (und vom Satan Belial) verwehten Samenkörner. In zwei sehr anspruchsvollen Arien und eindrücklichen Rezitativen besangen die Solisten Timon Führ (Bariton), Ekaterina Aleksandrova (Alt), Daniel Jeremy Tilch (Tenor) und Maren Schwier (Sopran) mit ausdrucksstarken, schön timbrierten Stimmen die Mühsal des Bestellens von unfruchtbarem Land. Die Kantate endete mit der vom Chor gesungenen Bitte um fruchtbare Aufnahme des Wortes Gottes in die Herzen der Menschen.

Fantastische emotionale Vielfalt

Ein frohgestimmtes, fein artikuliertes Intermezzo: Aus Joseph Haydns „Londoner Trio Nr. 1“ erfreuten Flötist Arnim Klüser, Oboistin Monique Braun und Cellistin Anja Vogel mit Allegro Moderato und Andante die Zuhörer. Wolfgang Amadeus Mozarts „Vesperae solennes de Confessore“ KV 339 bot mit dem Satz „Beatus vir“ einen Beitrag zum Thema. Im Wechsel zwischen Chor und Solisten bezauberte das durchweg flotte, koloraturbewegte und dramatisch auftrumpfende Werk. Auch das im vollen Werk brausend beginnende, dann mit leisen Passagen des Schwellwerks und Fugen weit ausschweifende, mächtig endende Orgelwerk Präludium und Fuge g-Moll von Johannes Brahms bot eine fantastische emotionale Vielfalt.
Zauberhaft kontrastierten vier der „Biblischen Lieder“ von Antonín Dvo(r)ák, die die Gesangssolisten mit sanfter Orgelbegleitung vortrugen. Besonders unter die Haut gingen „Wende dich zu mir“ der Sopranistin und „Du bist, o Gott, mein Schirm“ der Altistin. Zwei schlicht-schöne romantische Chorsätze von Felix Mendelssohn Bartholdy, „Zum Abendsegen“, und Max Reger, „Führe mich, Herr“, leiteten über ins 20. Jahrhundert.

Wunderbar kraftvoller Gesamtklang

Mit „Open Thou Mine Eyes“ von John Rutter (*1945) glänzte das Collegium Vocale unter der ruhig fordernden Führung Peter Scholls mit allen Facetten seines Könnens: ätherisch zarte Einzeleinsätze und wunderbar kraftvoller Gesamtklang, ein Summchor-Klangbett für den schönen Solosopran von Maren Schwier. Aber der von leisen Anfängen bis zu großer Forte-Pracht sich entfaltende herrliche Konzert-Schluss „Beati quorum via“ von Charles Villiers Stanford (1852–1924) setzte allem noch eine Klangkrone auf! Der lange, dankbare Applaus wurde mit der Wiederholung dieser Psalmvertonung, die nicht nur titelgebend war, sondern laut Peter Scholl dem Chor ans Herz gewachsen war, erwidert. Welch wunderbares Werk!

Autor:

Redaktion Kultur

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