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Bremer Bühne Cipolla mit Poe-Kurzgeschichte im Apollo
Aktuell wie nie: "Der Untergang des Hauses Usher"

Gänsehaut garantiert: Die freie Bremer Bühne Cipolla gastiert am Freitag und Samstag im Rahmen des „Festivals der Abstände“ im Siegener Apollo mit der preisgekrönten Inszenierung „Der Untergang des Hauses Usher“ nach der Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe.
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  • Gänsehaut garantiert: Die freie Bremer Bühne Cipolla gastiert am Freitag und Samstag im Rahmen des „Festivals der Abstände“ im Siegener Apollo mit der preisgekrönten Inszenierung „Der Untergang des Hauses Usher“ nach der Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe.
  • Foto: Bühne Cipolla/Benjamin Eichler
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

la  Siegen/Bremen. „Ich glaube tatsächlich, das Haus und die ganze Umgebung sind von einer eigentümlichen Atmosphäre umflutet.“ – Roderick Usher, sterbenskranker letzter Spross eines degenerierten Adelsgeschlechts, bittet seinen Freund aus Studienzeiten, ihm Gesellschaft zu leisten, um die Krankheit erträglicher zu machen. So beginnt die Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe, dem Meister der Gruselgeschichten, aus dem Jahr 1839. Die Bühne Cipolla (Bremen) machte aus dem „Untergang des Hauses Usher“ ein über einstündiges Szenario, in dem es um den Kampf des Geistes gegen dunkle Triebe, aber auch um Freundschaft, Empathie und eine Liebe über den Tod hinaus geht.

la  Siegen/Bremen. „Ich glaube tatsächlich, das Haus und die ganze Umgebung sind von einer eigentümlichen Atmosphäre umflutet.“ – Roderick Usher, sterbenskranker letzter Spross eines degenerierten Adelsgeschlechts, bittet seinen Freund aus Studienzeiten, ihm Gesellschaft zu leisten, um die Krankheit erträglicher zu machen. So beginnt die Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe, dem Meister der Gruselgeschichten, aus dem Jahr 1839. Die Bühne Cipolla (Bremen) machte aus dem „Untergang des Hauses Usher“ ein über einstündiges Szenario, in dem es um den Kampf des Geistes gegen dunkle Triebe, aber auch um Freundschaft, Empathie und eine Liebe über den Tod hinaus geht. Die preisgekrönte Inszenierung, eine Koproduktion mit dem Theater Duisburg und dem Metropol Ensemble, gastiert gleich vier Mal (Freitag und Samstag, jeweils 17 und 20 Uhr) im Rahmen des „Festivals der Abstände“ im Apollo-Theater. Eine Wiederholung, von der Alexander W. Weiß (Siegener Zeitung) Ende Februar schrieb: „Bildgewaltig und intensiv“.

Gastspiel auf Wunsch von Reitschuster

„Es war ein Wunsch von Intendant Magnus Reitschuster“, sagt Sebastian Kautz, der die Rolle des Freundes spielt, „dass wir – am Cello Musiker und Komponist Gero John – noch einmal im Rahmen des Festivals spielen. Denn gerade dieses Stück passt in die augenblickliche Situation und stellt die Frage: Wie geht man mit der Isolation um? Denn auch Usher lebt in selbstgewählter Quarantäne. Es stellt sich die Frage, wie gefährlich ist die Isolation und wie schafft man wieder Kontakt, kann sich berühren, und wie tief ist eine Freundschaft?“

Erster Auftritt seit März in Kevelaer

Die Bremer wissen, was es heißt, in der Isolation zu leben. Seit März ruhte der Spielbetrieb. „Wir hatten“, sagt Kautz, „jetzt in Kevelaer wieder unsere erste Vorstellung seit März. Gespielt haben wir in einer ähnlichen Situation wie Freitag und Samstag im Apollo: spärliche Bestuhlung, Sitzen mit Abstand, und beim Verlassen des Raumes wurde Mundschutz getragen.“ Das Ensemble ging mit Herzklopfen an die Aufführung, wurde aber eines Besseren belehrt. „Es war ein tolles Erlebnis“, sagt der Regisseur und Puppenspieler, „man hat gemerkt, wie das Publikum ausgehungert war nach Kultur“. Nach der Vorstellung, als abgebaut wurde, kamen Zuschauer an den Bühnenrand, bedankten sich nicht nur für die Inszenierung, sondern auch dafür, dass die Bremer es überhaupt wieder ermöglicht haben, dass man wieder ins Theater gehen kann. Kautz: „Es war anrührend.“

Im Juli mit der "Schachnovelle" in Siegen

Für Sebastian Kautz hat gerade die Edgar-Allen-Poe-Geschichte aktuelle Bezüge. „Wir leben“, sagt der Bremer im SZ-Interview, „in einer Zeit, die von Egoismus gekennzeichnet ist. In Zeiten der Pandemie ist man überrascht von der Solidarität, die aufblitzt, die man gar nicht für möglich gehalten hat“. Der Theater-Intendanz macht der Bremer, der am 10. und 11. Juli mit Stefan Zweigs bekanntestem Werk, der „Schachnovelle“, noch einmal in Siegen gastieren wird, ein Kompliment. „Es macht mich stolz, dass das Apollo wieder die Türen öffnet. Das ist keineswegs eine Selbstverständlichkeit, wenn man andere Veranstalter mit gleichen Voraussetzungen vergleicht.“

Mit Stefan Zweigs „Schachnovelle“ gastiert die Bühne Cipolla im Juli im Apollo-Theater.
  • Mit Stefan Zweigs „Schachnovelle“ gastiert die Bühne Cipolla im Juli im Apollo-Theater.
  • Foto: Bühne Cipolla
  • hochgeladen von Regine Wenzel (Redakteurin)

Streaming war erstmal keine Option

Cipolla-Inszenierungen auf Video-Einspielern im Streaming-Dienst zu zeigen, darauf haben die Bremer verzichtet. „Ich finde eine 1:1-Aufzeichnung entspricht nicht unseren Ansprüchen. Wenn schon, dann müsste es für dieses Medium eine eigene Produktion sein, die auf das Format zugeschnitten ist.“ „Der Untergang des Hauses Usher“, ausgezeichnet mit dem Monica-Bleibtreu-Preis in der Kategorie (moderne) Klassiker („Eine Auszeichnung, die uns stolz macht.“), ist für den Regisseur und Schauspieler ein Stück, das der Theater-Atmosphäre und des Publikums bedarf. Und das ist Freitag und Samstag im Apollo gegeben.

Gänsehaut garantiert: Die freie Bremer Bühne Cipolla gastiert am Freitag und Samstag im Rahmen des „Festivals der Abstände“ im Siegener Apollo mit der preisgekrönten Inszenierung „Der Untergang des Hauses Usher“ nach der Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe.
Mit Stefan Zweigs „Schachnovelle“ gastiert die Bühne Cipolla im Juli im Apollo-Theater.
Autor:

Jörg Langendorf aus Siegen

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