"Schöne Bescherungen" im Apollo-Theater Siegen
Alan Ayckbourn zeigt ganz viel Festtagswahnsinn

Schrillen Festtagswahnsinn brachte das Rheinische Landestheater Neuss mit Alan Ayckbourns Stück „Schöne Bescherungen“ im Apollo-Theater auf die Bühne.
  • Schrillen Festtagswahnsinn brachte das Rheinische Landestheater Neuss mit Alan Ayckbourns Stück „Schöne Bescherungen“ im Apollo-Theater auf die Bühne.
  • Foto: Adele von Bünau
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

avb Siegen. „Schöne Bescherungen“ waren das am Freitagabend im Siegener Apollo! Nicht jeder hatte ausreichend starke Nerven dafür, manche Sitze blieben nach der Pause unbesetzt. Es kann aber auch wirklich viel schiefgehen, wenn die ganze Familie zu Weihnachten im Haus ist! Alle Jahre wieder misslingt der Versuch, die eigenen Verklemmtheiten und Lüsternheiten an der Garderobe auszuziehen, Eheprobleme zu überschmücken und für ein paar Tage wegzuräumen, was einen aneinander nervt.
Von diesen Wirrnissen und Schwächen handelt die britische Komödie von Alan Ayckbourn, in der sich die Verhaltensmuster der englischen oberen Mittelschicht widerspiegeln sollen. Der Siegerländer Mittelschicht ebenfalls? Das Rheinische Landestheater Neuss spielte mit viel Schwung im gut besuchten Theater.

Fernbedienung als "running gag"

Turbulent geht es in dieser Komödie zu – Nasen und Platzwunden bluten, Messer werden aus Bäuchen, Kleider vom Leib gezogen, Requisiten fliegen durch die Gegend. Es wird laut gekreischt und kräftig gelacht, Letzteres auch im Publikum. Die Komödie verlangt den Zuschauern nicht viel ab, aber sie unterhält gut. Ein „running gag“ ist die Fernbedienung, die alles steuert, vom Fernseher bis zum Küchenquirl, und alles im unpassendsten Moment. Ein weiterer Refrain ist das inbrünstige „Fröhliche Weihnachten!“, das in Augenblicken der größten Verwirrung hoffnungsvoll gerufen wird. Am tiefsinnigsten Moment des Stückes sitzt die Hausfrau ratlos auf dem Sofa und sagt: „Da muss doch noch was
sein – abgesehen davon, dass wir so viel haben!“

Bach-Arien werden zur Schlumpfmusik

Interessant ist der Umgang mit der Zeit: Die Handlung zieht sich über alle drei Weihnachtstage. Zwischendurch rauschen viele Stunden im Zeitraffer über die Bühne: Aus Bachs Festtagsarien wird, überschnell abgespielt, eine schrille Schlumpfmusik, während die Akteure in hohem Tempo und mit wilden Gesten hin und her hasten, treppauf, treppab, mal hell erleuchtet, mal im Dämmerlicht. Es wird Abend und Morgen – der zweite Tag. Interessant ist auch der Umgang mit der Musik: Am Beginn steht das „Jauchzet, frohlocket!“ aus dem Weihnachtsoratorium, noch steht der Christbaum gerade. Dann kommen die beschriebenen Zeitraffer-Passagen. In der Mitte des Stückes blasen alle Darsteller gedankenverloren und etwas durcheinander ein Weihnachtslied auf den vielen ausgetrunkenen Flaschen. Und am Ende, kurz nach den Schüssen, die das Chaos in der guten Stube krönen, stimmt die Familie einen wohlintonierten, vierstimmigen Choral an: „Stille Nacht …“ Die hatte man doch eigentlich haben wollen.Verdienten Applaus gab es für gute schauspielerische Leistungen. Ein bisschen Dankbarkeit schwang wohl auch mit: „Ganz so schlimm wird es bei uns wohl nicht werden dieses Jahr.“

Autor:

Redaktion Kultur aus Siegen

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