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Jürgen von der Lippe: "Voll fett"
Alles nicht böse gemeint

Jürgen von der Lippe sorgte am Sonntagabend in der Siegerlandhalle mit seinem Programm „Voll fett“ für beste Stimmung.
  • Jürgen von der Lippe sorgte am Sonntagabend in der Siegerlandhalle mit seinem Programm „Voll fett“ für beste Stimmung.
  • Foto: Bärbel Althaus
  • hochgeladen von Redaktion Kultur

ba - Der Entertainer parlierte „voll fett“ über Jugendsprache und Altersbeschwerden
ba Siegen.  „2000 unvermummte Menschen in einem geschlossenen Raum – ist das herrlich!“, schwärmte Jürgen von der Lippe glückselig am Sonntagabend auf der Bühne der Siegerlandhalle. Hatten er und seine Fans doch viel zu lange auf diesen Moment warten müssen. Nun hatte die Zeit des komödiantischen Darbens endlich ein Ende, denn der Meister des kreativen Wortwitzes konnte bei seinem neuen Programm „Voll fett“ zeigen, was trotz seiner 73 Lenze noch in ihm steckt.
Mit „voll fett“ ist keineswegs das Körperfett gemeint, vielmehr verweist der Titel auf etwas, mit dessen Verständnis sich ältere Semester gelegentlich schwertun: Jugendsprache.

ba - Der Entertainer parlierte „voll fett“ über Jugendsprache und Altersbeschwerden
ba Siegen.  „2000 unvermummte Menschen in einem geschlossenen Raum – ist das herrlich!“, schwärmte Jürgen von der Lippe glückselig am Sonntagabend auf der Bühne der Siegerlandhalle. Hatten er und seine Fans doch viel zu lange auf diesen Moment warten müssen. Nun hatte die Zeit des komödiantischen Darbens endlich ein Ende, denn der Meister des kreativen Wortwitzes konnte bei seinem neuen Programm „Voll fett“ zeigen, was trotz seiner 73 Lenze noch in ihm steckt.
Mit „voll fett“ ist keineswegs das Körperfett gemeint, vielmehr verweist der Titel auf etwas, mit dessen Verständnis sich ältere Semester gelegentlich schwertun: Jugendsprache.

"Gammelfleischparty" für "Grabverweigerer"  

Na gut, „Gammelfleischparty“ ist als Bezeichnung für Ü30-Fêten mittlerweile den meisten geläufig, aber dass „Biolärm“ Vogelgezwitscher und die Partnerin ein „Nebengeräusch“ ist, ältere Menschen als „Grabverweigerer“, dicke Frauen als „Dönerfee“ und Schildkröten als „Beamtenwindhunde“ betitelt werden, war offensichtlich nicht jedem bekannt.
Wer sich über diese Form der Verunglimpfung aufregte, konnte mit passenden Worten jugendgerecht beruhigt werden. „No Front“, erklärte Jürgen von der Lippe lässig, was so viel heißen soll wie: „Das war nicht böse gemeint!“

Spitzfindige Gags

Natürlich meint er es nicht böse – oder doch, vielleicht ein kleines bisschen? Jedenfalls gehören herrlich spitzfindige Gags seit mehr als vier Jahrzehnten ebenso ins Programm des Seniors der Zwerchfellreizung wie das kunterbunte Hawaiihemd, auf dem diesmal eine muntere Schar Papageien optischen Biolärm präsentierte.
Konkurrieren mit diesem modischen Highlight konnte nur der überdimensionale Riesenbildschirm im Bühnenhintergrund, auf dem von der Lippe mit Fotos und Filmsequenzen im Stil von „Geld oder Liebe“ für adäquate Stimmung und Erheiterung sorgte. So waren Kinderfotos, ein gestörtes Känguru-Liebesspiel oder die akrobatische Gebissjonglage einer älteren Dame ebenso ein Hingucker wie romantische Sonnenuntergänge und nackte, keineswegs taufrische, Bootsurlauber.

Arte statt GNTM

Apropos Hingucker: Während alte Menschen mehr Wert auf Grips legen, ist für junge vor allem das Aussehen wichtig. Als Paradebeispiel dafür benennt von der Lippe Heidi Klums Fernsehformat „Germany‘s Next Topmodel“, wo ihn „wirklich schöne Mädchen“ erfreuen – zumindest so lange, bis sie sprechen. Spätestens dann wird klar: Sie brauchen Hilfe, und er muss auf Arte umschalten.
Überhaupt scheint die Liebe ihn immer noch zu beschäftigen. So singt er nicht nur inbrünstig Sehnsuchtslieder und Schlagerschnulzen, sondern hat auch zu der #Me-too-Bewegung eine Meinung: „Wir müssen den Tatsachen doch mal wieder ins Auge sehen. Ein genetisch normaler Mann ist quasi dazu verpflichtet, Zukunftspläne zu schmieden“, stellt er klar, mit ironischem Augenzwinkern.

Kalle und die anderen

Ein besonders markantes Beispiel des Typs „kerniger Mann“ präsentiert er in Form des Altrockers Kalle, der herrlich prollig unterwegs ist. Nach Malle nämlich, wohin er, mit Pillen zugedröhnt, seinen ersten „Langstreckenflug“ absolviert, auf dem er nackt und von erotischen Träumen beglückt durch das Flugzeug schlafwandelt. Ob man die Bilder, die er an diesem Abend heraufbeschwört, so schnell wieder vergessen kann? Schwierig wird es bei Kalles Flug im Propellerflugzeug, der ziemlich Exkrement-lastig endet. Vielleicht helfen ja ein paar gemeinsam gesungene Trinklieder, darüber hinwegzukommen.
Anschließend wird ausgiebig gelästert. Über rassistisch bedingte Sprachanpassungen und die exzessive Verwendung des Partizips. „Das Partizip geht mir so auf den Sack“, bekennt er. „Ein Studierender ist nicht dasselbe wie ein Student. Ein Bäcker ist auch kein Backender – nur in der Backstube.“ Ja, was sprachliche Finesse betrifft, kann man Jürgen von der Lippe nichts vormachen. Die beherrscht er in Perfektion.

Auch die Parodien waren dabei

Ebenso wie die Kunst, das Publikum zu unterhalten. So wird nicht nur im Rudel gesungen, er parodiert auch gewohnt meisterhaft Herbert Grönemeyer, Udo Lindenberg und Peter Maffay. Kein Wunder, dass die Zuschauer Jürgen von der Lippe begeistert feiern. Denn auch wenn er jugendsprachlich ein „Komposti“ ist, können sich viele Newcomer eine Scheibe von ihm abschneiden. Und das ist nicht böse gemeint. „No Front!“ – Ob das auch die Besucher er Veranstaltung sagen, deren falsch geparkte Autos abgeschleppt wurden!?! Siehe dazu die entsprechende  Berichterstattung auf diesen Webseiten.

„Abschlepp-Orgie“ nach Auftritt von Jürgen von der Lippe
Autor:

Bärbel Althaus (Freie Mitarbeiterin) aus Wilnsdorf

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