"Kunstpause": Besuch im Museum für Gegenwartskunst statt Stulle
Alternative zur gewöhnlichen Mittagspause

kno Siegen.  Eine Pommes mit Mayo oder Ketchup, einen Becher Kaffee zum Mitnehmen oder ein Tratsch mit den Kollegen und Kolleginnen – so oder so ähnlich dürfte die Mittagspause unzähliger Angestellter aussehen. Dabei gibt es weitaus abwechslungsreichere Möglichkeiten, seine Pause zu verbringen.
Das Museum für Gegenwartskunst in Siegen bietet die etwas andere Art der Pause an, um Berufstätigen eine kurze Auszeit aus ihrem Alltagsstress zu ermöglichen: „Kunstpause – Mittagspause einmal anders!“ nennt sich die Veranstaltung, die es auch erfolgreich in vielen anderen Museen in Deutschland gibt. In Siegen gibt es dieses Angebot jeden Donnerstag, es beinhaltet eine ca. 30-minütige Führung durch die aktuelle Ausstellung des Museums.
Das Museum für Gegenwartskunst versucht mit solchen Veranstaltungen vor allem Berufstätige zu erreichen, die normalerweise aufgrund eines Spagats zwischen Familie und Beruf nur wenig Zeit haben, das Museum zu besuchen. Sie sollen durch den Schnupperbesuch einen Einblick in das Museum und die Ausstellung erhalten und so im Anschluss erneut in ihrer Freizeit mit der Familie oder Freunden das Museum aufsuchen.

Einen ersten Eindruck vom Museum gewinnen

Eine Teilnehmerin an der Mittagsführung ist beim Besuch der SZ Anne Leistner. Sie besucht das Museum für Gegenwartskunst schon seit Jahren und freut sich auf die neue Ausstellung. Sie ist zwar berufstätig, nutzt das Angebot aber nicht als Zeitvertreib in der Mittagspause, sondern während ihres Urlaubes. „In der Mittagspause würde ich das nicht schaffen. Ich arbeite in Weidenau, und dann wäre mir das zu stressig!“ Dieses Problem haben viele Berufstätige, die nicht in unmittelbarer Museumsnähe arbeiten und täglich eine Pause von rund einer halben Stunde zur Verfügung haben.
Ann-Katrin Drews ist sich dessen bewusst und bestätigt das Problem der Zeitknappheit. Auch für sie ist es durchaus eine Herausforderung, die Führung in nur 30 Minuten durchzuführen. „Es ist nicht unser Anspruch, eine komplette Einführung in die Ausstellung zu geben. Das erwarten die Besucher auch nicht“, betont Drews. Vielmehr soll die Pause eine kreative Auszeit ermöglichen, in der die grauen Zellen angeregt werden.
Besuchern, die nur begrenzte Zeit haben, weil sie zurück zu ihrer Arbeit müssen, empfiehlt Drews daher, während der Führung Impulse aufzunehmen, die zum Nachdenken anregen sollen oder zu einem weiteren Besuch im Museum.
Das Pausenangebot richte sich aber nicht nur an Arbeitnehmer, so Museumsführerin Ann-Katrin Drews: „Es nehmen ganz unterschiedliche Personen an der Führung teil. Häufig nicht nur Berufstätige, sondern auch Studierende, Senioren oder andere Kunstinteressierte.“

Führung setzt Schwerpunkte

Nach einer kurzen Versammlung der Gruppe führt Ann-Katrin Drews die Besucher durch die aktuelle Ausstellung „Der Traum der Bibliothek“, die seit Ende März zu sehen ist, wie die SZ berichtete. Aus zeitlichen Gründen geht Drews während der Führung nur auf drei der rund 20 ausgestellten Werke ein und gibt den Besuchern dabei die Möglichkeit, diese auf sich wirken zu lassen und vielleicht sogar die Intentionen des Künstlers zu verstehen. „Es ist für keinen sinnvoll, die Besucher trotz der geringen Zeit durch die gesamte Ausstellung zu scheuchen“, so Drews.
Wer aber glaubt, während der Führung einen monotonen und langweiligen Vortrag zu erwarten, liegt falsch! Die junge Museumsführerin stellt dem Publikum Fragen und bindet diese in ihre Führung ein, und das kommt bei dem Publikum an. „Trotz der knappen Zeit war es dennoch interessant, und man hat einen kleinen Einblick in die Ausstellung erhalten“, so lautet das Urteil von Margret Weber, die sich im Anschluss die gesamte Ausstellung in Ruhe ansieht.

Weitere Führungstypen im Angebot

Noch bis Anfang September ist die Ausstellung „Der Traum der Bibliothek“ im Museum zu sehen. Sie beinhaltet u. a. Werke von Margit Bauer, Rodney Graham oder Mika Taanila, die auf unterschiedliche Weise das Thema Bücher, Bibliothek und kollektiven Speicher in ihren Kunstwerken interpretieren. Das ungewöhnliche Kunstwerk „Pirates’ Who’s Who“ findet besonders viel Anklang bei den Besuchern. Das wellenförmige, schwarze Regal mit den vielen verstaubten Büchern und der fließenden Farbe an der Wand wirkt auf die Zuschauer skurril und ungewöhnlich. Wer erfahren möchte, was das Kunstwerk nun mit Piraten zu tun hat, muss wohl selbst einmal mit der Führung gehen.
Für alle, die das Mittagsangebot nicht wahrnehmen können, gibt es noch die Abendführung, erklärt Drews. Diese geht dann insgesamt eine Stunde und gibt einen tieferen Einblick in die Werke der Ausstellung. So können dann eventuell doch noch Berufstätige das Angebot nach Feierabend wahrnehmen.

Autor:

Kiana Nourishad (Freie Mitarbeiterin) aus Siegen

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