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Wie stimmt der Rat ab?
Am Mittwoch geht es um die Erweiterung des Siegerlandmuseums

Ein toter Ort mitten im Siegener Stadtraum: Die beiden Bunker könnten für die zukunftsgerichtete Erweiterung des Siegerlandmuseums genutzt werden, vorbehaltlich der Zustimmung des Rates zur finanziellen Beteiligung der Stadt.
  • Ein toter Ort mitten im Siegener Stadtraum: Die beiden Bunker könnten für die zukunftsgerichtete Erweiterung des Siegerlandmuseums genutzt werden, vorbehaltlich der Zustimmung des Rates zur finanziellen Beteiligung der Stadt.

  • Foto: René Traut
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gmz - Kann die Bunker-Lösung umgesetzt werden? Das sagen die Fraktionen.
gmz Siegen.  Der Rat der Stadt Siegen entscheidet am Mittwoch über die Erweiterung des Siegerlandmuseums in den Bunkern an der Burgstraße (wir berichteten). Es geht um die städtische Zusage, sich an den Kosten des Umbau- und Erweiterungsprojekts mit 3 Millionen Euro zu beteiligen. 1,66 Millionen müssen aus der Bürgerschaft kommen. Der Förderverein des Museums und des Schlosses hat dafür sogar 2,2 Millionen aquiriert, Geld, hinter dem ungefähr 400 Personen stehen, wie Fördervereins-Vorsitzender Günter Zimmermann im SZ-Gespräch sagt. Der Kreis beteiligt sich ebenfalls.
Bei der Erweiterung geht es um: mehr Platz für Sonderausstellungen. Platz für weitere Exponate. Barrierefreiheit. Moderne Vermittlungsmethoden.

gmz - Kann die Bunker-Lösung umgesetzt werden? Das sagen die Fraktionen.
gmz Siegen.  Der Rat der Stadt Siegen entscheidet am Mittwoch über die Erweiterung des Siegerlandmuseums in den Bunkern an der Burgstraße (wir berichteten). Es geht um die städtische Zusage, sich an den Kosten des Umbau- und Erweiterungsprojekts mit 3 Millionen Euro zu beteiligen. 1,66 Millionen müssen aus der Bürgerschaft kommen. Der Förderverein des Museums und des Schlosses hat dafür sogar 2,2 Millionen aquiriert, Geld, hinter dem ungefähr 400 Personen stehen, wie Fördervereins-Vorsitzender Günter Zimmermann im SZ-Gespräch sagt. Der Kreis beteiligt sich ebenfalls.
Bei der Erweiterung geht es um: mehr Platz für Sonderausstellungen. Platz für weitere Exponate. Barrierefreiheit. Moderne Vermittlungsmethoden. Ein Zentrum für den Austausch über das, was im Museum aufbewahrt wird. Einen Ort der digitalen (Medien-)Kompetenz, nicht nur im Zusammenhang mit dem Museum, sondern auch für Vereine, Schulklassen, Gruppen.

Stadtgeschichte digital kennenlernen

Sebastian Leipold, mit Hees Bürowelt einer der Spender, dazu: „Ganz besonders fehlt die Darstellung unter Zuhilfenahme von modernen Medien. (…) Gerade die Ausweitung der Museumspädagogik für Kinder sehe ich als eine wichtige Maßnahme zum Kennenlernen der Stadtgeschichte und zur Identifikation mit der Heimat an.“
Das sind die Ideen, die seit Beginn der 2000er-Jahre hinter den Überlegungen für eine Erweiterung des Siegerlandmuseums stecken. Am 13. Juni 2021 beschloss der Rat einstimmig, diesen Plan umzusetzen, vorbehaltlich der Förderung durch Land und Bund, die u .a. wegen „Topfleere“ nicht gewährt wurde.
Dass das Museum Entwicklungsmöglichkeiten braucht, ist unbestritten.

Wirkung über Siegen hinaus

Die Erweiterung bietet dafür den Rahmen. Astrid Schneider, Leiterin von Kultur- Siegen, die das Projekt seit langen Jahren vorbereitet und begleitet, betont: Das Projekt biete die Chance, in einem „Museum in der Größenordnung des Siegerlandmuseums und mit dessen Ausrichtung digitale Vermittlungsinstrumente nicht nur einzukaufen und zu installieren, sondern diese unter Einsatz eigener Spezialisten zu entwickeln.“ Das Siegerlandmuseum könnte auch so Maßstäbe über die Region hinaus setzen.
Stimmt der Rat dafür, den städtischen Eigenanteil bereitzustellen, steht diese Zusage unter dem Vorbehalt der Förderung durch Land und Bund. Stimmt der Rat dagegen, können Land NRW und der Bund keine Förderzusagen treffen, weil die Anträge dann hinfällig sind. Die staatliche Förderung hat die kommunale Unterstützung zur Bedingung.

Adhemar Molzberger

Vorsitzender des SPD-Stadtverbands
Die Erweiterung des Siegerlandmuseum ist nicht nur ein weiteres Angebot an die Siegener Stadtgesellschaft, sondern auch eine Bereicherung für ganz Südwestfalen und den Tourismus. Darum werde ich dem „Bunker-Projekt“ zustimmen, vorbehaltlich des städtischen Eigenanteils von max. 3 Millionen Euro.
Jetzt geht es darum, dass die notwendigen Förderanträge gestellt werden, um bei positiven Bewilligungsbescheiden konkret weiter beraten zu können.

Melanie Becker

Fraktionsgeschäftsführerin der Linken
Ich sage natürlich, dass es absolut schwierig vermittelbar ist, bei gleichzeitiger Erhöhung der Grundsteuer B ein solch teures Projekt zu starten. (…)
Jedoch habe ich auch die Sorge, dass die Stadt, wenn wir das Museumsprojekt jetzt erst einmal schieben, im nächsten Jahr bei einem Förderantrag vom Land nicht mehr berücksichtigt wird. Das „Museum Bunker Burgstraße“ wäre natürlich eine Bereicherung für das Siegerlandmuseum, nicht zuletzt deshalb, weil es die Möglichkeit böte, komplett barrierefrei zu sein, was aus baulichen Gründen beim Rest des Siegerlandmuseums nicht gegeben ist. (…) Vor allem legen wir als Linke Wert darauf, dass diese Kulturangebote auch für alle Menschen finanziell zugänglich sind.
Aus diesen Abwägungen heraus habe ich mich bei diesem TOP (Tagesordnungspunkt, d. Red.) in der letzten Ratssitzung enthalten …

Günther Langer

UWG
In seiner Rede zum Haushalt 2020 hat Bürgermeister Mues betont, dass es keine Steuererhöhungen für den Haushaltsausgleich 2022 geben werde. Stadtkämmerer Wolfgang Cavelius hatte dazu noch mitgeteilt, dass für die Erweiterung 1,1 Millionen Euro für die Jahre 2020 bis 2023 im Haushalt eingestellt seien, rechnete aber damals bereits mit Ausgaben von bis zu 3 Millionen Euro.
Wir als UWG hatten seinerzeit der Erweiterung nur unter der Voraussetzung zugestimmt, dass die Kosten bei den im Haushalt eingestellten 1,1 Millionen Euro bleiben. Finanzielle Mittel für die Heimatförderung sind ohnehin knapp und ungewiss, sodass die weitere Finanzierung also nicht gesichert ist. (…)
Viel wichtiger ist es doch, nicht immer nur Prestige-Projekte in der Innenstadt zu fördern, sondern auch die anderen Stadtteile und auch endlich einmal Straßen, Brücken und öffentliche Gebäude zu sanieren.

Wolfgang Könen

FDP
"Was für ein Traum für jemanden, der das Siegerlandmuseum seit über 50 Jahren kennt: eine Erweiterung“ des Siegerlandmuseums, die „wirklich ein Spiegelbild der Siegener Historie darstellt“. Aber: Steht da wirklich eine vorausschauende Planung dahinter, wie sie jeder Unternehmer, jeder Haushaltsvorstand auch anwenden würde? (…) Wenn es bei den Bauarbeiten zu Mehrkosten kommt, und das ist beim Bauen im Bestand an einem denkmalgeschützten Objekt alles andere als ausgeschlossen, dann zahlt die Stadt zusätzlich. Außerdem muss die Stadt auf Sicht annähernd eine Million jährlich für zusätzliches Personal, Bauunterhaltung bereitstellen (…) Der Kämmerer hat all diese Bedenken schriftlich vorgelegt und die Zustimmung zu diesem Projekt … verweigert, weil er sie nicht für haushaltsverträglich hält. Das lässt uns als FDP-Fraktion – und ja, wir sind Fans des Siegerlandmuseums – sehr nachdenklich werden. (…) Wenn der Rat sich gegen das Projekt aussprechen sollte, dann sollte er er die Notwendigkeiten (der Modernisierungen und Digitalisierung des Siegerlandmuseums) im Hinterkopf behalten …

Michael Groß

Grüne
Politische Entscheidungen müssen immer im Kontext der wirtschaftlichen Situation getroffen werden. Die ist laut Verwaltung in Siegen dramatisch. (…) Anstehende Projekte sind immer auch auf ihre finanzielle Machbarkeit hin zu prüfen. Trotz erheblicher Fördergelder verbleibt ein Eigenanteil von 3 Millionen Euro sowie von jährlichen Folgekosten von knapp 1 Million Euro bei der Stadt. Ob das finanzierbar sein wird, werden wir im Rahmen der Haushaltsplanberatungen (…) prüfen. Es wäre fahrlässig, jetzt vorab grünes Licht zu geben, ohne die finanziellen Folgen im Detail bedacht zu haben. Dass wir das Projekt für inhaltlich gut und wünschenswert erachten, ist dabei für uns Grüne klar.

Christian Sondermann

Gemeinsam für Siegen
Wir sehen nach wie vor die Notwendigkeit einer Erweiterung des Siegerlandmuseums. (…) Das große finanzielle Engagement und das Herzblut, welches weite Teile der Bürgerschaft bisher investiert haben, sollten honoriert werden. Ein Scheitern des Projektes in diesem Stadium wäre höchst bedauerlich.
Hinsichtlich der Folgefinanzierung sehen aber auch wir einen erneuten Beratungsbedarf. Insofern begrüßen wir die weitere Ratssitzung zu diesem Thema, da bislang noch nicht alle Fragen abschließend diskutiert werden konnten. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass ein positives Ergebnis weiterhin im Bereich des Möglichen liegt.

Samuel Wittenburg

Volt
Es fühlt sich nicht gut an, bei der Entscheidung über die Erweiterung des Siegerlandmuseums die Kostenfrage zu stellen. Dennoch müssen wir, die wir in der politischen Verantwortung stehen, uns eingestehen, dass die finanzielle Lage der Stadt keinen Spielraum lässt. Wer etwas anderes behauptet, handelt unverantwortlich.

Michael M. Schwarzer

AfD
Die Erweiterung des Siegerlandmuseums im Sinne der Pflege unserer Kultur ist ein sehr begrüßenswertes Projekt, der Bunker Burgstraße ein idealer Ort. Unglücklicherweise erlaubt die derzeitige Haushaltslage keine nicht absolut notwendigen Investitionen – ganz besonders nicht, wenn gleichzeitig die Grundsteuer B erhöht werden soll. Daher kann die AfD-Fraktion das Projekt nicht guten Gewissens unterstützen.

Frank Weber

CDU
Die CDU-Fraktion Siegen hält nach wie vor an dem Projekt fest. In den vergangenen Jahren wurde die Erweiterung des Museums über alle Fraktionen hinweg einstimmig beschlossen.
Warum die mehreren Hundert privaten Spender, die den Eigenanteil der Stadt um knapp 2 Millionen Euro verringern, jetzt durch parteipolitische Taktiererei anderer Fraktionen vor der den Kopf gestoßen werden, ist für uns schwerlich zu verstehen.
Der Verzicht auf die Fördermittel von mehr als 10 Millionen Euro bedeutet gleichzeitig den Verzicht auf die Chance, das Bunkerobjekt als Bindeglied zwischen Oberem Schloss und Fißmer-Anlage städtebaulich zu nutzen. Das Verschieben ist aus unserer Sicht keine Option, da die städtebaulichen Veränderungen in Siegen nach dem Jahr 2022 nicht enden werden und dann andere Themen finanziell und personell in den Fokus rücken werden.

Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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