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Lena Henke erhält den Rubensförderpreis der Stadt Siegen
Amazonen, Pferde und ein Stier

Lena Henkes „Die Kommenden“ als „Familienaufstellung“ vor der „Wandtapete“ von Rubens’ „Amazonenschlacht“. Diese Kombination hat die Künstlerin für Siegen erarbeitet.
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  • Lena Henkes „Die Kommenden“ als „Familienaufstellung“ vor der „Wandtapete“ von Rubens’ „Amazonenschlacht“. Diese Kombination hat die Künstlerin für Siegen erarbeitet.
  • Foto: Dr. Gunhild Müller-Zimmermann
  • hochgeladen von Claudia Irle-Utsch (Redakteurin)

Lena Henke ist die neue Trägerin des Rubensförderpreises der Stadt Siegen. Im Museum für Gegenwartskunst wird ihre Ausstellung „My Fetish Years“ eröffnet.

gmz Siegen. Ewald Matarés „Liegender Stier“ erlebt im Erkerraum des Museums für Gegenwartskunst Siegen eine Renaissance. Allerdings in neuem Gewand. Tiefenentspannt liegt das Tier, in fröhlich-tristem Lila und als Naturgummiguss, auf einem hohen Sockel und schaut zum Fenster hinaus. Im Blick hat er die Kuhherde Wolfgang Kreutters in der Alten Poststraße. Vielleicht ist er ein wenig neidisch auf ihre „Freiheit“?

Lena Henke ist die neue Trägerin des Rubensförderpreises der Stadt Siegen. Im Museum für Gegenwartskunst wird ihre Ausstellung „My Fetish Years“ eröffnet.

gmz Siegen. Ewald Matarés „Liegender Stier“ erlebt im Erkerraum des Museums für Gegenwartskunst Siegen eine Renaissance. Allerdings in neuem Gewand. Tiefenentspannt liegt das Tier, in fröhlich-tristem Lila und als Naturgummiguss, auf einem hohen Sockel und schaut zum Fenster hinaus. Im Blick hat er die Kuhherde Wolfgang Kreutters in der Alten Poststraße. Vielleicht ist er ein wenig neidisch auf ihre „Freiheit“? Diese Plastik und ihre Positionierung im Raum, ihre kunsthistorischen und gesellschaftlichen Bezüge, ihre Materialität sowie die Bezüge innerhalb der Werkgruppe und der Ausstellung verraten viel über Lena Henkes künstlerischen Ansatz, der so ungewöhnlich und vielversprechend ist, dass der Künstlerin an diesem Freitag (27. September), 18 Uhr, im Museum für Gegenwartskunst der 8. Förderpreis zum Rubenspreis der Stadt Siegen verliehen wird.

"Kleiner Bruder des Rubenspreises"

Dieser Preis, der „kleine Bruder des Rubenspreises“, so Siegens Stadtrat Arne Fries bei der Vorstellung der Ausstellung „My Fetish Years“ für die Presse, sei für viele junge oder jüngere Künstler ein gutes Sprungbrett: Preisgeld (das jetzt 5000 Euro beträgt), Einzelausstellung und Katalog (erscheint im Januar 2020) seien wichtige Elemente der Anerkennung.

Chronologisch durch das Werk von Lena Henke

Doch zurück zur Bildhauerin Lena Henke. 120 meist großformatige Arbeiten sind in den 14 Räumen der beiden oberen Museumsetagen zu sehen, die Ausstellung umfasst Werke der vergangenen zehn Jahre, von denen Lena Henke sieben in New York verbracht hat. Chronologisch führe die Schau durch Henkes Werk, zeige so ihre Entwicklung und dokumentiere zugleich auch die Ausstellungsgeschichte, so Thomas Thiel, Direktor des Museums für Gegenwartskunst, der die Ausstellung zusammen mit Kuratorin Ines Rüttinger (und natürlich der Künstlerin) konzipiert hat.Wie sehr Lena Henke als Bildhauerin raum- und kontextbezogen arbeitet, sieht man in jenem eingangs erwähnten Erkerraum. Die Figurengruppe der „Kommenden“ (2017) sei zwar seit der ersten Ausstellung unverändert, so Lena Henke beim Gang durch die Schau, aber sie habe sie in Siegen auf extrem hohe Sockel gestellt, damit man die Arbeiten auch von der Straße aus sehen kann: Die Grenzen zwischen innen und außen werden verwischt.

Wassertürme aus New York auf Videoleinwand

Auch an anderen Stellen lösen sich diese Grenzen auf: Die Videowand über dem Museumseingang bespielt Lena Henke mit Aufnahmen New Yorker Wassertürme, die auch in ihren plastischen Arbeiten immer wieder auftauchen. An sechs Stellen in Siegens Oberstadt irritieren Straßenschilder im typischen New-York-Style (Weiß auf Grün) mit Wortschöpfungen und witzigen Kommentaren: So steht vor dem Museum, gegenüber der Alten Poststraße, ein Schild mit dem fast warnenden Namen „Ourcruelcrossing“ (unser gefährlicher Überweg/-gang). Das Museum, so Thomas Thiels erklärte Absicht, geht in die Stadt. Die Stadt ist eingeladen, ins Museum zu kommen! Dass Stadtbild und Städtebau-Konzepte wichtige Themen in Lena Henkes Werk sind, überrascht daher nicht!

Auseinandersetzung mit Peter Paul Rubens

Zurück zum „liegenden Stier“. Lena Henke stellt nicht nur mit der Blickbeziehung Stier – Kühe der Alten Poststraße einen Bezug zu Siegen her, sondern auch mit der großformatigen „Wandtapete“ hinter den „Kommenden“, die an Plastiken moderner Bildhauer wie Jean Arp, Joseph Jäckel oder Marino Marini erinnern, aber teils die Gesichtszüge von Lena Henkes Familienmitgliedern tragen (und so auch eine „Familienaufstellung“ bilden). Dieser Figurengruppe gegenüber befindet sich Rubens’ "Amazonenschlacht“ im Großformat. Die formale und inhaltliche Auseinandersetzung mit dieser berühmten Arbeit des berühmten Sohnes der Stadt Siegen hat die Familienaufstellungs-Konstellation beeinflusst, die so auf das wuchtige Bild reagiert. Dieses Rubens-Werk hat Lena Henke sicher nicht zufällig gewählt, sind in ihm doch Themen und Motive zu finden, die ihr wichtig sind und immer wiederkehren. Das ist einerseits der feministische Ansatz der für ihre Unabhängigkeit kämpfenden Frauen. Er klingt im weitesten Sinne auch in ihrer (ebenfalls als Wandtapete vertretenen) Plastik „UR-Mutter“ an, einer überdimensionalen Sau (ebenfalls in Lila), an deren Auftreten sich Fragen vom Umgang mit der Natur bis zur weiblichen Positionierung im gesellschaftlichen Kontext anknüpfen lassen.

Motiv "Pferd" bildet einen roten Faden

Die „Amazonenschlacht“ mit ihrem fast undurchdringlichen Wust von Menschen und Pferden auf einer prekär-unzureichenden Brücke (hier taucht das Architektur-Thema wieder auf) führt auch das Motiv des Pferdes ein, das Lena Henkes Werk wie ein roter Faden durchzieht. Es ist immer wieder sinngebender und fragenstellender Untergrund, vom fantastischen Stadt-Relief in Pferdekopfform bis hin zur eigens für Siegen (und mit Beteiligung der heimischen Sattlerei Peters angefertigten) Pferd-Frau/Mensch-Architektur-Installation „Ponyplay“. Hier wären wir dann beim der Ausstellung ihren Namen gebenden Fetisch. Die beiden großen Bögen, also Tore, stehen auf Pferdefüßen (sie sind ja bekanntermaßen uralte Verbildlichungen von Komplexitäten und Gefährdungen des Lebens), auf denen bestiefelte Füße stehen („Crushing“ lässt grüßen), die Beine bilden die Säulen, auf denen die Bögen ruhen, und sind exakt mit Leder bezogen. Sie „hängen“ von der Decke, stehen aber auch auf dem Boden. – Man muss hindurchgehen, um in die Welt der vielfältigen Bezüge einzutreten. – Ausführliches Begleitprogramm: www.mgk-siegen.de.
Lena Henke: „My Fetish Years“.
Museum für Gegenwartskunst,
Unteres Schloss 1, Siegen.
Bis 26. Januar 2020, dienstags bis sonntags
11 bis 18 Uhr (donnerstags bis 20 Uhr).
Eröffnung: Freitag, 27.September, 18 Uhr.

Lena Henkes „Die Kommenden“ als „Familienaufstellung“ vor der „Wandtapete“ von Rubens’ „Amazonenschlacht“. Diese Kombination hat die Künstlerin für Siegen erarbeitet.
Rubensförderpreis-Trägerin Lena Henke geht mit ihrer Kunst in die Stadt.
Autor:

Dr. Gunhild Müller-Zimmermann (Redakteurin) aus Siegen

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